Es gibt da bei uns dieses Dienstags-Drama. Dienstags ist bei uns Turnen-Tag, ich gehe mit den beiden Kleinen, die Großen gehen allein, aber wir alle sind aus dem Haus und kommen erst gegen sechs nach Hause. Müde. Hungrig. Wenn es gut läuft habe ich etwas zu essen vorbereitet, wenigstens frisches Brot gekauft oder schon morgens beschlossen, schnell Pfannkuchen zu backen. Wenn es schlecht läuft, hab ich es verplant einen Plan zu machen. Oder wir haben keine Eier mehr. Als ich am Dienstag mal wieder ins Bad flüchtete, planlos, gedankenmaulte (die Kinder laut), überlegte ich, wie das wohl andere so machen…

Da war sie, die Idee für eine neue Serie, absolut ehrlich und ungeschönt. Ich möchte darin Ideen für die kleinen, gemeinen Maul-Momente im Familienalltag aufspüren, kurz und knapp – oder auch mal bloß beweisen, dass andere es auch nicht besser hinkriegen. Nervige Kleinigkeiten, über die niemand mit Kindern so richtig spricht, die aber ganz sicher uns alle belasten und Energie rauben. Alltags-Momente, vor denen ich manchmal richtig Bammel habe. Wupp-Bammel. Entscheidungs-Bammel. Dabei sitzen wir doch alle im selben Mutter-Kutter…

Wie sieht es aus, habt ihr Lust auf „Wie wuppst du was?“ Fallen dir mehr Nicht-Wupp-Momente ein? Und von wem würdest du gern die Antworten hören…? Hier geht es jetzt los mit meinen Antworten. Und mit meinem Dienstags-Drama…

Was kochst du kurz nach dem Kinderturnen (oder anderen Nachmittagsdates), wenn alle spät zuhause sind und alle maulig?
Wenn es gut läuft, habe ich mir schon morgens etwas überlegt und es schon vorbereitet. Ehrlicherweise ist das oft nicht so, obwohl ich es mir immer wieder vornehme und es ja auch eigentlich nicht so schwer ist. Dienstags morgens arbeite ich in der Schule, dieser Tag läuft also ein bisschen anders ab als sonst und ich bin nicht ganz so flexibel.

Leider haben die Kinder nach dem Turnen, nicht bloß ein bisschen Hunger sondern, sondern riesengroßen HUNGER, kurz vor Tod, und maulen auch so. Selbst wenn ich schon Kartoffeln geschält habe, dauert das Kochen 25 maulige Minuten zu lange. Also mache ich gern was fixes, Nudeln mit Pilzsoße zum Beispiel. Wenn ich für die 15 Minuten Hungermaulerei ebenfalls keine Kraft habe, gibt es Dienstags Brot. (Ich versuche in diesem Jahr wirklich immer ein halbes im Gefrierschank zu haben. Selbst wenn ich es dort vergessen, tauen die Scheiben im Toaster blitzschnell auf.) Manchmal darf ausnahmsweise sogar Nutella drauf.

Der eine muss Hausaufgaben machen – ein anderer motzt..
Mein Großer macht am Esstisch Hausaufgaben, ist vielleicht nicht ideal, mochte ich aber früher auch am liebsten. Ich war allerdings ein Einzelkind. Jetzt sitzen, laufen, tapsen hier noch drei mehr herum und sich dabei zu konzentrieren, ist nicht immer einfach (für ihn nicht und für mich nicht, wenn er eine Frage an mich hat). Ich versuche in Sachen Hausaufgaben sehr konsequent in Sachen Ruhe zu sein. Wer das unten nicht schafft, geht bitte raus.

Tatsächlich hat es eine Weile gedauert, aber jetzt ist es drin. Bestenfalls lege ich den beiden Mittleren Papier und Stifte hin, der Vorschüler bekommt auch gern Hausaufgaben von mir. Und spätestens wenn der Große dann Lesen übt, sind alle wieder da und hören zu, was der Große dann wieder großartig findet. Und der Kleinste: bekommt einen Apfel. Hinterher finde ich überall Apfelkrümel – aber die Hausaufgaben sind fertig.


„Bitte, bitte, darf das Kaplaschloss ((drei mal drei Meter groß) im Wohnzimmer stehen bleiben?“
Es darf. Unter folgenden Bedingungen: Alle nicht verbauten Steine und Tiere werden abends weggeräumt. Und: Ich übernehme keine Garantie für eventuelle Schäden durch tapsendes Kleinkind. Spätestens Donnerstag muss alles weg, da wird nämlich gewischt.

Filmabend – und jeder will was anderes gucken.
Eine Weile dachte ich, mit bloß einem Geschlecht und Kindern mit wenig Abstand bliebe uns diese Diskussionen erspart. Ist aber natürlich nicht so. Hier wird bloß freitags und samstags Fernsehen geguckt (beziehungsweise gestreamt), dementsprechend fernsehhungrig sitzen hier drei Kinder auf dem Sofa (und eins klettert um sie herum und versucht Gummibärchen aus der Naschschale zu mopsen). War ich bei Kind eins noch absolut streng, bin ich mit jedem Kind lockerer geworden und natürlich schaut der Vierjährige bereits Dinge, die ich dem Großen nie erlaubt hätte.

Wenn ich Glück habe, einigen sich alle drei auf einen Kinderfilm (nachdem ich ihnen maximal drei Trailer vorgespielt habe), das schaue ich nämlich auch am liebsten mit (was sie ein wenig milde stimmt). Wenn ich Pech habe, können sie sich nicht einigen und jeder darf sich eine Folge seiner Lieblingsserie wünschen. Da wird dann gegenseitig zwar auch kurz gemotzt, aber nur kurz. Babyserie gucken ist scheinbar immer noch besser als gar keine Serie gucken. Ha.

Eins ist eine eiserne Regel: wenn Besuch da ist mit kleineren Kindern (was oft vorkommt), richtet sich die Guck-Auswahl nach dem kleinsten Kind. Basta.

Manchmal, wenn die anderen schlafen oder mit dem Papa unterwegs sind, schaue ich mit meinem Großen ganz allein einen Film für Größere. Das ist dann ganz besonders. Ganz besonders schön.

Besuch ist da (mit einem Kind oder noch keinem Kind) und die Kinder drehen auf…
Passierte leider oft und ich denke dann manchmal, was sollen die anderen bloß von uns denken. Ganz sicher: „Vier Jungs – die Armen“). Das tut mir irgendwie leid für meine Kinder, denn ich bezweifle, dass alle mir glauben, dass das ja nicht immer so wild ist.

Weil vor allem ich von der Dauer-Toberei und wilden Aufeinanderliegerei im Wohnbereich genervt war (immer im Winter), gibt es eine neue Regel bei uns, die heißt: „TOBEN – OBEN“ (oder draußen). Ich versuche da gerade sehr konsequent zu sein, möchte ihnen die Bewegung nicht verbieten, aber ich möchte, dass sie lernen, dass unser Haus für alle da ist und dass sich alle wohlfühlen sollen. Also toben ja – aber eben nicht überall.

Mal sehen, wahrscheinlich hat es sich pünktlich zum Frühling eingespielt – und dann ist sowieso wieder alles ganz anders.

Das Kinderzimmer gleicht einem Explosionstatort – und du magst das Chaos nicht mehr sehen…
Wir haben zum Glück ein Schlafzimmer und ein Spielzimmer. Im Schlafzimmer gibt es – bis auf Kuscheltiere und Bücher – kein Spielzeug. Also mache ich in den meisten Fällen einfach die Spielzimmertür zu. Einmal in der Woche, gern freitags abends vor dem Film, räume ich mit ihnen gemeinsam auf. (Da ist die Motivation groß es schnell zu erledigen). Dabei gibt es natürlich Gemotze – mal mehr, mal weniger.

Dein Kind malt ein Bild und du findest es bloß so – naja…
Ich bin Kunstlehrerin, sprich ich liebe Kinderkunst und vor allem liebe ich es, wenn Kinder künstlerisch arbeiten. Ich finde zum Glück in beinahe jedem Kinderbild etwas Interessantes – und das sage ich dann auch so. Liebloses Hingekritzel (drei Striche pro Blatt) beende ich aber dennoch mit dem Hinweis auf Papierverschwendung, gern mit dem Angebot gemeinsam etwas zu malen, wenn es gerade zeitlich passt (meist fehlt in so einem Moment nämlich bloß eine Idee).

Ansonsten gebe ich schon mein ehrliches Feedback. Dabei geht es nicht um schön oder nicht schön – sondern ich melde zurück, ob ich denke, dass sich jemand Mühe gegeben hat. Meine Kinder wissen inzwischen, dass ich volle Bilder besonders gern mag. Und Farben die leuchten, weil sie mit Ausdauer mit Wasser schön schaumig gerührt wurden.

Dein Kind möchte sich mit einem Kind verabreden welches du nicht – ganz so – magst…
Ganz ehrlich, ich warte mindestens drei Mal nachfragen nach einem konkreten Treffen ab. Dann verabrede ich ein Date. Gern bei uns. Manchmal ist es dann besser als erwartet.
Alltag mit Kindern bewältigen, wie wuppst du was
Ein Kind von dir ist verabredet, das andere mault, dass es auch will…
Das ist ein riesiges Thema bei uns, immer verbunden mit einer ellenlangen und anstrengenden Diskussion um Ungerechtigkeit. Wenn es irgendwie passt, frage ich den, der nicht verabredet ist, ob er sich auch verabreden möchte, manchmal sogar auch den dritten. Ich habe nämlich ganz gern die Bude voll (und schaffe dann oft mehr als ohne Kinderbesuch).

Dennoch finde ich es auch wichtig, dass meine Kinder lernen, dass es in Sachen Freizeitspaß und Freunde treffen keine Gerechtigkeit geben kann. Dass man lernen muss zu akzeptieren, dass mal der eine etwas Schönes vor hat und mal der andere. Ich erläutere das auch gern an Andrés und meinen Verabredungen – da neidet der eine dem anderen ja auch nicht seinen Spaß. Im Gegenteil, ich mag es sehr, wenn mein Mann gut gelaunt nach Hause kommt.

Noch was: Oft entstehen gerade nach dem Gemaule, weil einer zu einem Freund darf und die anderen nicht verabredet sind, wunderbare Spielmomente in der neuen Geschwisterkonstellation. Gerade die beiden Mittleren beginnen das ganz bewusst zu genießen – und sich sogar darauf zu freuen miteinander zuhause zu bleiben.

Du willst abends noch arbeiten/eine Serie schauen/ ein Buch lesen, aber dein Kind will dich bei sich…
Es gibt Abende, da kann und mag ich das nicht. Da drücke ich mein Kind ganz fest und sage klipp und klar, dass ich eine Textabgabe habe – oder einfach mal eine Stunde für mich brauche. Verrückterweise wird das dann auch in den allermeisten Fällen so akzeptiert.

Im Gegensatz zu den Abenden, wo ich selbst nicht ganz sicher bin, was ich will. Da wird laut gejault, bis ich mich dazulege, was ich dann auch tue. Und in den allermeisten Fällen sehr genieße, obwohl ich eigentlich andere Pläne hatte. Kinder-Atem-Musik lauschen ist ja so schön.

Ein schönes Wochenende euch und alles Liebe,

Claudi