Am Alleranstrengsten am Kinderhaben finde ich vielleicht, dass ich nichts mehr in Ruhe zu Ende machen kann. Dabei bin ich ein absoluter „Wenn-ich-es-mache,-mache-ich-es-richtig“-Typ. Alles andere macht mich wahnsinnig. Immer mal wieder vertröste ich also meine Kinder mit „Sofort…“ wenn einer etwas von mir möchte – mache aber erst kurz mein Ding weiter. Es folgt: Gemecker. Und: Meinen Kram zu Ende bringen kann ich doch nicht wirklich. Daher startete ich vor zwei Wochen ein „Jetzt sofort!“-Experiment…
Selbsttest, Kinder warten lassen
Die Idee: Ich wollte einfach mal ausprobieren, was es mit mir (und meinen Kindern!) macht, wenn ich tatsächlich immer SOFORT reagiere. Ich starte an einem Montag Morgen. Wie so oft packe ich die Spülmaschine aus, als die Großen auf dem Weg zur Schule sind. Der Vierjährige tappst auf nackigen Füßen die Treppe herunter, ich nehme ihn in den Arm. Er setzt sich kurz mit seinem Kuschelschwein aufs Sofa, ich räume weiter. Dann will er Joghurt. Es sind bloß noch zwei Gläser in der Maschine plus der voll Besteckkorb – trotzdem laufe ich los und mache zuerst sein Frühstück. Ich hole Schale und Besteck, er bringt Milch und Müsli. Ich setze mich sogar noch kurz neben ihn an die Kücheninsel – bevor ich die restlichen Teile ausräume. Alles ganz friedlich – und leise.

Später spielt er noch kurz, bevor ich ihn in den Kindergarten bringe. Ich räume schnell einen Korb voll Wäsche in die Waschmaschine, als er beim Lego bauen Hilfe braucht. Ich seufze – stehe aber doch sofort auf, um ihm zu helfen. Es geht ganz schnell – Sekunden später befülle ich die Waschmaschine zu Ende; die Maschine piepst, das Wasser läuft ein. Ansonsten ist es ruhig. Sollte es wirklich so einfach sein?

In meinem Kopf läuft ein Kurzfilm: eine schnelle Abfolge von Szenen mit Vertrösten, Wut, Frust und Gejaule. Lag es tatsächlich immer nur an mir wenn es anstrengend wurde? An meinem Drang mein Ding zu beenden?

Als er beim Anziehen im Flur einen Wutanfall bekommt, weil sein Lieblingspulli nass auf der Leine hängt, bin ich fast froh. Also doch nicht alles bloß mein Ding. Pullover sofort trocken zaubern geht nicht, da müssen wir jetzt durch. Auch abends ist es schwer mein Experiment durchzuziehen. Manche Sachen lassen sich eben nicht mal eben schnell aus der Welt schaffen: Die Flasche öffnen weil jemand beinahe verdurstet, während in der Pfanne die Zwiebeln anbraten geht gerade noch. Aber was ist mit dem Dreijährigen, der unbedingt auf den Arm will, während ich das Gemüse für die Nudelsoße schnippeln und anbraten möchte. Ich denke an mein Experiment, versuche mit einer Hand zu schnippeln, stoße ihm dabei aus Versehen den Kopf am Küchenregal. Das Baby zu meinen Füßen fängt an zu weinen. Ich würde es am liebsten auch.

Da ist wieder einer: Ein Crash auf der Mama-Autobahn. Meine Ideal und die Realität – frontal gegeneinander geknallt. Und ich steh bloß da und weiß nicht, was und wo ich zuerst helfen soll, während der übliche Verkehr auch noch weiter an mir vorbeirauscht. Mein Experiment? Ein Totalschaden!

Ich atme einmal tief ein und aus und mache, was ich immer versuche. Schadensbegrenzung betreiben, eins nach dem anderen machen. Ich stelle die brutzelnden Zwiebeln noch einmal kurz aus, schiebe das scharfe Messer weiter nach hinten auf der Küchenplatte. Ich suche mit dem Dreijährigen kurz ein Buch und lese vor, erkläre ihm, dass wir kurz kuscheln und ich danach weiter koche, stille den ganz Kleinen ein ein paar Minuten. Vertrösten muss ich dennoch, diesmal den ganz Großen, der mir genau in diesem Moment seine fertigen Hausaufgaben zeigen will.

Und da ist sie wieder, die Einsicht: Es gibt keine Regel, die immer funktioniert. Kein Erziehungsideal, dass sich immer eins zu eins umsetzen lässt. Wenn du gerade denkst, etwas klappt, klappt es hundertprozentig am nächsten Tag nicht. Oder anders. Das ist das Anstrengende am Mamasein und Kinderhaben. Aber das ist es auch, was mich täglich über mich hinauswachsen lässt. Immer sofort für alle da sein geht nicht. Muss es aber auch nicht. Weil auch Kinder lernen dürfen, dass man ab und zu warten muss; je größer sie sind, desto länger. Dennoch macht es das Mamasein für mich viel einfacher, wenn ich die kleinen Dinge sofort erledige. Immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass sich eine Hose auch nicht wirklich entspannt zu Ende bügeln lässt, wenn ein durstiges Kind mit der Wasserflasche wedelnd daneben steht und motzt. Während ich koche sofort mit den Großen Monopoli spielen ist dagegen leider nicht möglich, selbst wenn ich es möchte.

Mein Experiment ist jetzt zwei Wochen her. Ich reagiere seither viel öfter sofort, wenn ein Kind kurz meine Aufmerksamkeit braucht. Erst eben wieder, als ich die Spielzeit des ganz Kleinen nutze, um diesen Text zu schreiben. Als er sich am Couchtisch entlang hangelt, um mir einen roten Baustein zu zeigen, schaue ich sofort auf. Mitten im Satz. Sein Dank: ein grandioses Jauchzen. Ein Lächeln von einem Ohr zum anderen. Mit Grübchen. Ich bin zwar kurz raus aus meinen Text, aber auch schnell wieder drin. Mit einem Lächeln auf dem Lippen.

Woran wir als nächstes arbeiten könnten? Ha, ha, dass auch sie SOFORT reagieren, wenn ich im Wohnzimmer die Aufräumzeit einläute.

Alles Liebe,

Claudi