Da lagen sie, unsere müden deutschen Kinder, unter dem Tisch. Po auf steinernem Restaurantboden, Kopf auf Wickeltasche und schliefen. Nix konnte sie wecken, nicht die Kellnerin, die dampfende Pasta servierte und zuckersüße Blutorangen-Limonade. Nicht die schnatternde Gruppe blümchenbebluster, nach Lavendel duftender Italienerinnen am Nachbartisch, die immer wieder aufstanden, um sie anzusehen und Bellissima zu rufen…
Reisen mit Kindern, Italien, Rimini
Auch nicht das halbe Dutzend herumhüpfender italienischer Bambini. Niemand. Unsere Kinder schliefen, braun gebrannt, mit Sand im Haar und dreckigen Füßen. „Können wir doch nicht machen“, dachte ich zuerst. „Sie da so liegen lassen.“ Und dann: „Können wir doch. Prost Schatz.“ Und der Mann und ich tranken ein Glas herrlichen Rotwein (für mich ein ganz kleines), auf uns, auf unsere wunderbaren Kinder und diese herrliche Reise.
Rimini, Reisen mit Kindern,
Einige Bekannte haben vorher die Augenbrauen hochgezogen. „So lange fahren?!“ „Immer woanders sein??!“ und dann natürlich: „Rimini – ist das nicht dieser furchtbare Germanen-Grill mit dem Rumtata am Strand?“ Ich hab sie reden lassen. Ich hab mich gefreut. Ich hab gedacht, wenn ich mich freue über die Reise, über die Art zu reisen, tun die Kinder das auch. Ganz sicher. Und so war es. Klar – es hat auch mal einer geschrien auf der Fahrt – auch mal alle drei. Aber es gab auch ganz lange Strecken, da haben wir vorn Musik gehört, die beiden großen CD, wir haben Naschis gegessen, ganz viele und Autofarben-Raten gespielt.

Manchmal haben wir uns vorne eine Glasscheibe nach hinten gewünscht, so eine wie in Londoner Taxis, zum Aufschieben und vor allem zum Zuschieben, wenn es hinten mal wieder hoch her ging. Oder zum dreihundertsten Mal gefragt wurde, wann wir endlich da sind. Meistens nicht. Meistens waren wir froh über die Zeit zusammen. Haben auf dem Beifahrersitz Salamischnitten geschmiert und nach hinten gereicht. Oder selbstgeklebte Gesichter von hinten nach vorn gereicht bekommen. Was man übereinander lernt, wenn man so viel Zeit miteinander im Auto verbringt, ist erstaunlich. Wieso kann der Große plötzlich ganz richtig einen Stift halten? Seit wann denn das? Und der Mittlere sagt jetzt „Schnuller“ zum Schnuller und nicht mehr „O“. Leider nicht mehr.
Reisen mit Kindern
Und Rimini? Rimini war eigentlich ein Zufallstreffer. München und Gardasee waren gleich klar als Urlaubsziel. In München wohnen Freunde, der Gardasee ist schön. Und schön nah. „Und dann möchte ich noch richtig ans Meer!“ hatte der Mann gesagt. Und ich: “ Wenn man vom Gardasee da geradeaus runterfährt, kommt man nach Rimini.“ Er: „Dann also Rimini.“ Ich: “ Aber ist Rimini nicht schrecklich? Ist das nicht dieser furchtbare Germanen-Grill mit Rum….!“ Er: „Ist doch egal. Mit euch wirds überall schön. Hauptsache Meer.“

Ich hab dann trotzdem nochmal recherchiert – altes Journalisten-Laster. Und grausige Germanen-Grill-Googlebilder gefunden. Aber auch einen Artikel in der Welt: Die zwei Gesichter von Rimini. Da hatte ich Lust. Lust, das zweite Gesicht zu finden.
Die Maus, Käse, Rimini

Rimini
Wir haben es gefunden: Zwischen Touristenmenü und Plastiksandalenregalen gibt es ganze Straßenzüge, ein ganzes Rimini, ohne BumBum-Touristen. Da gibt kleine Läden, wie den klitzekleinen Käseladen mit der großen Maus am Fenster. Restaurants, in denen man seinen frischen Fisch gerade noch in roten Plastikkisten durch die Tür kommen sieht, und dann hat man ihn schon gegrillt auf dem Teller. Ein weißen Leuchtturm am Hafen, mit hübschen auf- und abwippenden Yachten davor und kleine Straßen, mit kunterbunten krummen Häusern, in denen man gerade einen entzückenden, alten Fiat 500 fotografiert und plötzlich der Besitzer mit dem Autoschlüssel rausgelaufen kommt, um zu fragen, ob man nicht mal eine Runde drehen möchte. So ist das auch in Rimini.

Und der Strand? Klar gibts da Liegendomino – wenn einer aufsteht, kippen alle um. Aber auch saubere Duschen, Toiletten, Wickelräume, Eisbuden und 1001 Kinderspielplätze. Unsere Jungs haben es geliebt. Und wir waren halt die seltsamen Deutschen, mit den vielen blonden Kindern, die ihre zwei Liegen direkt vorn ans Meer stellen. Wellenlänge vom Wasser. Madonna, mia. Sowas Verrücktes. A propos Wasser: das ist warm und ewig flach und die Wellen sind an den allermeisten Tagen gerade so hoch, dass sie sogar Zweijährigen Freude machen. Und der Bademeister, der eigentlich so furchteinflößend guckt, der Eisbudenbesitzer mit den Schweißperlen auf der Stirn und sogar die spitznasige, gehetzte Kassiererin an der Supermarktkasse: alle halten inne, wenn sie unsere Kinder sehen. Lächeln, rufen „Bellissima“ und machen alles möglich.
Gardasee, Reisen mit Kindern
Am letzten Riminitag waren wir am Strand und Muschelnsuchen und am Hafen und an der hübschen Tiberiusbrücke und Eis essen (2 mal) und Riesenrad fahren und in unserm Lieblingsrestaurant und nachtbummeln. Und hinterher fragen die beiden Großen um 23.30 Uhr mit unglaublich wachen Augen: „Und was machen wir jetzt?“
Reisen mit Kindern
Meine Tipps für München mit Kindern:
– Über den Viktualienmarkt bummeln, ganz viel Obst kaufen, gleich am kleinen Trinkwasserbrunnen abspülen und alles auffessen.
– Den Surfern am Eisbach zugucken. Lasse und Luk wollten gar nicht weg.
– Das beste Vanilleeis der Welt bei True and 12 probieren. Ganz unbedingt auch Vanille nhemen – sonst auch nicht meine Sorte, aber da sowas von gut, boah!
– Den wunderbaren Wasserspielplatz am Grünwalder Freizeitpark stürmen und ihn fast für sich haben (alle anderen Kinder haben wohl auf ihren parkähnlichen Grundstücken genug Platz zum Spielen.)
– Und bei Regen in der Zimtschneckenfabrik Zimtschnecken backen. Wie toll. Steht unbedingt für nächstes Mal auf unsere Liste.
– Genau wie dieser Märchenwald in den Bergen.
Italien, Reisen mit Kindern
Meine Tipps für den Gardasee mit Kindern:
– Garda und Bardolino und Sirmione sind toll – wir haben aber in San Felice gewohnt, das fanden wir auch schön ruhig und entspannt.
– unbedingt Badeschuhe mitbringen, wegen der Kiesel (oder Saltwater Sandalen haben, die dürfen mit ins Wasser).
– Herrlich entspannt essen: Baia del Vento in San Felice, mit kleinem Strand und Kinderspielplatz.
– Auf Flyer mit Sommerfesten achten. Wir waren spontan auf einem Kleinkunstfestival auf einer Festung in Lonato und es war wunderbar.
Reisen mit Kindern
Meine Tipps für Rimini mit Kindern:
– In der Altstadt wohnen. So schön!
– Die Bagni 1-8 meiden. Germanen-Grill-Gefahr. Danach ist auch noch Remmidemmi, aber nicht mehr ganz so.
– Wunderbare Hähnchen oder spitzen Burger bei Dinein, Via Ortaggi 9, essen.
– Sich durch die herrliche Fisch- und Seafoodkarte im großartigen La Marianna futtern, Viale Tiberio 19.
– Riesenrad fahren.
– Einmal am Strand entlang durch (fast) alle Plastikspielplätze spielen.
– Bummeln gehen in der Via Marecchia und drumherum. Lauter kunterbunte, krumme Häuschen.
– Käse kaufen in der Latteria Borgo, Via San Guiliano. Mögen die Kinder nicht. Zum Glück.
– Hübsche Babysachen von – Hurra! – italienischen Firmen, die es bei uns nicht gibt, gibts bei Bebé fatti a mano, Via San Guiliano.
München, Eisdiele,
Und noch ein paar allgemeine Tipps fürs Reisen mit Kindern:
– Entspannen, Zeit genießen, locker bleiben, lächeln. Auch ein Brüllanfall geht vorüber.
– Einen portable CD-PLayer im Auto haben (damit man nicht die ganze Zeit Drache Kokosnuss mithören muss).
– Ich hatte noch einen Koffer für die Fahrten gepackt, mit Malsachen, ein paar Bilderbüchern, einem Heft zum Gesichterkleben, einem Pocketspiel und ein paar Tüten mit Süßigkeiten.
– Unterkunft über Airbnb buchen. Entspannt, geräumig, und öfter sogar günstig
– Nicht zu viele Klamotten mitnehmen – die Kinder ziehen eh am liebsten das gleiche an.
– Bücher einpacken. Auch ein dickes Märchenbuch. Wir hatten endlich mal gaaanz viel Zeit zum Lesen. Und bei Sonne und dreißig Grad ist Rotkäppchen nur noch halb so gruselig.
– Dafür kaum Spielzeug. Es ist so toll, mit was die Kinder spielen, wenn nichts da ist.
Altstadt, Rimini, Reisen mit Kindern
Lieben Dank übrigens an Network PR aus München für die schönen, kunterbunten Sonnenbrillen aus der Polaroid Rainbowcollection (siehe erstes Bild). Sie waren alle vier reizende Mitreisende und haben uns viel Spaß gemacht.

Alles Liebe und eine schöne Woche für euch,

Claudi