Eigentlich hatte ich gedacht, das Ganze wäre kein Thema. Warum? Darum: Als ich letztens meinen Tampon auf dem Klo wechselte, kam einer meiner Söhne herein, guckte und machte große Augen. „Was machst du da?“, fragte er und sah sich suchend um. „Ich wechsele meinen Tampon.“ Seine Augen wurden noch größer. Dann grabschte er sich zielsicher einen Donald Duck Comic aus dem Korb neben dem Klo. „Ach, so“, sagt er beiläufig zu mir und begeistert zu Donald: „Dich habe ich gesucht.“ Dann ging er raus und knallte die Tür zu…

Ich habe von Anfang an ganz bewusst sehr offen über unsere Körper, meine Tage und über Sexualität mit meinen Kindern gesprochen. Nachdem das in meiner Kindheit eher ein Flüsterthema war und ich mit 13 an einen Tisch zum Aufklärungsgespräch gebeten wurde, schwor ich mir, dass ich in allen passenden Momenten immer gleich so offen mit meinen Kindern sprechen möchte, dass eine verlegene Versammlung nicht notwendig sein würde. Außer sie haben viele Fragen auf einmal und wünschen es sich.

Ich schwinge deswegen jetzt nicht meinen blutigen Tampon eine Runde durch die Wohnung. Aber ich schließe auch nicht ab. Ich verstecke meine Tampons nicht, sondern lagere sie ganz offen in einem Körbchen über der Toilette. Das ist auch praktisch für Besuch. Und wenn ich einkaufen war, rufe ich schon mal ganz bewusst: „Packst du die Tampons ins Bad?“ Auch damit sie das Wort Tampon, Periode und Co öfter mal ganz normal gesprochen hören. Ich finde, wenn man sich bloß hinter verschlossenen Türen um seine Regel kümmert, ergibt sich selten ein Gespräch.

Vergangene Woche färbte ein Fernsehauftritt in Sachen Monatsblutung viele Gesichter in Deutschland regelrot.

Vor Wut. In der Sendung „Höhle der Löwen“ priesen zwei Männer pinke Plastikhandschuhe an, mit denen man seinen Tampon endlich hygienisch und diskret herausziehen und hinterher unauffällig im Müll entsorgen könne. Wenn es nicht so traurig gewesen wäre, hätte man beinahe drüber lachen können. Es hatte Comedypotential. Noch mehr lachen konnte ich nur über die ganzen innovativen Männer-Produkte, mit denen diverse Instagram-Accounts seither den Auftritt der beiden parodieren. Wir hätten da zum Beispiel: „Wichs-Wisch-und-Weck-Tücher. Oder auch: „Pimmel-Halte-Handschuhe in hellblau“. Möglicher Werbeslogan: „Damit man das Ding endlich hygienisch in der Hand halten kann.“

Ich habe seither nochmal nachgedacht. Mir ist aufgefallen, dass ich im Restaurant meinen Tampon doch noch in der Faust verstecke, wenn ich aufs Klo gehe. Und wenn ich Freundinnen nach einem Tampon frage, doch noch häufig ein verlegenes „Äh“ davor setzte und die Stimme senke.

Ich denke, dass das ziemlich bescheuert ist. Übrigens dachte ich immer, es wäre mir völlig egal, welche Farbe das Demo-Blut in der Tamponwerbung hat. Zwischenzeitlich war ich sogar fein mit der blauen Flüssigkeit, weil ich nämlich auch keine echte Kinderkacke in der Windelwerbung oder Fußpilz in der Anti-Fußpilzmittel-Werbung sehen will. Anderseits, ist es wohl wirklich wichtig, dass wir klar Blut machen: Die Regel ist rot und das ist gut so und ganz normal. Und da ist absolut nichts ekliges dran.

Auch im Freundeskreis haben wir letztens diskutiert, wie offen man über das Thema Periode reden sollte.

Was können wir tun? Eine Leserin erzählte mir letztens über Instagram von der Idee der Periodenbox. Man könne diese bereits fertig im Internet kaufen (zum Beispiel hier), aber sie mache sie für ihre Töchter selbst. Sie nimmt dafür eine hübsche Box, lege ein paar Binden, Tampons und andere Periodenprodukte hinein, vielleicht noch ein hübsches Notizbuch, ein Duschgel und etwas Süßes. Diese Kiste verschenkt sie an Mädchen vor oder zur ersten Periode. Zum Ausprobieren, gegen Bauchziehen und als Zeichen, dass die Tage etwas Tolles sind.

Ich finde es weniger schlau, Mädchen Bücher über die Periode zu kaufen, die „Nur für Girls“ heißen, weil ich finde, sie implizieren, dass die Tage etwas Geheimes sein sollten. Etwas, bei dem Jungs raus sind. Wenn wir uns wünschen, dass Jungs und Männer offen und verständnisvoll damit umgehen, sollten wir sie in Sachen Periode nicht ausschließen.

Für Töchter finde ich es enorm wichtig, dass sie bei ihrer Mama einen positiven und selbstverständlichen Umgang mit der Periode erleben. Dass sie offen sagen lernen:

„Ich kann heute keinen Sport mitmachen, weil ich echt heftige Periodenschmerzen habe.“

Wichtig finde ich auch, von Anfang an mit Mythen aufzuräumen. Dass man als junges Mädchen nämlich doch Tampons benutzen darf, wenn man möchte zum Beispiel. Oder dass man sehr wohl schwimmen gehen darf, wenn man seine Tag hat. Aber auch, dass man eben doch schwanger werden kann, obwohl man seine Periode hat. Ob ich mit meiner Tochter eine kleine Perioden-Party schmeißen würde? Ich weiß es nicht. Wenn sie Lust hätte, ganz sicher. Dieses Buch zur Periode finde ich gut gemacht, für Mädchen und Jungs – und gleichzeitig ist es auch noch ein kleines Kunstwerk.

Mit meinen Jungs bleibe ich weiter im Gespräch. Ich hoffe, für immer. Ich erzähle ihnen oft von mir. Zum Beispiel, wie ich einmal durchgeblutet in der Schule saß und ein Junge lachte. Meine Kinder klopfen mir allerdings inzwischen auf die Schulter und sagen: „Mama, die Geschichte kennen wir. Das war echt fies und wir würden sowas nie machen. Wir würden weggucken. Oder was nettes sagen und fragen, ob wir irgendwie helfen können.“ Ich grinse dann.

Überlege, ob ich es mit meiner Perioden-Pädagogik vielleicht übertreibe. Beginne einen neuen Satz: „Und ich möchte, dass ihr euren Freundinnen und Partnerinnen später ganz selbstverständlich… “ Dann verdrehen sie lächelnd die Augen und beenden im Chor meinen Satz: „…Tampons im Supermarkt kaufen. Ja, Mama. Natürlich.“

PS. Die pinken Handschuhe sind übrigens vom Tisch. Die Morddrohungen gegen die beiden Erfinder in den sozialen Netzwerken fand ich allerdings noch gruseliger als ihre dusselige Erfindung.

Und was denkt ihr?

Alles Liebe,

Claudi