Am vorletzten Wochenende, zwischen Beete-Gebrutzel und Möhren-Geschnibbel und Kinder-Gebrüll, wurde mir etwas klar: Alles auf einmal geht einfach nicht. Was ich hier gerade versuche zu jonglieren, ist mindestens eine Sache zu viel. Wenn die Wäsche liegen bleibt, meinetwegen, soll sie maulen, mir egal. Aber die Kinder – die mag ich nicht maulen lassen. Bedeutet: Ich schiebe ab sofort die Texterei fürs Kochbuch und die letzten Schwupsbuch-Korrekturen auf die Vormittage in der Woche. Eins meiner Kinder muss ich daher leider kurzzeitig in die Ferien schicken: diesen Blog…

Meine Männer sind in Sachen Kochbuch voll dabei, zumindest meistens. Der Mann ruft mich aus dem Supermarkt an und fragt: „Die Gurke hat Pickel – schlimm?“ Sohn eins, der sowieso gern backt und kocht, probiert zur Zeit ständig neue Rezepte aus: „Mama, probier Mal dieses Apfeleis. Gut, oder? Das muss unbedingt noch mit ins Kochbuch.“ Fragt aber auch täglich: „Hast du jetzt schon die Hälfte vom Buch fertig? Ein Drittel? Ein Sechzentel?“ Guckt traurig, wenn ich traurig gucke. Weil noch so, so viel fehlt. Ein Kochbuch machen toppt den Aufwand für ein Bastelbuch um Längen. Und man kann die Sachen leider nicht vorproduzieren. Wenn ihr euch fragt, wie ich das hier alles überhaupt schaffe: Ich kann Chaos um mich herum ziemlich lange ganz gut ertragen: Wäscheberge, schmutzige Fenster, Wollmäuse. Was ich auf keinen Fall will: dass die Kinder, also die echten, zu kurz kommen.

Erst gestern wieder habe ich in die Whats-App-Gruppe mit meinen Freundinnen geschrieben: „Sollte ich jemals wieder auf die Idee kommen ein Kochbuch zu machen, schreit bitte alle laut NEIN:“ Dann wieder kann ich vor Aufregung nicht schlafen, weil ich noch eine neue, so so gute Idee fürs Buch habe. Oder ich bekomme feuchte Augen, weil der Vierjährige beim Abendbrot geduldig Maiskörner auf seinem Fischstäbchen stapelt, eins neben das andere. Das wackelige Gebilde dann vorsichtig hoch hebt, mit beiden Zeigefingern, und mit leuchtenden Augen flüstert: „Das hier Mami, darf auch mit ins Buch.“

Klar sind sie auch mal sauer. Wenn die Lieblingshose noch immer nicht gewaschen ist. Wenn ich nicht mit auf den Spielplatz gehen mag. Wenn es mal wieder bloß Brot gibt, weil ich den ganzen Nachmittag über in der Küche experimentiert habe. „Daran ist bloß dieses blöde, blöde Kochbuch schuld“, maulen sie dann. Bloß der Allerkleinste freut sich vielleicht. Bis vor kurzem war nämlich meistens er an allem Schuld. Manchmal fühlt sich so ein Kochbuch an wie ein weiteres Geschwisterchen.


Inzwischen stehen zumindest alle Rezepte. Die meisten habe ich handschriftlich von Familienmitgliedern und Freunden bekommen, einige habe ich mal irgendwo gegessen und dann nachgekocht. An einigen experimentiere ich noch immer herum. Ist schon verrückt, weil ich die Sachen schon hunderte Male für uns gekocht habe. Jetzt sollen sie mit rein ins Buch und plötzlich werde ich selbst zu meinem strengsten Food-Kritiker. Lasse jeden Happen in meinem Mund zergehen, kaue bewusster, frage mich immer wieder: Ist das hier jetzt wirklich unser allerliebstes Knäckebrotrezept? Oder braucht es doch mehr Mehl? Oder weniger Hefe?

In der Nacht vor dem Knäckebrotshooting habe ich also nicht bloß meinen Knäcke-Klassiker gebacken, sondern noch zwei Varianten. Bloß um am nächsten Morgen ganz sicher zu sein, dass meins tatsächlich das Beste ist. War es. Was dann die Müdigkeit wert war. Apropos müde: jeweils vor den Shooting-Tagen fange ich abends an zu kochen und koche mich durch die halbe Nacht, damit wir gleich am nächsten Morgen mit dem Shooting loslegen können. Die Geschirrspüllmaschine dudelt leise Hintergundmusik – ich bin ihr so dankbar für ihren Einsatz. Bloß Gemüse mache ich meist morgens ganz frisch, werfe es nur bloß kurz ins kochenende Wasser, damit es seine Farbe behält (und nicht ebenso müde aussieht wie ich). Wir, das sind übrigens meine Lieblingsfotografin Ilona, Stylistin Anne und die freie Lektorin Claudia, die mit mir dieses Herzensprojekt rocken. Wir sind wie eine Band, in der jeder sein Instrument ziemlich perfekt spielt, aber alle gemeinsam singen. Es fühlt sich wunderbar an. Ich versuche mal ein Foto von uns zu machen, damit ihr Hallo sagen könnt.
ein Kochbuch schreiben,
Ganz ehrlich, nachts träume ich zur Zeit regelmäßig von Hefepilzen. Großen, gefräßigen. Oder von Computern, die Dateien verschlingen. Ich kann manchmal nicht schlafen, weil ich Schlagzeilen an der Decke über mir sehe. In dicken schwarzen Buchstaben steht da: „Privatinsolvenz: Familienbloggerin verbrennt sich an Kochbuchprojekt“. Oder so ähnlich. In anderen Nächten kann ich nicht schlafen, weil ich in Gedanken mein fertiges Buch durchblättere. Seite für Seite Lieblingsgerichte und Liebe und Leidenschaft. Und dann kann ich erst recht nicht mehr schlafen.

Ich mache hier jetzt also mal weiter. In Ruhe, zumindest ein bisschen. Nur damit ihr wisst, wo ich stecke, wenn es hier in den nächsten Tagen/Wochen ruhig wird. Ich stehe dann entweder am Herd, blut-, ach ne zum Glück tomatenbespritzt, oder habe Schreibarrest, sprich, ich darf nicht raus, bevor ich nicht mindestens zwei Rezepte und eine Einleitung getextet habe.


Nebenbei widme ich mich den letzten Korrekturen für mein neues Bilderbuch, welches hoffentlich auch noch Ende Mai erscheint und bei uns im Wasfürmich-Shop landet. Ich habe es schon bei Instagram erzählt, ich komme überhaupt nicht weiter damit, weil mein Vierjähriger jedes Mal begeistert angestürmt kommt und es vorgelesen bekommen möchte, wenn ich daran arbeite. So sehr liebt er es. Ich liebe es auch! Ich weiß, ich denke das jedes Mal, aber ich glaube, dieses Buch wird das schönste Schwupsbuch. Mein Lieblingsferkel feiert darin nämlich Geburtstag, und das ist ein absolutes Lieblingsthema bei uns. Es hat soviel Spaß gemacht, mir zu überlegen, wie kleine Ferkel feiern.

Ich melde mich hier also so bald es geht zurück, mindestens wenn ich das Buch zumindest viertelfertig habe. Na, besser dreiviertelfertig. In der Zwischenzeit folgt uns doch bei Instagram, ich denke, da werde ich mich regelmäßig mal sehen lassen. Und vielleicht lest ihr hier nochmal über mein allererstes Buchprojekt. Oder über mein erstes Bilderbuch. Oder über den Frühling bei uns. Oder über eine schöne Frühlings-Bastelidee. Oder ihr backt mal wieder meinen Alles-wird-Kuchen. Dass alles gut wird, kann ich in meinem Text-Kerker zur Zeit gut gebrauchen.

Alles Liebe und bis bald,

Claudi