Ich hatte schon gewusst, wie mein Kochbuch heißen sollte, bevor ich überhaupt eine Zeile geschrieben hatte. An dem Abend aber, an dem wir endlich den Titel sichern wollten, etliche Monate, Rezepte, Texte und Fotos später, guckte André neben mir auf dem Sofa plötzlich irgendwie komisch. „Was ist…?“, fragte ich leise. Er biss sich auf die Lippe: „Schatz, es gibt schon ein Buch, das Was wir essen heißt…

Bücher machen fühlt sich ein bisschen an wie Kinder kriegen. Auch in dem Moment. Es war, als hätte ich mein Baby im Bauch acht Monate Claus genannt. Und plötzlich sagt die Hebamme: „Claus geht nicht.“ Ich schaute André an. „Aber es heißt doch nun mal so.“ Er: „Es kann so nicht heißen.“

Kurz danach ging ich ins Bett. Ich glaube, ich habe geweint. Wollte am liebsten einmal mehr alles hinschmeißen. All die Fotostunden, Textgedanken und Rezeptesammlungen.
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Am nächsten Morgen suchte ich meine Liste. Ich hatte mir ein paar Namen für meine Kochbuch auf einem Post-it notiert und in ein Notizbuch geklebt – genauso wie vor der Geburt der Jungs. Alle waren Mist, bloß einer, der wars. Plötzlich war ich ganz sicher. „Geht’s dir wieder besser…?“, fragte Andre. „Unser Buch heißt Barfuß in der Küche!“, sagte ich. André sagte nichts. Dann grinste er. „Super!“, sagte er.

An diesem Abend, gerade als wir Barfuß in der Küche als Titel gesichert hatten, las ich auf dem Blog einen Kommentar. „Ich mag dich ja echt“, schrieb eine Leserin, „und deine Rezepte auch. Aber dass du immer barfuß in der Küche bist, das finde ich total unappetitlich.“ Ich sage euch, wir mussten so lachen!

Familienkochbuch
Ich wusste von Anfang an, dass mein Kochbuch nicht einfach bloß ein Kochbuch sein sollte. Ich meine, jeder kann heute hunderte Rezepte einfach so im Internet runterladen. Noch dazu bin ich keine gelernte Köchin. Ich habe nicht Ökotrophologie studiert – ich koche einfach gern. Allerdings auch nicht vegan oder zuckerfrei – und Kohlehydrate sind für mich oft die Krönung.

Aber ich habe etwas erkannt: Ich liebe Rezepte mit Geschichten. Geschichten, wer das Rezept zum ersten Mal gekocht hat, wo und mit wem wir es gegessen haben, die Geschichte des Ortes oder eine lustige Geschichte vom Kochen. Ich liebe diese Geschichten, von Freunden erzählt oder in Kochbüchern – leider gibt es dort oft nicht viele davon. Diese Geschichten sind oft auch mein Trick, um meinen Kindern Essen schmackhaft zu machen: Ich bin ein Fan davon, Kindern mit der Magie der Nostalgie Lust auf Essen zu machen.
Familienkochbuch
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Essen ist für mich nicht bloß Nahrungsaufnahme. Es ist bestenfalls mit meiner Familie und Freunden gemeinsam verbrachte Zeit. Wir essen (fast) jeden Abend warm und ich liebe dieses Ritual. Ich hoffe, dass meine Kinder, was immer sie draußen hören, sehen oder erleben müssen, wissen, dass wir zuhause am Tisch auf sie warten, wir – und etwas Gutes zu essen. Und dass ihnen das so viel Kraft und Liebe gibt wie mir.

Klar möchte auch ich, dass wir uns möglichst gesund ernähren. Aber ich mag uns auch nicht ständig etwas verbieten. Bei uns gibt es keine verbotenen Lebensmittel, ich denke immer, die Menge machts. Und die Abwechslung. Ich kaufe meist Bio – außer die Bio-Gurke ist eingeschweißt und kommt aus Spanien. Und: Ich würde gern dazu ermutigen, in Sachen Essen wieder mehr auf das eigene Bauchgefühl zu hören, statt immer bloß in Verboten zu denken. Ich glaube nämlich ganz fest daran, dass die ständige Sorge um das optimale Essen ungesünder ist, als hin und wieder eine Tiefkühlpizza. Die es bei uns zuhause auch mal gibt.

Ich lese gute Kochbücher wie Romane, am liebsten an Samstagmorgenden, mit einem Kaffee, auf der Couch. Und ich wollte, dass es in meinem Kochbuch viel zu lesen gibt. Ich erzähle also nicht bloß zu jedem Gericht eine kleine Geschichte, sondern auch eine längere aus unserem Familienleben zu Beginn jedes Kapitels. Ich erzähle darüber, wie anstrengend es sein kann, für seine Familie zu kochen – etwas, dass man sich nicht vorstellen kann, bevor man eine Familie hat. Ich erzähle, wie anstrengend es ist, wenn man Kinder helfen lassen möchte, aber den Anblick einer fettbespritzen Küche kaum erträgt. Und ich verrate, welche Tischregeln ich meinen Kindern vermitteln möchte und wie ich damit umgehe, wenn Kinder etwas nicht mögen.

Dazu erzähle ich von unseren Abenden mit Freunden, meiner Mittags-Essclub-Idee, verrate Ideen für simple Tischdekorationen und kleine Bastelideen und stelle unsere Rituale in Sachen Essen vor. Es gibt in meinem Buch also noch so viel mehr, als bloß unsere Lieblingsrezepte.
Barfuß in der Küche
Meine Art zu kochen ist so bunt wie das Dorf, in dem wir wohnen, so bunt gemischt, wie unser Feundeskreis, so unterschiedlich wie unsere Familie. Ihr findet im Buch mein liebstes Asia-Salat-Rezept und das für meine Veggie-Bolo. Ich verrate euch unter anderem meinen allerbesten Knusperbraten, meine Mittags-Überraschungsbowl, die Heidelbeer-Wähe meiner Oma, Blitzrezepte für nach der Schule, unser Weihnachtsessen, unsere Lieblingsgranola, Lieblingslimos, Weihnachtsplätzchen, den gigantisch guten Gänsebraten unseres Freundes Tommy und das Rezept für den legendären Rotkohl meiner Schwiegermutter.
Familienkochbuch


Apropos Rotkohl: Auch das Zusammensammeln der Rezepte war viel schwieriger, als ich gedacht hatte. Viele Freunde kochten ihre Gerichte nämlich einfach so – ohne Rezept. Manche Familienrezepte konnte ich kaum noch lesen, so fettverwischt und fleckig waren die linierten Kladdezettel. Und als ich meine Schwiegermutter nach ihrem Rotkohl fragte, lief das Gespräch ungefähr so ab:

Ich: „Und wie viel Rotkohl nimmst du?“
Sie: „Ach du, son guten Topf voll, ne.“ (…)
Ich: „Und wie viel Zucker machst du da rein?“
Sie: „Ach du, so ganz nach Gefühl…“ (…)

Als wir eigentlich fertig waren, fiel mir noch etwas ein…

Ich: „Du sag mal, kommt da nicht auch Apfel rein?“
Sie: „Doch, na klar. Aber hallo, reichlich Apfel.“

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Es war schnell klar, dass wir gar nicht erst versuchen würden, einen Verlag für unser Buch zu finden, sondern wieder (wie bei unseren Bilderbüchern) alles allein machen wollen. Warum? Darüber habe ich schon mal geschrieben. Ich sags mal so: ich sehe gern Knie, wenn ich Knie sehen möchte. Ich habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut, obwohl es schon ein paar Abende gab, an denen ich vor lauter Angst nicht einschlafen konnte. Die Investition für so ein Buch ist enorm. Unser 256-Seiten-Wälzer hätte auch eine schöne Weltreise werden können. Oder ein vollausgestatter Mittelklassewagen.

Was wir vorher nicht ahnten: Dass so ein Kochbuch eine ganz andere organisatorische Nummer ist, als ein Bilderbuch. Dass wir erstmal nicht bloß unfassbar viel Geld investieren mussten, um alles so machen zu können, wie wir uns das wünschen. Um unsere Mitarbeiter fair zu bezahlen. Um in Deutschland drucken zu können, auf Ökopapier, dass nicht nach Ökopapier aussieht. Sondern, dass alles viel viel länger dauern würde, als geplant. Das ganze Projekt hat nicht nur von mir unfassbar viel Engagement, Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Herzblut gefordert, sondern auch von meinem Team.

Zuerst mal von Fotografin Ilona, mit der ich seit Magazinzeiten immer mal wieder liebend gern zusammenarbeite, weil sie schon vor einem Foto weiß, was ich mir auf dem Foto wünsche. Mit Grafikerin Claudia, die das Projekt neben Geburt ihres zweiten Kindes und einem großen Umzug mit unfassbar viel Leidenschaft gewuppt hat. Die nie die Nerven verloren und allein über 5000 Fotos in Miniaturgröße ausgeschnitten hat, damit wir sie im Layout leichter hin- und herschieben konnten.

Außerdem noch Stylistin Anne, die Ilona und ich nach einem Shooting auch noch mit ins Buch-Boot holten, weil wir gemerkt hatten, dass man nicht gleichzeitig kochen, fotografieren und Essen mit Soße bepinseln, Tischdeckenfalten glätten, Dekoblumen verschieben, Teller herumrücken und den optischen Überblick behalten kann. Und die zum Glück jedem Menge schönes Geschirr im Schrank hatte.

Ich werde nie vergessen, wie wir Schuppentüren mit Halteschnur zugehalten haben, damit es auf dem Foto besser aussieht. Wie wir Schalen, Löffel, Tabletts und am liebsten uns selbst in die Gefriertruhe gelegt haben, weil das Spaghetti-Eis-Shooting ausgerechnet bei 35 Grad dran war. Auch nicht, wie wir uns total irre auf die auf dem Fußboden dekorierten, hundertfach hin und hergeschobenen Rippchen gestürzt haben, als Ilona hinter der Kamera endlich meinte: „Ist a wrap“. Und alles ratzeputz auffutterten. Beim traditionellen Festessen mit Freunden am Ende des Shootings war alles noch da – außer Rippchen.
Familienkocbuch
Worüber ich mich ganz besonders freue, neben all eurem schönen Feedback zum Buch natürlich: Dass ich meinen Jungs, wenn sie irgendwann mal ausziehen, all unsere Lieblingsrezepte hübsch gebunden in die Hand drücken kann. Mit der Erinnerung an eine wilde, wunderschöne Zeit.
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PS. Eins noch: Für uns als Mini-Verlag ist das Marketing unser größtes Problem. Wir haben keine Vertriebler wie die großen Verlage, die alle großen Buchhandelsketten abklappern und ihre Bücher stapelweise in die Regale quatschen können. Wir sind auf Mundpropaganda angewiesen. Daher: Erzählt gern weiter, wenn euch unser Buch gefällt. Erzählt auch liebend gern der Buchhändlerin davon, wenn ihr es im lokalen Buchhandel ordert.

Und noch was: Amazon mag man sehen wie man will, es ist eine sehr wichtige Verkaufsplattform für Bücher. Um dort aber vernünftig gelistet zu werden, braucht man gute Bewertungen. (Bisher hat es Amazon noch nicht einmal für nötig befunden unser Titelbild hochzuladen…) André und ich haben da so einen Gag. Wenn er mal wieder besonders lange telefoniert, frage ich leise: „Ist es das große A?“ Ich kann nämlich nicht mehr zählen, wie viele Stunden er in diversen Warteschleifen von Amazon-Callcentern irgendwo auf der Welt wartete, bloß um noch einmal zu betteln, doch bitte unser Buch zu listen. Oder ein Foto einzustellen.

Da ich schon ganz, ganz viele liebevolle Rückmeldungen bekommen habe, würde ich mich riesig freuen, wenn ihr die eine oder andere auch nochmal bei Amazon hinterlasst. Weil ich weiß, wie viel Zeit das kostet und dass wir die eigentlich alle nicht haben, möchte ich mich gern bei die ersten fünfzehn Amazon-Bewertern mit einem meiner Schwups-Bilderbücher nach Wahl bedanken. (Mailt mir euren Wunsch einfach gern an post@wasfuermich.de). Tausend Dank!

Alles Liebe,

Claudi