Jedes Mal wenn ich an dem riesigen Plakat vorbeigefahren bin, hab ich gedacht: Da will ich in hin. Deichtorhallen: „Picasso in der Kunst der Gegenwart.“ Endlich wieder Kunst gucken. Farben. Kopf anstrengen. Inspirieren lassen. „Und wer nimmt die Jungs?“, dachte ich grad. „Wieso verliert die Frau da ihr Auge?“, fragte da der Große von hinten…
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„Welche Frau…, was…?“, frage ich zurück, zugegeben ein wenig lustlos, mit den Gedanken eigentlich in meinem Kalender der nächsten Woche. „Na die bunte da!“ „Die bunte…?“ Mein Vierjähriger zeigt auf das Picasso-Ausstellungsplakat. Ich grinse. „Magst du die vielleicht mal kennenlernen?“, frage ich. „Wen, Mama?“ „Na die bunte…“

Damit wars beschlossen. Ich geh in die Deichtorhallen und die Jungs kommen mit. Hin- und zurück fahren wir mit der S-Bahn – das machen wir sonst nie, wollten wir aber auch schon immer mal machen. Zicke, zacke – war ich gespannt. Um es den Jungs – und mir! – ein bisschen einfacher zu machen, hab ich am Abend vorher noch schnell eine Kiste gepackt, mit ein paar Ideen, um die Jungs spielerisch an die Bilder ranzuführen. Das war drin in der Kiste…
Mit KIndern ins Museum, Museumspädagogik
Eine „Schatzkiste“ mit lauter kleinen eilig zusammengesuchten Kleinigkeiten, zum Beispiel eine Murmel, ein Spielzeugauto, eine Muschel, ein Stein, eine kleine Puppe, eine Holztomate, ein Stück Spielgeld. Zwei Papp-Ferngläser, ein Briefumschlag mit bunten Papierrechtecken, ein Ausschnitt aus einem Bild der Ausstellung (im Internet ausgedruckt und ausgeschnitten), zwei Blankobücher zum Hineinmalen und ein paar Buntstifte.
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In der Ausstellung haben die Jungs ganz von allein ihre Ferngläser rausgeholt und die Bilder damit betrachtet. Macht viel mehr Spaß, sie gucken genauer hin und entdecken spannende Kleinigkeiten. Und ich fand den riesigen Pollock mit einem winzigen Zweijährigen davor noch beeindruckender.

Später dürfen sich die beiden jeder ein Ding aus der Schatzkiste aussuchen – mit der Bitte mir zu zeigen, zu welchem Bild ihr Gegenstand passt. Lasse wählt für sein Auto einen großen Picasso: „Da ist es auch schwarz, Mama, sogar schwarzschwarz und auf diesen Strichen da überall könnte mein Auto gut fahren.“

Was ich aus der Schule ganz vergessen hatte: Wie toll Kinder große Skulpturen finden. „Ein Seeungeheuer!“, stellt Lasse gleich klar. „Hier ist ein Auge und mit den zwei Mäulern frisst es uns.“ Plötzlich seh ich es auch.

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Die Deichtorhallen eignen sich übrigens spitze für einen Besuch mit Kindern: riesengroß, viel Platz und freundliche Aufpasser – da ist es auch okay, wenn zwischen dem Bildergucken auf dem Boden mal Spielzeugauto gefahren wird. Und aktuelle Kunst ist super – da fangen Kinder herrlich an zu fantasieren – einfach so und absolut ohne Berührungsängste.

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Bei unserm Besuch gab als nächstes ein Detektivspiel: Schnipsel mit dem Bildausschnitt angucken und rausfinden, zu welchem Bild der gehört. „Ganz klar Mama, das gehört zu dem Bild mit dem aben Arm!“, meint Lasse nach einer kurzen Suche. „Ein abgerissener Fuß liegt da übrigens auch noch rum. Und weißt du Mama, der Sofatisch klebt da an der Decke – das wär doch auch super für uns. Mama, dann würdest du nicht mehr ständig mit dem kleinen Zeh dagegen laufen…“

Zu dem „Aben-Arm-aben-Fuß-und-Tisch-an-der-Decke-Bild wollten die Jungs dann auch gern etwas in ihre Malbücher malen. Zuhause schreibe ich Datum und Ausstellung dazu und beim nächsten Museumsbesuchen dürfen die Bücher wieder mit.

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Zum Schluss wählt jeder von uns aus dem Briefumschlag mit den bunten Rechtecken seine Lieblingsfarbe aus, sucht anschließend ein passendes Bild dazu und zeigte es den anderen. Danach ist Luk so kunstmüde, dass er auf dem Deichtorhallenboden einschläft. Zum Glück lässt er sich wecken, denn draußen darf sich jeder im Museumsshop noch sein Lieblingsbild als Postkarte aussuchen. Die hängen jetzt neben den Betten im Kinderschlafzimmer und erinnern uns an den aufregenden Besuch bei der Frau mit dem verlorenen Auge. Und beim Seeungeheuer.

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Die Ausstellung „Picasso in der Kunst der Gegenwart ist in den Deichtorhallen noch bis zum 12. Juli 2015 zu sehen. Wer zu weit weg wohnt, kann hier durch den Ausstellungskatalog blättern. Natürlich eignen sich meine Kunst-Entdecker-Ideen aber auch für jeden anderen Ausstellungsbesuch. Kunst macht Kinder noch cleverer, jede Wette!

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Und, hast du jetzt auch Lust Kunst zu gucken? Ganz liebe Grüße,

Claudi