Nicht, dass ich mit ihnen im Kreis sitzen, geschweige denn, sie nackt herumrollen sehen möchte (haha, sorry für das Kopfkino), was ich wirklich vermisse, ist das Gefühl der Macht, sie glücklich machen zu können. Und der ehrliche Austausch mit anderen Müttern…

Mit kleinen Kindern tauscht man sich ständig aus: wer wann wie schläft, schon läuft, wegläuft, schon spricht oder wie die Windel füllt. Klar gab es auch die, deren Kinder schon ganz früh ganz viel konnten (Kopf halten, Schritte, sprechen, sowas…) Auch damals hab ich mich manchmal komisch gefühlt, wenn mein Kind noch nicht so weit war. Aber es gab jede Menge Austausch. Man war im selben Boot.

Heute und mit großen Kindern gibt es nur wenige Menschen, mit denen ich mich wirklich ehrlich über die Kinder austausche.

Viele erzählen nur Gutes  – dann rücke auch ich nicht mit Problemen raus. Vielleicht ist es auch andersrum.

Die Folge: Ich denke oft, alle anderen Kinder kriegen alles viel besser hin und nur bei uns ist es öfter mal schwierig. Alle anderen Kinder scheinen mehr zu lernen, weniger feiern zu gehen, Gesellschaftsspiele zu spielen, statt zu zocken. Sie gehen eher ins Bett und trinken weniger Alkohol. Statt wer schon alles kann, geht es im Mütterbattle inzwischen darum, wer was noch nicht oder eben nie macht.

Als ich gestern fragte, über was ich hier schreiben soll, hattet ihr so viele Wünsche: große Kinder, erste Liebe bei Teenagern, alternde Eltern, das Ende langer Freundschaften, Langzeitliebe und noch ganz viel mehr. Ich hätte fast geweint, weil uns so viele gleiche Dinge beschäftigen.

Ich hatte gestern sowieso einen doofen Tag, es lief einiges nicht, wie gedacht, es lag Zoff und Frust in der Luft, und ich war total sensibel.

Ganz ehrlich, ich würde so gern selbst über das echte Leben mit Teenagern lesen und ich würde darüber auch gern schreiben, denn schreiben ist für mich denken, das war schon immer so. Ich verarbeite Dinge, in dem ich drüber schreibe – aber ich habe derzeit keine Idee, wie ich die Themen behandeln kann, ohne jemanden bloßzustellen. Denn…

Die Sorgen von kleinen Kindern ähneln sich oft, doch je älter sie werden, desto individueller werden sie und damit auch ihre Probleme.

Es passiert so viel, über dass ich nie was in Eltern Zeitschriften gelesen habe. Über dass ich nichts von anderen Mamas gehört habe. Vielleicht hat ein  Kind etwas geklaut, oder ein anderes Kind beleidigt. Vielleicht bekommt man Nachrichten von Lehrerinnen, in denen steht, das das eigene Kind Dinge gemacht hat, die man überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Überhaupt wird man kaum verhindern können, das eigene Kind ab und zu richtig doof zu finden. (Es einen selbst natürlich noch viel öfter). Kein niedliches Dööfchen, weil es keinen Mittagsschlaf machen will oder eine Schublade voller Tupperdosen ausräumt, sondern richtig doofes Zeug.

Du machst dir Gedanken, was du tun kannst, um das Verhalten deines Kindes zu ändern, bis dir einfällt, dass du nur noch wenig tun kannst. Du kannst bloß da sein (wenn Kind dich grad in seiner Nähe möchte), zuhören (falls gewünscht) und trotz allem Fan bleiben. Aber auch mal auf den Tisch hauen. Wann und wie laut richtig ist? Ich hab keine Ahnung. So viele falls und wenns. So wenig einfache Lösungen. (Ich würde so gern wieder Tupperdosen einräumen.)

Selbst wenn dein Kind keinen Mist baut, beschäftigt es sich vermutlich mit viel Zeug, bei dem du denkst „what the fuck“. Vielleicht saß letzte Woche ein Typ mit an deinem Tisch, der gerade eine Woche pausenlos online war und durch das Death Valley rannte (TikTok).  Das musste verfolgt werden, dagegen kamst du nicht an. Vielleicht diskutiert ihr auch gerade über Sneaker-Imitate mit roten Sohlen von Internetseiten, die aussehen, als käme man augenblicklich ins Gefängnis, sobald man dort ordert. Überhaupt dieser Style, der dafür sorgt, dass dein eigenes Kind und seine Freunde wie Fünfzehnlinge aussehen. Es ist so schwer, nicht alles gleich zu verurteilen.

Ich weiß, dass bei anderen nicht alles so einfach ist, wie es von außen scheint.

Dass gute Noten oft nicht einfach passieren, sondern viele Mütter in meiner Umgebung ein regelrechtes Nachhilfestudio für die eigenen Kinder gegründet haben und nicht nur das Lernen für Klassenarbeiten organisieren, sondern auch Hausaufgabenmanagment betreiben. Darf man zugeben, dass man schlichtweg keinen Bock hat, sich täglich mit seinen Kindern zum Lernen hinzusetzen? Das stand nicht im Mutterwerdvertrag. Darüber hatte ich mir vorher nie Gedanken gemacht.

Ich möchte alles verbieten, aber ich tue es nicht. Ich habe nämlich schon mehrfach erlebt, dass mir Mütter erzählen, dass ihre Kinder nichts trinken, ich meinen Kindern begeistert (und neidisch) davon erzählt hab und sie stirnrunzelnd sagten: “XX trinkt nicht, aha…, das denken aber auch nur die Eltern.”

Jetzt ist es doch ein bisschen aus mir herausgeflossen. Sag doch mal, was ist grad deine größte Herausforderung mit großen Kindern?

Alles Liebe!

Claudi