Manchmal halte ich inne, weil ich denke, Moment, das hier kann nicht echt sein. Ich habe das Gefühl, ich gucke mir selbst beim Leben zu. Bei der Geburt meiner Kinder war das so. Das konnte doch unmöglich ich sein, die da mit Riesenbauch über den Krankenhausflur wankte. Genau so war es am Donnerstag, als ich im Glitzerkleid auf Stöckelschuhen mit einer goldenen Clutch unter dem Arm über Berliner Kopfsteinpflaster stapfte…

Mein Verlag hatte mich zur Bertelsmann-Gala und vorher auf einen Drink in einer Berliner Bar eingeladen. Die Einladung kam vor Wochen, ich hatte mich gefreut, ein Hotel reserviert und die ganze Sache wieder vergessen. Dann dachte ich erst kurz vor der Abfahrt wieder so richtig dran, als meine Schwiegermutter zu mir meinte: “Ich schaue euch dann im Fernsehen zu…” Auf meine Stirnkräuseln hin erklärte sie mir, dass RTL die Gala jedes Jahr live vom roten Teppich aus übertrage.
Das kann unmöglich ich sein, die da im Disco-Kugel-Kleid durch Berlin stapft.
Die erste, der ich beim Empfang die Hand schüttelte, war Hera Lind. “Hallo…”, meinte ich und spürte, wie sich meine getuschten Wimpern gegen die Haut unter meinen Brauen pressten. Mein Gehirn feuerte Rückblenden ein, zurück in die 90er, zurück zu der 14jährigen Claudi, die ihrer Mama die Romane dieser Frau mopste und sie verschlang. Irgendwie hatte das alles vielleicht damit angefangen. “Freut mich sehr, dich kennenzulernen, Hera”, meinte ich.
In der nächsten Stunde schüttelte habe ich allen wichtigen Personen aus meinem Verlag die Hand, dem CEO und dem CFO, der ADG und der SG – ihr ahnt, welchen Song ich dabei im Kopf hatte. Außerdem waren ein paar (sehr erfolgreiche) Autoren und ihre Agenten da und weil alle so nett und offen waren, dauerte es keine Viertelstunde und ich war wieder ich. Statt mir beim Leben zuzusehen, sah ich mich um und was ich sah, war aufregend und wunderschön.
Wie eine Schulklasse sind wir zur Bertelsmann Repräsentanz marschiert.
Zu Fuß durch diese Stadt, wo die Luft immer ein bisschen milder ist, als zuhause. Und alles aufregender. An diesem Abend gab es überall Absperrungen und Polizei, außer der Gala war noch ein Staatsbesuch in der Stadt, ein Scheich, munkelt man. Wir warteten eine Weile vor dem weißen Zelt vor der Repräsentanz Unter den Linden, man brauchte nicht nur eine Eintrittskarte, um reinzukommen, sondern auch einen Perso. Drinnen warteten wir wieder, am roten Teppichs, vor dem dreißig Fotografen standen, Kameras gezückt und den Promis Kommandos zuriefen.
Irgendwann schleuste uns jemand an allen vorbei. Vorbei an den Mikros von Gala und Co, bis zur zweiten Schlange, in der die Gäste darauf warten, Liz Mohn die Hand zu schütteln. 85 Jahre ist sie, aber das lässt sie sich nicht nehmen. “Herzlich Willkommen”, meinte sie zu mir, und dann mit Blick auf die Wasserflasche, die mir ein Ordner in der Warteschlange in die Hand gedrückt hatte. „…immer schön trinken…”
Drinnen wusste ich gar nicht, wo ich zuerst hingucken sollte.
Es war sehr voll und sehr bunt und überall gab es Drinks, Essen und Prominente. “Welche Sendung moderiert der noch mal…?”, flüsterte ich André zu und er flüsterte zurück: “Das ist doch der Freund von Jens Spahn…” Der stand übrigens direkt daneben. Um uns herum war viel Glitzer, dafür kein einziger Schlips, die trugen nur die super netten Leute vom Service-Team.
Ich habe an diesem Abend unzählige spannende Gespräche geführt, mit ganz verschiedenen Menschen, von der Chefin des “Writers Rooms” bei Gute Zeiten Schlechte Zeiten, über einen Innovationsmanager an der Charité bis zum Bürgermeister von Dresden. Meine ehemaliges Klatschreporterinnen-Herz schlug schneller, der Blick von der Dachterrasse war spektakulär – alles andere bleibt mein Geheimnis.
Was für eine aufregende Nacht. Und wie aufregend, ein Teil davon gewesen zu sein.






Liebe Claudi
Wie schön, dass ihr zu zweit dort wart!! Ihr seit so richtig „Team wir rocken den roten Teppich“
Ich hab ein grinsen im Gesicht, dass ich Dich schon so lange „kenne“ und verfolge und nun bist du eine Berühmtheit!!
Von mir herzlichen Glückwunsch, das hast du dir so was von verdient. Und so strahlst du auch!!
PS:. Ich weiß nur, wie schwer es ist als Mama, ganz abseits des roten Teppichs, sich selbst zu sein und zu bleiben und Ziele zu verfolgen…du schaffst es sogar auf dem roten Teppich du selbst zu sein ❣️
Ich war so froh, dass Andre mit war. Das war richtig schön. Und was das Berühmten betrifft, die Paparazzi haben sich null für uns interessiert. Also nix mit berühmt sein, das erdet ganz gut. Schön war es trotzdem.
Ganz liebe Grüße,
Claudi
Das klingt nach einem fabelhaftem Abend! Wie schön, dass ihr ihn so genießen konntet.
Ganz liebe Grüße
Juliane
Ja, es war wirklich aufregend und sehr schön. Danke fürs Mitfreuen.
Liebe Grüße,
Claudi