Wie fange ich an? Aaalso, wir haben Nachbarn, die sehen total nett aus. Sie haben zwei Kinder, die altersmäßig zu zwei von unseren passen. Meine Nachbarin hat sogar das Layout für mein Buch gemacht. Immer und immer wieder, wenn wir uns mal oben am Deich getroffen haben, haben wir gesagt: „Wir müssen uns mal treffen.“ Haben wir nie gemacht. Dann kam Corona…

Und ich habe eine ganze lange Weile niemanden anders gesehen, als meine Nachbarin: ich habe sie durch die Hecke gesehen, den Zaun, rechts am Kirschbaum vorbei – oder oben auf der Straße mit zwei Metern Abstand. Jedes Mal haben wir länger geredet, uns irgendwann einen Stuhl an die Hecke, den Zaun, den Kirschbaum gestellt. Und einen Kaffee geholt.

Irgendwann hatten wir die Idee zum Salattausch, schon da fühlte es sich so an, als säßen wir miteinander am Tisch. Unterhalten hatten wir uns vorher rechts am Kirschbaum vorbei, so dass ich beim Essen von ihnen erzählen konnte. Offen gebliebene Fragen klärten wir dann am nächsten Heckentag.

Als es letztes Wochenende hieß, also zumindest hatten auch wir Hamburger das so verstanden, man dürfe sich in ganz Deutschland wieder mit einem weiteren Haushalt treffen, war klar, wer abends bei uns am Tisch sitzen würde: unsere netten Nachbarn. Ich war vorher beinahe so aufgeregt, wie vor einen richtigen Date. Dabei hatte ich zumindest meine Nachbarin rein beruflich ja schon öfter getroffen. Und dann waren sie da und es fühlte sich an, als wären sie schon immer da gewesen. Vielleicht war es unsere intensive Heckenvergangenheit.

Weil meine Nachbarin und ich mit unserem Salattausch ziemlich erfolgreich waren (in unseren Mündern und hier auf dem Blog, ha ha), wollte dieses Mal unser Nachbar nachziehen. Er kündigte eine raffinierte Vorspeise an. Zuerst kam er mit einer Schale Salat und einer Musikbox durch die Hecke. Der Salat war frisch gewaschen und geschüttelt, die Box spielte Jazz-Cover-Stücke. Mir wurde ganz warm. Beim zweiten Mal holte er eine Schale, geheimnisvoll abgedeckt, und eine Platte mit Melonenspalten. „Einmal muss ich noch!“, rief er und war schon wieder weg – ab durch die Hecke. „Soll ich dir ein Tablett mitgeben?“, rief ich ihm hinterher. Seine Frau schüttelte lächelnd den Kopf. „Ich glaube, das gehört zum Gesamtkunstwerk.“

Wenig später stand er bei uns in der Küche, verteilte liebevoll Salat auf kleinen Tellern, schnitt saftige Melone klein, fütterte meine begeisterten Kinder mit Melonenresten, zerteilte duftenden Käse und wippte dabei zum Jazzcover.

Die Sonne ging unter, die Abendluft schimmerte vanillefarben. Wir drehten den Jazz lauter, in den Gläsern klirrte das Eis. Die Kinder flitzen barfuß herum, es duftete nach geschmolzenem Käse, unser Nachbar trug die kleinen Teller heraus, ein rotweißes Geschirrhandtuch um die Hüfte gebunden. Wir aßen sein Werk unter den kugelrunden Leuchten der Lichterketten und diese Vorspeise war eine der besten, die ich je gegessen habe. Ich hatte ja keine Ahnung, wie gut gebackene Melone schmeckt. Und wahhh, wie lecker Parmesancrumble ist. Und dann noch dieses wahnsinnig gute Melonenkompott. Boah, so gut.

Keine Sorge, das klingt jetzt wahnsinnig anstrengend und aufwendig. Ist es aber nicht. Wir stießen an, auf das Leben und auf uns, machten selbstverständlich ein paar „damit klappts auch mit dem Nachbarn“-Witze und blieben sitzen bis weit nach Mitternacht.

Hier kommt die Knallervorspeise, die für Wows sorgt. Und mit der ihr locker am Wochenende mit einem weiteren Haushalt eine kleine Brasserie auf eurer Terrasse eröffnen könnt, wenn ihr mögt…

Gebackene Melone mit Roquefort auf Parmesancrumble und Sommerchutney (für vier)

Ihr braucht: Für die Melone: eine halbe Cantaloupe-Melone, 100 Gramm Roquefort, Salat, vier Scheiben Serrano-Schinken / Für das Chutney: eine halbe Galiamelone, vier kleine Schalotten, ein Esslöffel Butter, zwei Esslöffel Zucker, zwei Esslöffel Himbeeressig, Salz und Pfeffer / Für den Parmesan-Crumble: 20 Gramm Parmesan, 100 Gramm Mehl, 50 Gramm Butter, Salz und Pfeffer / Vinaigrette: ein Teelöffel Dijonsenf, vier Esslöffel Himbeeressig, sechs Esslöffel Olivenöl

Und so wird’s gemacht: Zunächst den Parmesan-Crumble machen, dafür geriebenen Parmesan, Mehl, kleingeschnittene Butter, Salz und Pfeffer mit den Fingern krümelig kneten, um kleine Streusel zu erhalten. Diese auf ein Backblech geben und etwa zehn Minuten bei 190 Grad Ober- und Unterhitze backen. Aufpassen, dass sie nicht zu dunkel werden.

Für das Chutney die Schalotten schälen und fein würfeln, Galiamelone in Würfel schneiden. In einem Topf die Butter zerlassen und die Schalottenwürfel kurz anschwitzen. Melone, Zucker, Essig, zwei Esslöffel Wasser dazugeben und etwas fünf bis acht Minuten köcheln lassen, bis es ein duftendes Kompott geworden ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die halbe Cantaloupe-Melone in vier Teile schneiden, den Rand entfernen (habe ich vergessen, lässt sich aber ohne Rand viel genüsslicher verspeisen). Roquefort-Stücke auf jedes Melonenstück geben und im Backofen auf Backpapier bei 180 Grad Umluft etwa zehn Minuten backen.

Für die Vinaigrette Öl, Essig, Senf, Salz und Pfeffer verrühren.

Zum Anrichten den Salat waschen und trocken schleudern, klein zupfen und kreisförmig auf einen Teller arrangieren. Etwas Parmesancrumble in die Mitte geben, darauf etwas Chutney. Darauf die gebackene Melone setzen. Schinken zerrupfen und rundherum anrichten. Etwas Vinaigrette über alles tröpfeln.

Aufessen und sich wunderbar fühlen.


Alles Liebe,

Claudi