Unter einem Beitrag über eine meiner Geburten schrieb neulich eine Frau: „Ich hatte keine schöne Geburt. Keine meiner drei Geburten war schön…“

Der Satz blieb eine Weile bei mir hängen.

Nicht, weil ich ihm widersprechen wollte. Ich selbst hatte über diese Geburt geschrieben, dass sie kein Vergnügen war. Ich hatte mein Kind nicht herausgeatmet, im Pool und voller Energie. Es hatte scheiße weg getan. Der Weg war nicht das Ziel gewesen, das Ziel war das Ziel. Und das war großartig: mein Kind.

Vielmehr dachte ich darüber nach, warum wir eigentlich, dass eine Geburt schön ist?

Das bedeutet nicht, dass man nicht alles tun darf, um es sich dabei möglichst gut gehen zu lassen.  Möglichst sicher, möglichst selbstbestimmt. Aber am Ende ist eine Geburt doch vor allem eines: eine Geburt. Sie ist dazu da, ein Kind auf die Welt zu bringen.

Sie darf überwältigend sein. Schmerzhaft. Kraft raubend. Chaotisch. Beängstigend. Unglaublich. Und manchmal vielleicht sogar schön. Aber muss sie das? Was machen wir uns damit für einen Druck?

Ich frage mich, ob wir uns mit diesem Anspruch nicht ohnehin unter Druck setzen.

Und das beschränkt sich das nicht auf Geburten. Wir wollen – beziehungsweise verlangen – heute, dass alles schön ist.

Der Urlaub natürlich. Das Wochenende. Der Kindergeburtstag. Die Wohnung. Der Abend. Das Essen. Selbst die schwierigen Zeiten sollen am Ende wenigstens eine schöne Erkenntnis hervorgebracht haben. Bitte nicht falsch verstehen, es ist wunderbar, wenn man auch im größten Scheiß noch Schönes sehen kann. Ich erinnere mich, wie meine Kids – in Erinnerung an Astrid Lindgrens Bullerbü – mal „Hurra, es staubt!!!!“ gejubelt haben, als wir eine chaotische Straße heruntergefahren sind und vor Dreck quasi nichts mehr sehen konnten.

Dennoch wäre es doch entspannt, wenn ein Moment ab und zu auch einfach sein dürfte, wie er ist:

Zugig, nervig, kacke. Und wir mal ordentlich schlecht gelaunt. Weil es dazu gehört. Weil wir uns  dann am  nächsten Tag freuen können, dass alles entspannter wird.

Noch was: Oft ertappe ich mich selbst bei Optimierungsgedanken. Manchmal plane ich sogar bereits den nächsten schönen Moment, während ich noch mitten in einem sitze.

Ich grübele dann, wohin wir als Nächstes reisen könnten. Welche Kissenbezüge noch schöner wären. Welche Blumen besser auf den Tisch passen würden. Welche Schuhe ich gern hätte. Welche Veränderung mein Leben noch ein bisschen schöner machen könnte.

Und plötzlich merke ich: Es ist nie genug.

Denn Schönheit hat die unangenehme Eigenschaft, dass man sich an sie gewöhnt. Die neue Bluse hängt mit den anderen im Schrank. Und der Abend wird nicht besser, bloß weil da ein neues Kissen auf dem Sofa liegt.

Vielleicht verpassen wir manchmal den Moment, weil wir ihn dauernd verbessern wollen. Dabei muss ein Dienstag vielleicht gar nicht immer schön oder besonders sein.

Er darf auch einfach mal ein Dienstag sein.

Je älter ich werde, desto mehr glaube ich, dass Frieden nicht daraus entsteht, möglichst viele schöne Momente zu sammeln.

Sondern daraus, aufzuhören, mit den anderen zu hadern. Den Moment nicht ständig zu bewerten. Nicht sofort zu fragen: War das schön? Sondern vielleicht erst einmal nur: War es echt? War ich da? Habe ich es erlebt?

Ein schönes Wochenende euch!

Claudi