Meine Yogalehrerin inspirierte mich vor einer Weile mit einer Geschichte, die mich seither nicht mehr loslässt. Sie erzählte, dass man im alten Japan hochschwangere Frauen quasi von der Welt abschirmte und sie nur noch mit schönen Dingen umgab. Sie wurden mit Blumen beschenkt, ihnen wurde gutes Essen serviert, fröhliche Geschichten erzählt oder schöne Musik vorgespielt…
Mutterschutz, schonen, Schwangerschaft,
Keinesfalls durften sie Nachrichten hören, sollten sich Sorgen machen oder ärgern. Man glaubte fest daran, dass all das Schöne den Geist der Frauen optimistisch und den Körper weich macht und so optimal für die Geburt und eine harmonische Mutter-Kind-Beziehung vorbereitet.

Natürlich galt dieses Konzept nur für die Oberschicht und natürlich lässt sich so etwas heutzutage im Familienalltag mit bereits vorhandenen Kindern nur schwer umsetzen. Dennoch versuche ich seit ein paar Tagen diese Inspiration auszuprobieren. Unser Urlaub in Holland war ein idealer Einstieg: Ich buchte nur ein winziges Wi-fi-Paket, checkte meine Mails nur einmal am Tag und postete lediglich das Nötigste. Ich las keine sozialen Netzwerke, keine Zeitung, schaute keine Nachrichten. Ich tauschte den schwierigen Roman, den wir gerade im Literaturkreis bei uns im Dorf lesen, gegen einen Schmöker. Und ich diskutierte mit den Jungs weniger über schmutzige Shirts oder zuckerhaltige Lebensmittel. Ich ließ es einfach mehr laufen als sonst. Und war plötzlich so viel aufmerksamer für das was sie mir erzählten. Ergebnis: Es fühlte sich wunderbar an. Die Sonne schien: Unser Leben fühlte sich an wie mit einem permanenten, leicht milchigen Instagram-Filter überzogen.

Ich möchte all das zuhause weiter leben. Jetzt wo mein Mutterschutz ganz offiziell begonnen hat, habe ich für eine Weile die Tageszeitung abbestellt (seit dem Volontariat habe ich das nicht getan!), ich schaue und höre keine Nachrichten mehr. Ich wähle meine Verabredungen mit Bedacht. Ich sage öfter mal nein, wenn mich jemand um etwas bittet. Ich habe noch ein paar schöne Kooperationen hier auf dem Blog zugesagt und spannende Texte geplant, die ich natürlich noch abarbeiten möchte und werde. Das Allermeiste jedoch sage ich ab jetzt ab. Verschiebe es auf später. Ganz ehrlich, es fällt mir nicht leicht, der Blog wächst gerade gut, ich habe viele Anfragen und das Gefühl ich könnte einiges reißen. Aber in mir wächst auch etwas, etwas, das wichtiger ist als alles auf der Welt. Etwas mit Wachstumsvorrang. Natürlich werde ich nicht all den Stress los, die Wäsche, das Unkraut, alle Sorgen, es wird auch zuhause weiterhin Streit und Chaos geben. Aber unsere Familie wird noch einmal größer und ich möchte ihr dabei in Ruhe zuschauen. Ab jetzt stülpe ich also einfach eine dieser blumenstickten Kuchenhauben aus Tüll über uns.

Was ich nämlich nicht möchte: im Nachhinein denken „Ach hätte ich doch…!“. Tatsächlich habe ich immer das Gefühl, ich hätte meine letzte Schwangerschaft nicht genug genossen. Ich weiß nicht, ob es wirklich so war oder ob es sich im Nachhinein nur so anfühlt. Damit das nicht nochmal passiert, führe ich ab jetzt eine Liste. Eine Liste voll mit schönen Babyvorfreude- oder Mama-Wohlfühl-Momenten. Für jeden bewusst erlebten Moment male ich ein Herz auf das simple Blatt Papier und schreibe ein Wort zur Erinnerung dazu. Ein paar Herzen habe ich bereits gesammelt. Jetzt dürfen noch viel mehr dazukommen.

Falls ich also nicht mehr gleich auf eure Mails und Kommentare antworte, verzeiht es mir. Ich lese sie alle und freue mich sehr darüber. Wenn ihr mögt, folgt mir doch per Instagram und Facebook, dadurch verpasst ihr nicht, wenn ich hier doch etwas poste. Außerdem wird es dort sicher auch hin und wieder etwas von unter der Tüllhaube zu sehen geben.

Ich gehe jetzt Blumen besorgen. Und mache eine Gute-Laune-Musikliste bei Spotifiy. Und heute Nachmittag? Mal sehen… Ein Herz produzieren hoffentlich.

PS. Habt ihr eure Schangerschaft zelebriert?
PPS. Meine duftige Babybauch-Butter. Und mein Babycountdown vom letzten Mal.
PPPS. Foto von Leni Moretti.

Alles Liebe,

Claudi