Kürzlich war ich wieder 25. Völlig unvermittelt. Gerade noch im Mama-Modus mit zwei Sonnencreme- und Sand-panierten Kindern im Freibad und zack! – auf einmal Twentysomething. Zumindest gefühlt. Was los war? Ich habe geflirtet. Nein, viel besser noch: Ich wurde angeflirtet, und zwar so richtig gut und kribbelig und schön. Es war so ein Blick, der mich lange nicht mehr getroffen hat. Kein harmlos-freundlicher Alltags-Blick („Mmh, ja, hübsch Dein neuer Pulli…“), auch kein ehelicher Orga-Blick („Mist, hast Du die Tasche mit den Schwimmsachen zuhause stehen lassen…?“), sondern ein Blick, der sagt: „Ich sehe gerade nur DICH…“

„Nicht Dich als Mutter, Familienmanagerin, Freundin, sondern Dich als Frau. Dein Gesicht, Dein Lachen, Deine Lippen, und ja, auch Deine Beine, Deinen Hintern, Deinen ganzen Körper. Und es gefällt mir, was ich sehe.“ Ich hatte ganz vergessen, was Blicke so alles sagen können. Und wie ich das finde, derart betrachtet zu werden. Nämlich ziemlich gut, wenn mich der richtige Blick vom richtigen Typen zur richtigen Zeit trifft. Was zugegeben nicht täglich passiert. Schon gar nicht als zufrieden verheiratete Dreifach-Mama.

Meine temporäre Pommes-Romanze kam reichlich unspektakulär daher. Ich im ollen Bikini an der Frittenbude mit zwei hungrigen Kindern – definitiv kein Bäng-Moment. Eigentlich. Aber seine und meine Tochter wurden in der Warteschlange zu BFFs auf Zeit und wollten dringend miteinander futtern, plantschen, toben. Ich dagegen wollte plötzlich breit lächeln, mein Herzklopfen auskosten und mir heimlich ausmalen, wie es wohl wäre, mal wieder jemand anderen zu küssen. Ich hatte ganz vergessen, was Blicke so alles auslösen können.

Der Nachmittag war wie ein Tanz, bei dem ich über die (Familien-)Jahre ein wenig aus dem Takt geraten war: Lächelnde Augen, die einander folgen. Hände, die nicht wissen, wohin, weil sie eigentlich doch genau wissen, wohin. Blicke, die zwingend auf Lippen, Händen, Hüften verweilen – wie magisch angezogen von den Dingen, die diese Stellen verheißen. Worte, die nur als Platzhalter dienen für ganz andere, ungesagte. Wie: „Ich will Dich anfassen.“ Oder: „Ich wär jetzt gern mit Dir allein.“ Ein stilles, gegenseitiges Einverständnis,
das die Beine weich und den Kopf leicht macht. Eine Sehnsucht, die fast schmerzt. Die nie enden soll.

Und dann – ist nichts passiert. Das war das Schönste daran. Keine flüchtige Berührung, kein hingehauchter Kuss, nur ein lächelndes „Vielleicht sieht man sich ja mal wieder…?“ zum Abschied. Doch die Spannung zwischen diesen unverbindlichen Worten, zwischen uns in
diesem Moment war so stark – und besser als jeder echte Kuss. Wir haben uns nie wiedergesehen. Es war perfekt. Mich hat dieser Flirt komplett überrumpelt. Weil ich überhaupt nicht darauf aus war. Weil ich nicht damit gerechnet habe. Weil ich in den vergangenen Jahren ein ganz anderes Selbstverständnis von mir hatte: Ich war vor allem Mutter, und das verdammt gern.

Nicht zu vergessen die Frau eines tollen Mannes, den ich seit 15 Jahren beharrlich liebe (und woran ich auf keinen Fall etwas ändern möchte). Aber als Frau mit davon unabhängigem Begehren habe ich mich lange nicht erlebt. Es hat verdammt Spaß gemacht. Und Lust auf mehr.

Um eins klarzustellen: Ich habe keinerlei Interesse an einer Affäre. Dafür umso mehr daran, dass es manchmal wieder so kribbelt, wie es eben nur kribbelt, wenn man jemanden trifft, mit dem man nicht seit eineinhalb Jahrzehnten Bett und Leben teilt. Also habe ich mir ab sofort Frühlingsgefühle rund ums Jahr verordnet – und gehe jetzt wieder ein wenig aufmerksamer durchs Leben: Lächelt mich der coole Kerl am Marktstand doch nicht ganz so professionell-unverbindlich an wie ich reflexhaft annahm? Dreht sich der Typ nach mir um, weil ich irgendwie ulkig von den Kindern eingesaut bin – oder weil er mich gut findet?

Ich genieße diese kleinen Augenblicke, die sonst meist unbemerkt an mir vorbeigezogen sind. Oder auf die ich nicht reagiert habe, weil es gerade unpassend oder peinlich war. Es ist ein kurzes Gedankenspiel, ein reizvolles was-wäre-wenn…? Ein fixes mich- verlieben in Möglichkeiten, ohne sie ernsthaft in Betracht zu ziehen. So ein unverhofftes Geplänkel ohne Hintergedanken macht meinen Tag definitiv ein bisschen besonderer. Und mich und mein Alltags-Ich ziemlich zufrieden.

Kein Wunder, dass mein Song dieses sich leise davonstehlenden Sommers „Wenns draußen grün wird“ heißt. Ich muss immer breit grinsen, wenn er mich plötzlich im Radio überrascht. Und zwar genau dieser Textzeilen wegen: „Wenns draußen bunt wird, dann wird mir so gut zumut. Und auch jeder Blume, jedem Getier. Dann steigt der Saft in Bäume und auch uns ins Blut. Da muss ich zu dir, und du musst zu mir.“ Kürzlich hatte ich den Song beim Kochen ziemlich laut aufgedreht, der satte Groove verlangte nach lässigem Hüftschwung. Da kam mein Mann rein. Betrachtete mich eine Weile. Und hatte so ein halbes Lächeln im Mundwinkel, das ich lange nicht an ihm gesehen habe. Ich hab ihn auch angeschaut. Und dann zu ihm gesagt: „Du gefällst mir. Immer noch“ „Du mir auch“, hat er erwidert. „Immer wieder.“ Und hat mich geküsst.

Das war ziemlich aufregend, so mitten im Alltag.

Hand aufs Herz: Erlaubt ihr Euch auch manchmal einen kleinen Flirt? Oder träumt ihr nur davon? Vielleicht kommt das für Euch auch gar nicht in Frage? Ich bin gespannt, was ihr so zu berichten habt.

Alles Liebe,
Eure

Anna