Mein bester Mama-Tipp: Das Wort „Stop“ (nicht so, wie ihr jetzt denkt…)

Jul
11/18

Ich gebe zu, mein Mama-Verhalten war gestern meilenweit entfernt vom Mama-Verhalten in den Erziehungsratgebern in meinem Bücherregal. Mindestens so weit entfernt wie unser Dorf von der Insel Korsika. Wohin wir demnächst fahren. Ich musste also packen, ich musste waschen – machte ich aber nicht. Ich hatte nämlich das dringende Bedürfnis, nach unserem Partywochenende das Haus aufzuräumen, bevor ich etwas anderes machte. Außerdem hatte ich Abgabe für zwei Blogtexte, mein Mann fragte ständig nach Unterlagen für die Steuer und die Jungs ferienten vor sich hin – und wollten immerzu etwas von mir…
Stop sagen, Mama-Tipp
Ich war ungeduldig, ich war genervt, meine Stimme klang schrill wie einer dieser altmodischen Kessel und was ich sagte war nicht freundlich. Ich hatte das Gefühl, ich machte alles, bloß nicht die Dinge auf meiner To-do-Liste. Die Zeit rannte. Und das machte mich wahnsinnig. Als meine Jungs einen Kuchen backen wollten, was sie derzeit am liebsten täglich machen, platzte ich. Ich motzte, dass ich gerade alles aufgeräumt hätte, dass ich tausend Dinge zu tun hätte, dass es mir reichte und dass ich die Nase voll hätte und überhaupt.

Ich sah meine Jungs, wie sie da standen, mit der Waagschale und dem Glas Mehl in den Händen und mich ansahen. Mit großen Augen. Ich weiß auch nicht, aber ausgerechnet in diesem Moment fiel mir auf, wie blau ihre Augen sind. Wie glatt die Haut an ihrer Stirn. Honigfarben von den vielen Sonnentagen. Mitten im Meckern war es, als klappte plötzlich eine Weiche um,  mein Gemecker machte in der Luft ein paar Loopings, wurde umgeleitet von ihnen weg, hin zu mir und flog direkt in mein Ohr. Ich hörte mich selbst motzen, fand mein Gemotze furchtbar und ich dachte: „Stop!“

Ich atmete tief ein. Und aus. Ich dachte, das bringt doch hier alles nichts. Ich zwang mich zu lächeln. Ich zeigte meinen Kindern, wo auf der Waage 200 Gramm sind und suchte mit ihnen das Backpulver. Ich war hin und weg von der Erkenntnis, dass ich  tatsächlich von meckriger Mama zu freundlicher Mama in ein paar Sekunden umschalten konnte. Weil meine Kinder es problemlos  konnten. Sie backten ihren Kuchen, wir aßen ihn, sie waren stolz, ich war stolz . Ich packte (ein bisschen), ich stellte zwischendurch eine Wäsche an, ich verschob meine Texte auf die Nacht. Ich schaffte es, den ganzen Tag freundlich zu bleiben, weil ich mir immer bloß eine Sache nach der anderen vornahm. Ich wusste, es würde eine lange Nacht werden, aber das war verdammt noch mal nicht ihre Schuld.

Einer meiner liebsten Mama-Tipps: Du kannst wie ich jederzeit „STOP“ sagen zu dir selbst. Und es dann noch einmal anders probieren.

Alles Liebe,

 

14 Kommentar zu “Mein bester Mama-Tipp: Das Wort „Stop“ (nicht so, wie ihr jetzt denkt…)

  1. Andrea on 11. Juli 2018 at 07:58 geschrieben

    Wie recht du hast!!!! Ich habe gestern Ähnliches erlebt – vielleicht lag es auch in der Luft… dieses Mit-Sich-Selbst-und Seinem-Tun-Unzufriedensein? Jedenfalls hab ich nach kurzem bewussten Atmen auch Stop zu mir gesagt und es hat mal wieder funktioniert 😃

  2. Hendrika on 11. Juli 2018 at 08:21 geschrieben

    Danke – genau richtig für mich…. auch im “ich möchte aufräumen, waschen, packen modus“ nehme es mir zu Herzen ❤❤❤

  3. Mammanina on 11. Juli 2018 at 08:27 geschrieben

    Danke für den wunderbaren Text! Habe mich in ihm wiedererkannt 😂… und mich zudem an die Worte Beppos, des Straßenkehrers, aus “Momo“ erinnert, der meinte, wenn man die ganze Straße vor sich sehe, käme sie einem unendlich lang vor und der Mut verließe einen, wenn man aber so denke: Atemzug, Schritt, Besenstrich, Atemzug, Schritt, Besenstrich…, dann sei man irgendwann, ohne dass man es so richtig gemerkt habe, am Ende der gefegten Straße angekommen, ohne Gram und ohne aus der Puste zu kommen. Das möchte ich mir öfter mal wieder vor Augen führen und es üben…
    Euch einen wunderbaren Urlaub, und liebe Grüße, N

  4. Saskia on 11. Juli 2018 at 08:27 geschrieben

    Liebe Claudia,

    seit langem verfolge ich deinen Block, nicht wegen der Mami Tipps (bin noch keine!), sondern einfach, weil deine Erzählungen, Gedanken und Ideen so unglaublich inspirierend sind- für meinen Alltag, mein späteres Grundschullehrerinnen-Leben aber auch einfach für ein paar andere/neue Gedanken neben den Lesereien im Studium.
    Und so wunderbar finde ich dabei deinen ganz besonderen, ehrlichen, bildlichen und humorvollen Schreibstil, der mich mehr als einmal zum Schmunzeln bringt.

    Danke!

    Ganz liebe Grüße
    Saskia

  5. Michaela on 11. Juli 2018 at 08:38 geschrieben

    Das hat mir gerade wirklich geholfen! Wenn ich mich überfordert fühle komme ich auch mal in den Meckermodus, auch wenn meine Jungs nix für meinen Stress können. Bzw es normal ist, da sie halt einfach Kinder sind und es nicht böse meinen. In Zukunft werde ich innerlich ganz laut Stop zu mir selbst sagen!! Und dann eins nach dem anderen!

  6. Angela on 11. Juli 2018 at 10:35 geschrieben

    Liebe Claudia,

    wieder so ein Moment, der in meinem Leben stattfinden könnte. Mir hilft es manchmal, wenn ich mich darauf besinne: Ich stelle mir vor, ich würde die Szene gerade nicht selbst erleben, sondern beobachten – vielleicht einen Film sehen. Manchmal erschrecke ich mich dann, weil ich diese zickige Mama in dem Film bin. Aus der Perspektive gelingt es mir dann viel besser, Stopp zu sagen, sozusagen das Programm zu wechseln. Und ja – die to do Liste wird nicht kürzer, aber das wird sie eben mit Meckerei erst recht nicht.

    Ein toller Text, danke dafür! Und schöne letzte Urlaubsvorbereitungen.

  7. Rabea on 11. Juli 2018 at 10:51 geschrieben

    Dazu fällt mir nur das Orange Rhine ein! Kennst du das?
    Liebe Grüße
    Rabea

  8. Myriam on 11. Juli 2018 at 12:27 geschrieben

    Vielen Dank für diesen tollen Text! Ich werde mir das zu Herzen nehmen – für mich und meine Kinder!

    Habt einen wundervollen Urlaub!

  9. Friederike Sütfeld on 11. Juli 2018 at 21:29 geschrieben

    Ach ja, wie bekannt mir das doch vorkommt… meine Kleinste möchte zur Zeit jeden (!) Tag etwas backen, kaum habe ich sie vom Kindergarten abgeholt, krempelt sie ihre Ärmel hoch, reißt Mehl, Zucker und weitere Zutaten aus unseren Schubladen und legt los. Eigentlich muss ich aber genau zu diesem Zeitpunkt ein gesundes, leckeres Mittagessen in just der gleichen Küche zaubern, denn gleich treffen die älteren Geschwister mit knurrenden Mägen ein! Also fängt Mama an zu motzen…da steht mein kleines Nesthäkchen mit ernster Miene am Küchentisch, große Falte auf der Stirn und sagt zu mir:,, Aber Mama, ich MUSS jetzt hier backen, ich wohne doch hier und ich liebe doch Kuchen!“ Tja, was soll ich sagen. z.Zt. hier bei uns kein gesundes, bekömmliches Mittagessen, sondern stattdessen Muffins mit ordentlich Schokolade und Zuckerguss!
    In diesem Sinne arbeite auch ich hier daran, weniger zu motzen und mich mehr zu lässigen (neue Verb-Wortschöpfung meiner Töchter).
    Viele Grüße in den Norden von Friederike

  10. Sandra on 11. Juli 2018 at 22:17 geschrieben

    Irgendwie versucht man alles perfekt zu machen und unperfekte Laune ist dann der Preis. Am Meisten ärgere ich mich dann über mich selbst…
    Da hilft nur im großen Chaos einen Platz zu finden und dann doch UNO zu spielen und zu malen und alles andere auszublenden. Gelingt nicht immer aber dann ist der Moment schön und alles andere läuft ja irgendwie auch nicht weg.
    Lg Sandra

  11. Bettina on 12. Juli 2018 at 09:46 geschrieben

    Voll gut. Punkt

  12. Pingback: Follow the sun | 6 Freitagslieblinge am 12 Juli 2018 | berlinmittemom

  13. Nanni on 17. Juli 2018 at 06:49 geschrieben

    Cool-das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren-ich höre mich immer motzen und komme da manchmal hart nicht raus

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