“Berlin und ich, das passt einfach nicht…”, dachte ich, als ich einmal quer über den Alexanderplatz stapfte. Alles so laut und viel und – sorry – alles so hässlich. Ich kontrollierte einmal mehr die Adresse auf meinem Handy und fragte mich, wo mich meine Agentin für unser Kaffee-Date hinlockte. Eine Straßenkreuzung weiter – und ich flanierte durchs charmante Shopping-Paradies…

Berlin ist kein Schönling, auf den jede fliegt.

Kein Schwiegermuttertraum. Berlin ist der Rockstar mit der Kippe hinterm Ohr und den Tattoos, der lange nichts sagt und nach Bier riecht, der dich aber nicht aus den Augen lässt und dir schließlich “Miss you” von den Stones auf der E-Gitarre vorspielt. Berlin ist abgefuckt und elegant, Berlin ist alles. Und so richtig cool ist Berlin, wenn man jemanden kennt, der einem die coolsten Spots verrät.

Mein liebster Berlin (oder Städte)-Tipp überhaupt:  Ich habe beim Buchen ein bisschen auf die Entfernungen geachtet und dann alles zu Fuß gemacht. Das macht in Berlin besonders viel Sinn, weil sie die Kieze teilweise von Kreuzung zu Kreuzung ändern, weil das Schöne oft verborgen liegt, hinter einer Baustelle, einen Hinterhoftor oder Unkraut. Und weil es überall aufregende Shops und Fachgeschäfte gibt. Aufregende Gastro sowieso. Bis zu eine Stunde Weg pro Strecke ist für mich okay.

Voila, hier kommen meine Berlin-Tipps, empfohlen von meiner Freundin I, getestet von mir.

ESSEN: Im Maiyarap in Kreuzberg, Oranienstraße 200, gibts köstliches, wirklich authentisches Thai-Essen. Es sieht dort auch aus wie in Asien, ich hab mich gefühlt wie im Urlaub. Aber Achtung, auch die Schärfehinweise auf der Karte sind authentisch.

SHOPPEN: Die Alte Schönauer Straße ist ganz in der Nähe vom Alexanderplatz, aber eine völlig andere Welt. Es ist ein richtig schöner Kiez mit kleinen, besonderen Läden, ein paar Filialen der coolen Ketten, sowie toller Gastro und gefühlt viel wenige Touristen, als anderswo in Berlin.

Einen guten Kaffee trinkt man im Café Oliv, ich mag auch den Schriftzug “you make me love” über der Tür so gern. Es gibt ein Fachgeschäft für Tanzbedarf, mit so hübschen Tutus und einen wirklich großartig kuratierten Buchladen (“Hundt Hammer Stein”), so besonders, dass ich ihnen sogar verzeihe, dass sie meine Bücher nicht auf Lager hatten.

Im Laden o.k. gibt’s Kram aus der ganzen Welt, ganz viel dort eignet sich super für Mitbringsel – oder für die Geschenkschublade zuhause. Ich habe für einen der bunten Hühner-Eierbecher aus Plastik nur 3,50 Euro bezahlt, statt 9,90 wie in Hamburg.

FRÜHSTÜCK: Das Blumental, Engeldamm 64, lag bei meinem Hotel um die Ecke und auf dem Weg zu meinem Seminar, daher war es ein Zufallstreffer. Aber was für einer. Vom Design und der Atmosphäre her erinnert mich das Café an New York, die Karte ist aufregend und das Essen war super. Besonders toll: man kann sich fast alles auch in halben Portionen bestellen, und daher gleich zwei Sachen probieren. Ich hatte die Turkish Eggs und die Pistazien-Pancakes und die waren echt sensationell gut. Während ich mit Öffnung der Türen noch spontan einen Platz bekommen habe, wurde die allermeisten weggeschickt. Ich würde also unbedingt reservieren.

SCHLAFEN: Nicht wirklich schön, aber sehr günstig, sauber und zentral nächtigt man im A & O Hostel Mitte, Köpenicker Straße 127. Ich mochte die strubbelig, freundliche Atmosphäre in der Lobby (auch wenn ich dort nicht wirklich konzentriert arbeiten konnte) und die Motivation-Sprüche im Treppenhaus. Hab tatsächlich nicht einmal den Fahrstuhl genommen. Wer traut sich an eine Pizza aus dem Automaten vor der Tür…

BAR: Richtig cool und dennoch gemütlich wie das eigene Wohnzimmer fand ich es in der Ritchie Bar, Oranienstraße 171 in Kreuzberg. Der Basil Smash ist köstlich! Aber Achtung, es geht nur Barzahlung (wie ziemlich oft in Berlin).

KOPFDING: Ich war in Berlin zur Bertelsmann-Gala und für ein Schreibseminar (Drehbuch-Kurs an der Master School Drehbuch) und das war so toll, weil ich mich nicht nur als Touristin gefühlt habe, sondern Teil der Stadt war. Weil es so gut tut, sich weiterzubilden und Neues zu lernen. In seinem Hobby, seinem Job oder in was auch immer. Ehrlich gesagt hatte ich kurz vorher ein bisschen Bammel, weil ich am Wochenende eigentlich nach Erholung lechze. Aber hurra, das Seminar hat mir so viel Energie und Motivation geschenkt.

Also sag, was für einen Kurs buchst du?

PS. Ich will bald wieder kommen. Während die  schleimigen Schwiegermutter-Typen schnell langweilig werden können, wird Berlin das nicht. Ich kann unser nächstes Date kaum erwarten.

Claudi