Wie wir manchmal dasitzen und uns fragen, in welches Schauspiel wir da eigentlich hineingeraten sind. Wie anders alles ist, als wir uns das manchmal vorgestellt haben! Wie naiv wir doch waren, als wir annahmen, wir säßen abends immer in weißen Shirts wie eine Werbefamilie friedlich und glücklich zusammen beim Abendessen. Und wie dann das Leben so viel bunter und lauter in unser Leben krachte, als unsere Vorstellung das so hergab…

Puh, wäre das sonst aber auch langweilig geworden. Es war der dritte oder vierte Urlaubsabend, die Wärme hing zwischen den alten Häusern, vor uns stand eine Pizza, da schlug mein Mann mit der Faust auf den Tisch und rief: „Jetzt ist Schluss. Ich hab die Schnauze voll von eurem Gestreite.“

Die anderen Gäste guckten irritiert an unseren Tisch, der Kleine fing an zu heulen, der Große schob bockig die Unterlippe hervor. Herr, schick mir ein großes Glas Rotwein, dachte ich. Oder ein Loch, in dem ich verschwinden kann. Aber der liebe Gott ließ mich dasitzen, in Süditalien an dem Tisch mit den rotkarierten Tischdecken und schüttete noch schlechte Stimmung über uns aus.

Was war los? Wir hatten uns so auf unseren Urlaub gefreut, auf Ruhe und Erholung, doch die Kinder zankten sich nonstop. Es fing an, sobald der eine aufwachte und dem anderen das Kuscheltier wegnahm. Sie schubsten einander, zwickten sich, gönnten sich nicht die Butter auf dem Brot (geschweige den das tägliche Eis). Wir versuchten unser Bestes – kauften zwei Eimer, zwei Schippen, jedem zwei Förmchen. Achteten darauf, dass die Portionen Orangensaft am Morgen exakt gleich groß waren, teilten die Schokolade millimetergenau, aber stets beschwerte sich einer über irgendeine schreckliche Ungerechtigkeit.

Warum sind meine Kinder so verdammt undankbar?

Am kilometerlangen Sandstrand wollten sie auf dem gleichen Quadratmeter buddeln und keinen Zentimeter zur Seite rutschen. Sie nahmen einander die Sachen weg, zerstörten die Sandburgen, kniffen sich, streckten sich die Zungen raus, ärgerten sich solange, bis einer heulte. Wir Eltern immer als Vermittler. „Warum sind die so verdammt undankbar“, dachte ich. Das Wetter ist toll, es gibt einen Pool – alles könnte so wunderbar sein. Ich war einfach nur noch traurig und enttäuscht.

Enttäuscht, dass meine Kinder nicht so friedlich und liebevoll miteinander spielten, wie das Hashtag #Geschwisterplüsch das bei anderen Familien auf Instagram zeigte. Enttäuscht, dass die Kinder so undankbar für so einen tollen Urlaub sind. Enttäuscht, dass ich es nicht schaffe, dann noch cool und zugewandt zu bleiben, sondern meckere und motze und ja, auch mal rumschreie.

Huch, dass alles ist ganz anders als in der Merci-Werbung

Ich glaube, dass die Enttäuschung uns Mütter ganz besonders hart trifft. Es ist einfach schmerzlich, wenn die Realität so ganz anders aussieht, als das, was wir uns in unseren Vorstellungen ausgemalt haben. (…) Wenn wir merken, dass Freundschaften sich verändern, dass wir im Alltag nicht mal mehr Zeit finden, um einmal die Woche ins Fitnessstudio zu gehen. Wenn wir realisieren: Huch, dass alles ist ganz anders als in der Merci-Werbung.

Und dann? Was machen wir, wenn wir nicht mehr verklärt durch die rosarote Brille gucken? Klar, erstmal ordentlich heulen, uns ärgern, fluchen. Und dann machen wir, was wir am besten können: durchatmen, Krönchen richten und versuchen, das Positive zu erkennen. Denn es gibt Positives.

Nehmen wir einfach mal das Wort Enttäuschung und dröseln es auf. Ent-täuschung. Heißt: Durch all unsere Erfahrungen werden wir ent-täuscht, wir hängen also nicht länger einer Täuschung hinterher. Die Ent-Täuschung zeigt uns auch, dass unsere Kinder nicht wie kleine Erwachsenen funktionieren, dass sie nicht dazu da sind, unsere Erwartungen zu erfüllen – sondern dass sie eben auch im Italienurlaub meckern, sich streiten und uns fordern.

Jede Enttäuschung birgt Chancen

Das heißt ja nicht, dass wir alles einfach so hinnehmen müssen und uns passiv in unser Schicksal fügen sollen. Nein, diese Enttäuschung birgt jede Menge Chancen, denn vielleicht erkennen wir, dass einige unserer Vorstellungen völlig überzogen waren, die Ansprüche an uns und andere unrealistisch. Dann können wir diese korrigieren, Druck rausnehmen und auf Neustart drücken.

Wie Katharinas Italienurlaub weiter ging? Das und noch viel mehr über die krasseste Sache überhaupt, das Elternsein, könnt ihr in dem Buch: „Wow Mom – Der Mama-Mutmacher für Mehr Ich in all dem Wir“ lesen, dass Katharina gemeinsam mit Lisa Harmann geschrieben hat und das HEUTE erscheint. Ihr kennt die beiden, oder? Wenn sie nämlich nicht zusammen Bücher schreiben, schreiben Katharina und Lisa ihren erfolgreichen Blog Stadt Land Mama – einer der authenstischsten und kraftschenkensten den ich kenne. 

Ihr neues Buch richtet sich an uns Eltern mit älteren Kindern: Was kommt, wenn ein paar Spinatbreiflecken auf dem Fußboden das geringste Problem sind? Wie fühlt es sich an, wenn andere dein Kind ein „Arschlochkind“ nennen? Wenn dein Mann doch nicht so gleichberechtigt mitmacht, wie du dachtest? Und wie bitte schaufeln wir uns ein bisschen mehr Ich in all dem Wir frei? Katharina und Lisa haben jede Menge sehr persönliche Geschichten aufgeschrieben und tolle Autoren wie Marlene Hellene, Teresa Bücker und Ildikó von Kürthy erzählen im Buch ihre. Ein spannendes, sehr aufbauendes und mutmachendes Buch! 

PS. Ich hab Sehnsucht nach mir selbst. Und: Was tun, wenn Geschwisterkinder gerade viel streiten?  Und: Wie wir hier Ordnung halten.

Herzlichst,

Katharina