Es gab eine Zeit, da mochte eins meiner Kinder nicht Tschüss sagen im Kindergarten. Er stand da und wollte nicht. „Na los“, sagte ich, „nun geh.“ Er schob die Augenbrauen zusammen – und blieb stehen. „Jetzt mach schon“, säuerte ich, „man muss immer tschüss sagen. Das gehört sich so!“ Er tippte mit der Fußspitze auf den Dielenboden. Und schwieg. Wir sind beide sehr wütend nach Hause gegangen, an diesem Tag…
gute Manieren, Kindererziehung, Bitte und Danke sagen
Ich hab etwas gelernt an diesem Nachmittag. Über Kinder. Und über mich. Ich hab gemerkt, wie wichtig mir gute Manieren sind. Bitte, danke, gern geschehen sagen, dem anderen die Tür aufhalten, die anderen Leute im Ort grüßen und vernünftig am Tisch sitzen und essen. Süßigkeitenpapier nicht einfach irgenwo hinschmeißen. Ahhh – das macht mich wahnsinnig. Mir sind gute Manieren unglaublich wichtig. Weil sie den Alltag – und mich – glücklicher machen. Weil ich glaube, dass Manieren meinen Kindern die Tür öffnen, zu allem Schönen, was sie im Leben so vor haben.

Über Kinder habe ich auch etwas gelernt. Mal wieder. Wenn mein kleinerer Sohn etwas aufräumen soll und es aber nicht tut, weil er grad keine Lust hat, wie es kleine Jungs ja öfter mal nicht haben, gehe ich manchmal hin und führe einfach seine Hand. Ganz ruhig, ohne Gebrüll. „Wir machen das jetzt zusammen!“, sage ich dann, „siehst du, so, schon fertig.“ Bloß keine große Sache draus machen. Lieber tun, anstatt quatschen. Beim Tschüss geht das nicht. Ich kann schließlich seine Zunge nicht für ihn steuern. (Zum Glück. Wäre ich Zungensteuerfrau wäre es hier wohl auch bei weitem nicht so lustig.)

Erst ein wenig später ist mir aufgefallen, dass es bei unserem Tschüss-Ding gar nicht um das Tschüss sagen ging. Es war ein kleiner feiner Machtkampf geworden, wie Mama und Kind ihn öfter haben. Mein Kind hatte genau gespürt, dass mir das Tschüss sagen so wichtig war, also war das ein ideales Machtkampfmobil. Und ich bin voll mit eingestiegen. „Lassen Sie sich bloß nicht auf einen Machtkampf ein.“, sage ich den Eltern meiner Schüler gerne. Oha, bei den eigenen Kindern fühlt sich das plötzlich ganz anders an. Da danke ich oft „Hoppla!“, weil ich mit Vollkaracho mal wieder mitten rein gebraust bin, ohne dass ich es wollte.

Am nächsten Morgen hab ich mich übrigens vor mein Kind gehockt, seine Hände gehalten und ganz ruhig gesagt: „Mir ist Tschüss sagen ganz wichtig, weißt du. Den meisten Erwachsenen ist es das. Vielleicht bist du gerade noch ein wenig zu klein, um das zu begreifen. Wenn du groß genug bist, sagst du einfach wieder Tschüss, okay. “ Er sagte nichts. Außer am Nachmittag. Da sagte er tschüss.

Manieren sind etwas, was man am besten durch Manieren beibringt. Sprich: durch Vorbild sein. In dem ich Bitte/Danke/Aufwiedersehen sage, lernt es mein Kind viel besser, als wenn ich es ihm erkläre. (Und wieder viel zu viel sabbele). Ich lobe jedes Mal, wenn meine Kinder jemanden grüßen. Und wenn ich es mal vergesse, weil ich völlig in neuen Blogpost-Gedanken stumm an jemandem im Dorf vorbei gehen – freue ich mich, wenn sie mich ermahnen. Beim Essen erinnere ich sie manchmal daran, die Hand auf den Tisch zu legen und den Arm nicht zu stützen. Oh weh, ich kann einfach nicht anders. Am besten funktioniert es aber, wenn wir ab und an mal schick essen gehen und wir dafür vorher üben. Dann merke ich: sie können es. Sie wollen es.

Apropos Manieren: Die beiden Großen verstehen sich spitze – trotzdem sagen sie beinahe nie Bitte oder Danke. Sie sagen eher „Du Blödmann“ (was manchmal allerdings auch beinahe freundlich klingt.) Dafür bekam ich letztens mit, wie der Mittlere etwas ankleben wollte, es aber nicht geschafft hat. Der Große ging hin und half. Einfach so, ohne große Bitte-und-Danke-Nummer. In dieser Situation entstand das Foto oben. Ich war hin und weg. Einfach tun. Auch eine gute Manier.

Und ihr so? Wie haltet ihr das mit den guten Manieren? Ich bin total gespannt…

Claudi