Ich gebe zu, mein Mama-Verhalten war gestern meilenweit entfernt vom Mama-Verhalten in den Erziehungsratgebern in meinem Bücherregal. Mindestens so weit entfernt wie unser Dorf von der Insel Korsika. Wohin wir demnächst fahren. Ich musste also packen, ich musste waschen – machte ich aber nicht. Ich hatte nämlich das dringende Bedürfnis, nach unserem Partywochenende das Haus aufzuräumen, bevor ich etwas anderes machte. Außerdem hatte ich Abgabe für zwei Blogtexte, mein Mann fragte ständig nach Unterlagen für die Steuer und die Jungs ferienten vor sich hin – und wollten immerzu etwas von mir…
Stop sagen, Mama-Tipp
Ich war ungeduldig, ich war genervt, meine Stimme klang schrill wie einer dieser altmodischen Kessel und was ich sagte war nicht freundlich. Ich hatte das Gefühl, ich machte alles, bloß nicht die Dinge auf meiner To-do-Liste. Die Zeit rannte. Und das machte mich wahnsinnig. Als meine Jungs einen Kuchen backen wollten, was sie derzeit am liebsten täglich machen, platzte ich. Ich motzte, dass ich gerade alles aufgeräumt hätte, dass ich tausend Dinge zu tun hätte, dass es mir reichte und dass ich die Nase voll hätte und überhaupt.

Ich sah meine Jungs, wie sie da standen, mit der Waagschale und dem Glas Mehl in den Händen und mich ansahen. Mit großen Augen. Ich weiß auch nicht, aber ausgerechnet in diesem Moment fiel mir auf, wie blau ihre Augen sind. Wie glatt die Haut an ihrer Stirn. Honigfarben von den vielen Sonnentagen. Mitten im Meckern war es, als klappte plötzlich eine Weiche um,  mein Gemecker machte in der Luft ein paar Loopings, wurde umgeleitet von ihnen weg, hin zu mir und flog direkt in mein Ohr. Ich hörte mich selbst motzen, fand mein Gemotze furchtbar und ich dachte: „Stop!“

Ich atmete tief ein. Und aus. Ich dachte, das bringt doch hier alles nichts. Ich zwang mich zu lächeln. Ich zeigte meinen Kindern, wo auf der Waage 200 Gramm sind und suchte mit ihnen das Backpulver. Ich war hin und weg von der Erkenntnis, dass ich  tatsächlich von meckriger Mama zu freundlicher Mama in ein paar Sekunden umschalten konnte. Weil meine Kinder es problemlos  konnten. Sie backten ihren Kuchen, wir aßen ihn, sie waren stolz, ich war stolz . Ich packte (ein bisschen), ich stellte zwischendurch eine Wäsche an, ich verschob meine Texte auf die Nacht. Ich schaffte es, den ganzen Tag freundlich zu bleiben, weil ich mir immer bloß eine Sache nach der anderen vornahm. Ich wusste, es würde eine lange Nacht werden, aber das war verdammt noch mal nicht ihre Schuld.

Einer meiner liebsten Mama-Tipps: Du kannst wie ich jederzeit „STOP“ sagen zu dir selbst. Und es dann noch einmal anders probieren.

Alles Liebe,

 

Claudi