Es klingt so gut: Wenn wir schon Kunstfasern für Sportkleidung nutzen, dann doch bitte welche aus weggeworfenen PET-Flaschen. Oder aber alten Fischernetzen aus dem Meer. Ist das aber echt so einfach? Und ist Polyester vielleicht gar nicht so schlimm? Ich durfte Tchibo zu dieser Nachhaltigkeitsidee mit Fragen löchern, ja, auch mit kritischen. Allein diesen offenen Umgang mit dem Thema – sowie ihre Material-Ideen und natürlich die neuen Teile der Tchibo-Laufkollektion aus recycelten Materialien – finde ich super. Ihr auch?

Meine neue 7/8 Sport Tight von Tchibo ist nicht bloß Blau wie der Ozean – es steckt auch Meer drin. Besser gesagt Müll aus dem Meer. Klingt eklig? Ist aber eine ziemlich gute Idee. Denn wenn wir schon Kunstfasern für Sportkleidung nutzen, damit sie unter anderem winddicht, atmungsaktiv, feuchtigkeitstransportierend und schnelltrocknend ist, dann aber bitte welche aus recycelten Materialien.

Nicht nur für Tchibo ist das eine DER Zukunftsideen in Sachen Kleiderindustrie. Laut Tchibo werden dadurch „Ressourcen geschont, in dem keine neue Polyesterfasern hergestellt werden, es wird weniger CO2 verbraucht und kein zusätzliches Öl abgebaut.“ Qualitativ gibt es laut Tchibo tollerweise kaum einen Unterschied zur Frischfaser. Und das Wichtigste: Rohstoffe landen nicht in der Verbrennung, sondern werden lange genutzt.


Allerdings, und das finde ich so sympathisch bei diesem Unternehmen, verschweigen sie nicht, dass selbst ein großes Unternehmen dabei noch an seine Grenzen stößt. Tchibo erklärt mir Folgendes: Um mittelfristig eine noch größere positive Wirkung auf die Umwelt zu haben, müssen wir es schaffen, Textilien an sich besser recyclingfähig zu gestalten und das Recycling von Textilen voranzubringen. Das heißt, die Zukunft liegt im geschlossenen Textilkreislauf, in dem aus alten Textilien neue werden. Bis dahin ist es aber technisch noch ein langer Weg.“

Das Altplastik, die PET-Flaschen und die Reste von Fischernetzen werden für Tchibo an unterschiedlichen Orten auf der ganzen Welt gesammelt. Tchibo: „Die Fischernetze werden über unseren Partner Aquafil geborgen, der sie bereits reinigt und zu ECONYL® Garn aufbereitet.“ 2019 hat Tchibo 19 Tonnen recycelte Nylonabfälle (davon 5 Tonnen Fischernetze) verwendet (Quelle: Aquafil S.p.A). Zudem wurden im selben Jahr in den Tchibo-Textilprodukten rund 12 Millionen Plastikflaschen recycelt (Quelle: Textile Exchange).

Tchibo geht übrigens auch ganz offen damit um, wo es seine Kleidung produzieren lässt. Ein Großteil der Artikel kommt – wie beinahe überall – aus Asien, vor allem aus China. Kleidungsstücke werden insbesondere in Bangladesch,Myanmar, Kambodscha, Indien gefertigt. Viele der Produkte werden aber auch in Europa hergestellt, zum Beispiel Möbel, Medien, Reinigungsmittel sowie Gesundheits- und Beautyprodukte. Auch die Türkei ist wichtiger Partner für Tchibo: Dort werden vor allem Heimtextilien und Sportkleidung hergestellt.

Hier kann man ganz genau sehen, wo was herkommt. Tchibo ist dabei bewusst, dass Transparenz allein nichts besser macht. Nur aktives Einmischen setzt positive Veränderungen in Gang. Tchibo kämpft daher durch eigene Qualifizierungsmaßnahmen, sowie industrieweite Kooperationen für Arbeits- und Umwelt-Verbesserungen vor Ort. In Initiativen wie ACT on Living Wages, dem Accord on Fire and Building Safety in Bangladesch, sowie dem Bündnis für nachhaltige Textilien Deutschland arbeitet Tchibo daran,  die Einhaltung von Menschen- und Gewerkschaftsrechten, sowie Einhaltung von Umweltstandards zu stärken.

Wie genau wird überhaupt aus einer alten Plastikflasche oder einem Stück Fischernetz neues Garn? Auch das hat Tchibo mir erklärt: „Es gibt zwei Verarbeitungswege: Einmal das mechanische und dann das chemische Recycling. Beim mechanischen Recycling wird das Material maschinell zerkleinert, also in winzige Stücke geschnitten, geschmolzen und weiterverarbeitet. Beim chemischen Recycling wird es in die chemischen Ausgangsstoffe für eine erneute Herstellung zerlegt. Die Gefahr bei beiden Methoden ist, dass Rückstände aus dem Altplastik mit in die neue Faser gelangen.“ Tchibo prüft nach eigenen Angaben streng – gemäß deutscher Schadstoffanforderungen.“ Auch durch unabhängige Labore wird alles noch einmal überprüft. In Sachen Nachhaltigkeit und mit Bick auf den Einsatz von Chemikalien und dem Energiebedarf schneidet – eigentlich klar – das mechanische Recycling besser ab als das chemische. Leider kommen die Textil-Entwickler ausgerechnet dabei besonders an ihre technischen Grenzen. Für Tchibo die große Herausforderung für die nächsten Jahre, dabei noch ressourcenschonendere Verfahren zu entwickeln.

Fakt ist, das weiß auch Tchibo, dass es in Sachen Nachhaltigkeit immer die allerbeste Lösung ist, so wenig Kunststoffmüll wie möglich zu produzieren und die Kleidung so lange wie möglich zu tragen. Tchibo setzt daher, auch bei den aktuellen Sportteilen, auf besonders gute Verarbeitung, damit die Sachen möglichst lange funktionstüchtig bleiben. Es werden hochwertige Stoffe verwendet und alle Passformen speziell auf den jeweiligen Einsatz abgestimmt. Die Windprotection-Laufjacken sind also nicht nur winddicht und atmungsaktiv, sondern bleiben auch lange in Form und bieten dennoch genügend Bewegungsfreiheit zum Laufen. Zusätzlich sind sie mit qualitativ hochwertigen Reflektoren ausgestattet – gerade bei uns hier draußen, gleich hinterm Deich, ist das auf den dunklen Dorfstraßen ganz wichtig. Und ich mag die Optik – und bin mir sehr sicher, dass ich die auch noch in mehreren Jahren mag.


Ich habe mich auch für den Windbreaker entschieden, weil es hier öfter mal stürmt und nieselt – und Baumwolle dann einfach unangenehm zu tragen ist. Bei allen gewebten Funktionsartikeln setzt Tchibo übrigens auch eine umweltfreundliche Imprägnierung ein. Und mit seinem eigenen Mietangebot Tchibo Share (www.tchibo-share.de) wird immer mehr Wert auf das Verleihen von Textilien gelegt. Das macht besonders viel Sinn bei Kindersachen, da Kinder aus allem so schnell herauswachsen. Sowie bei Sachen, die man nur eine Saison trägt. Ich hoffe fest, dass ich meine regelmäßige Joggingrunde zu jeder Jahreszeit durchziehen werde.

Bereits heute, noch am Anfang der Entwicklung,wird beim direkten Vergleich zwischen recycelten Kunststofffasern und Frischfasern der positive Effekt der Recyclingidee deutlich: So konnte Tchibo 2019 durch das Recycling von den rund 12 Millionen Plastikflaschen in Textilprodukten umgerechnet rund 472 Tonnen Co2 einsparen (Quelle: Textile Exchange, eigene Berechnung basierend auf Shen L., et al. (2010) Resour Conserv Recy, 55 (1), 34-52). Durch die Garngewinnung aus Fischernetzen wurden 116 Tonnen CO2 eingespart (Quelle: Aquafil S.p.A).

Eine Sorge bleibt: Die Angst, dass auch aus recycelten Textilien Microplastik ins Abwasser gelangen könnte. Tchibo arbeitet auch hier an neuen Lösungen und hat sich der Initiative Microfibre Consortium angeschlossen, die sich gemeinsam mit anderen Unternehmen dafür eimsetzt, Mikroplastik zu reduzieren. Was wir tun können? Dinge nur dann kaufen, wenn wir sie wirklich brauchen und uns für das Produkt entscheiden, das bereits recyclte Materialien enthält. Das mag (noch) ein wenig teurer sein, weil Recycling in der Regel teurer ist als Neuproduktion. Aber mit unserer Kaufentscheidung treiben wir die Entwicklung voran. Und unterstützen Firmen wie Tchibo dabei, nachhaltige Produkte zu produzieren, die  für jeden erschwinglich sind.

Was wir noch tun können? Habt ihr schon mal was von Plogging gehört? Diese neue Sportart ist die Kombination aus Joggen und Müll sammeln und stammt ursprünglich aus Schweden. Alles was man dabei tun muss, ist beim Loslaufen an einen Beutel zu denken (und vielleicht noch an Handschuhe), dann rennt man los und sammelt unterwegs alles an Müll ein, was man sieht. Macht fit – und die Umwelt ein bisschen sauberer. Ich wollte es hochmotiviert probieren – aber bei uns hier draußen habe ich zwischen den Wiesen und im Wald zum Glück kaum Müll gefunden. Vielleicht ist das ja aber auch mal eine Idee für den Sportunterricht in Schulen.

Tchibos Ziele in Sachen Nachhaltigkeit sind riesig – und nicht weit entfernt: Ganz bald sollen alle Materialien aus nachhaltigen Quellen bezogen und umwelt- und sozialverträglich verarbeitet worden sein. Bis 2025 will Tchibo alle Sportbekleidungsartikel mit Synthetik als Hauptbestandteil aus recycelten Materialien herstellen. Bereits jetzt stammen 89 Prozent der Tchibo-Textilien mit Baumwolle aus nachhaltigeren Quellen. Bis 2021 sollen es 100 Prozent sein. Tchibo möchte auch den Anteil an Recyclingfasern stetig erhöhen und arbeitet intensiv an verschiedenen Recyclingoptionen. Auch an der Langlebigkeit wird ständig weiter geforscht, denn „Langlebigkeit ist ein zentraler Hebel für die Reduzierung der Umweltauswirkungen.“ Und weitere Ideen für nachhaltige Produkte gibt es reichlich: Dieses Jahr bietet Tchibo erstmals Sportprodukte mit Fasern aus recyceltem Kaffeesatz an. Wenn das nicht mal eine gute, eine echt passende Idee ist!

Mein Fazit? Kleidung aus recyceltem Altplastik ist eine super Idee – allerdings braucht es wohl noch eine Weile, bis die in großen Massen noch umweltfreundlicher umgesetzt werden kann. Es liegt an uns Verbrauchern, das zu fördern, in dem wir in erster Linie überhaupt nur das kaufen, was wir wirklich brauchen. Und in dem wir verstärkt zu Produkten aus Recycling-Materialien und Bio-Qualitäten greifen und den Unternehmen damit klar machen, dass auch für uns Kunden dort die Zukunft liegt.

PS. Wusstet ihr eigentlich, dass wir Kunden laut EU-Recht das Recht haben, innerhalb von 45 Tagen beim Hersteller eine Antwort auf die Frage nach möglichen Giftrückständen in
der gekauften Kleidung zu bekommen? Hat Tchibo mir auch noch verraten.

Alles Liebe,

Claudi