Es ist eins meiner Lieblingsthemen. Eins, bei dem ich gern so richtig klugscheißerich werde, so sehr, dass meine Männer schon mal gern darüber lachen. Es geht ums das Thema Saft. Darum, warum Saft ein tolles Getränk ist – ein Prost in Richtung meiner saftliebenden Familie. Und darum, dass öfter mal kein Saft drin ist, obwohl eine fette Orange darauf prankt. Habt ihr auch Lust, gemeinsam mit euren Kindern ein saftiger Detektiv zu werden?

Warum ich bei dem Thema so gern aufkläre und überhaupt dieses Saft-Ding fahre? Tatsächlich wegen eines Saftprojekts in der Unterstufe. Ich hatte damals eine super Lehrerin in Bio, sie hat uns so viel wie möglich selbst ausprobieren lassen. Es hat gewirkt. Ich vergesse nie wieder, wie viele Zuckerwürfel sich neben dem Glas mit Fruchtsaftgetränk stapelten. Es hat mich umgehauen. Und ja, ich habe mich veräppelt gefühlt (oder verapfelsint). Obwohl im Wort FruchtSAFTgetränk das Wort Saft drin vorkommt, ist quasi keiner drin. Denn Fruchtsaftgetränke sind im Grunde eine ganz andere Kategorie als Fruchtsäfte. Sie zählen zu den Erfrischungsgetränken – genau wie Limo. Ich fand und finde das wahnsinnig beeindruckend. Wie eine Spürnase fühlte ich mich hinterher im Supermarkt.

„Juice, mein Name, Agentin Juice. Mir macht in Sachen Saft niemand etwas vor!“

Wird in Deutschland dagegen auf einer Packung die Bezeichnung Fruchtsaft verwendet, ist das klar geregelt. Es bedeutet: Dieser Saft hat immer einen Fruchtgehalt von 100 Prozent, keinen Zuckerzusatz, keine Konservierungsstoffe, keine zugesetzten Aromen und keine künstlichen Farbstoffe. Wichtig zu wissen: Ein kleines Glas Fruchtsaft kann gern eine der fünf empfohlenen Obst- und Gemüse-Portionen am Tag ersetzen, reiner Fruchtsaft sollte aber nicht als Durstlöscher konsumiert werden. Auch Kindern sollte das klar sein.

Fruchtnektare werden überwiegend aus Früchten hergestellt, die man pur nicht gut versaften kann: Etwa, weil sie einen hohen Säuregehalt haben, wie Sauerkirsche, Johannisbeere oder Rhabarber. Dann wird Wasser und gegebenenfalls Zucker oder Honig zugesetzt, was man bei Fruchtsaft nicht darf. Andere Früchte wie Banane oder Aprikose enthalten viel Fruchtfleisch und wären als Saft zu dickflüssig.
Hier darf mit Wasser verdünnt werden (bei Fruchtsaft nicht). Aus vielen Früchten kann man also gar keinen Saft machen. Beziehungsweise würde der nicht schmecken.

Bei Nektaren gilt ein Mindestgehalt an Frucht zwischen 25 und 50 Prozent. Dieser Mindestfruchtanteil ist in der Fruchtsaftverordnung je nach Frucht speziell festgelegt (zum Beispiel mindestens 25 Prozent bei Banane, mindestens 35 Prozent bei Sauerkirschen oder mindestens 50 Prozent bei Holunderbeeren). Dieser Mindestfruchtanteil darf im Nektar natürlich höher liegen, aber nie darunter.

Nochmal zum Thema Fruchtsaftgetränk. Darin steckt zwar das Wort Saft, sie gehören aber in eine ganz andere Getränke-Kategorie. Sie sind Erfrischungsgetränke (wie bspw. Limonaden) und enthalten einen geringeren Fruchtgehalt (30 Prozent bei Kernobst und Trauben, 6 Prozent bei Zitrusfrüchten und 10 Prozent bei anderen Früchten). Neben des geringen Saftanteils enthalten diese Getränke Trinkwasser, natürliche Fruchtaromen. Auch Zucker und Genusssäuren sind erlaubt.

Die Deutschen sind Saftweltmeister

Nirgends auf der Welt gibt es so viele Fruchtsafthersteller wie bei uns: 326 überwiegend klein- und mittelständische Unternehmen, darunter viele Familienbetriebe, sind mit dem Keltern von Fruchtsaft beschäftigen. In keinem anderen Land wird so gern Saft getrunken: In 2020 tranken die Deutschen 30 Liter Fruchtsaft und -nektar pro Kopf. In Österreich liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verzehr bei 22,1 Litern. Zum Vergleich: Norwegen (22,5 Liter), USA (17,9 Liter) und Schweden (20,9 Liter).

Am beliebtesten sind in Deutschland Orangensaft (7,5 Liter) und Apfelsaft (6,5 Liter). Mit deutlichem Abstand folgt Multivitaminsaft mit 4,0 Litern pro Kopf.


Unsere liebsten Säfte sind gelb, gold und rosa.

Wir trinken in unserer Familie immer noch gern Saft – aber in Maßen. Am Wochenende gibt es gern mal ein kleines Glas Orangensaft für jeden. Ich finde, dass kippt zum Alltagsgefühl gleich ein wenig Urlaubsaroma dazu. Wir stoßen auch gern mal an, die Kinder lieben es.

Nachmittags lieben wir Apfel- oder Rhabarbersaft. Zwei fingerbreit Saft aufgegossen mit Mineralwasser wird daraus unser liebster Durstlöscher.  Der schmeckt nicht nur super erfrischend, sondern versorgt uns darüber hinaus auch noch mit Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Ich muss immer lächeln, wenn ich sehe, wie die Kinder ihre kleinen Finger ans Glas pressen. Wenn man ihnen so eine Hilfe an die Hand gibt, die sie tollerweise auch immer dabei haben, achten sie selbst penibel darauf, dass sie nicht zu viel Saft nehmen.

An besonderen Tagen mixen wir uns gern mal einen kleinen Cocktail. Dafür kommt Eis in jedes Glas und ein wenig Rhabarbernektar drauf. Das Ganze wird mit Mineralwasser aufgegossen. Zum Schluss werfen wir in jedes Glas ein paar Himbeeren (geht auch TK) und einen Zweig Thymian. Der süße Himbeer- und der säuerlichsüße Rhabarbergeschmack passen perfekt zusammen. Und die Kräuterwürze sieht hübsch aus und sorgt für einen kleinen Geschmackskick.

Wenn keine Zeit zum Schälen bleibt, ist ein Glas Saft eine super Alternative.

Ärzte, Ernährungsexperten und auch die Gesundheitskampagne „5 am Tag“ empfiehlt den Konsum von fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag. Diese Portionen gewährleisten eine optimale Versorgung des Körpers mit Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen. Eine Portion entspricht dabei einer Handvoll – jeweils passend zur Körpergröße.

Die meisten Menschen in Europa nehmen allerdings nicht annähernd die empfohlene Tagesmenge zu sich. In Deutschland schafft das gerade mal jede:r zehnte. Für 45 Prozent stehen Obst und Gemüse nicht einmal täglich auf dem Speiseplan (Quelle: Eurostat). Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen, dass ein Glas Fruchtsaft gelegentlich eine Portion Obst ersetzen kann, um so den Obstverzehr zu steigern. Gerade wenn mal nicht genug Zeit zum Schälen und Schneiden ist.


Prost! Auf den Saft, auf den Sommer, auf das Leben. Welchen Saft trinkt ihr denn am liebsten? Mehr Infos findet ihr auf Natürlich mit Saft.de und Fruchtsaft.de. Dort gibt es auch viele Rezepte.
Fotos: Louisa Schlepper

Alles Liebe,

Claudi