wow, das geht schon so lange mit uns. Ein Liebesbrief ist längst überfällig. Schon als kleines Mädchen wollte ich dich. Immerzu. Schnee oder Hagel? Ist doch kleinen Mädchen egal. Hauptsache es schwingt um die Knie. „Guck mal wie es sich dreht!“, hab ich immer gerufen. Ganz klar, ich bin eins dieser Kleid-Mädchen…
Liebes Kleid, OOTD, Kleider, Lieblingskleid
Liebes Kleid, etwas später dann, so ungefähr mit 16, hast du mich sogar zickig ertragen. Das vergesse ich dir nie. Morgens kaum aus dem Bett kommen, aber dann dich überwerfen. Ganz einfach. Danke dafür. Du passtest irgendwie immer. Ich sags dir jetzt einfach mal, du warst meine Jugendliebe. Was wir alles zusammen erlebt haben. Weißt du noch: Wir haben zusammen gekichert und getanzt. Geträumt. Gelernt. Haben zusammen Physikstunden geschwänzt, dein glockiger Rock auf abgewetzter Holzbank im Lieblingscafé. Oder noch später, da hab ich dich in eine Tasche geprummelt und bin mit einer Freundin nach Kroatien. Drei Wochen herumreisen, im Sand sitzen, sanfte Biernote oder ein paar Spritzer roter Vino: Du hast immer noch gut ausgesehen.

Manchmal gehe ich mit dir aus und du glänzt. Manchmal chille ich mit dir im Garten, auf dem weißen Eisenbett zwischen unseren Apfelbäumen. Überall Kuchenkrümel. Und du siehst trotzdem spitze aus.
Kleider, Lieblingskleider,
Und ha, selbst die größte Herausforderung haben wir zusammen geschafft: Mama werden. Kinder bekommen. Und sie schon ganz schön groß bekommen. In den allerersten Wochen hast du mir geholfen, mein winziges Zellhaufen-Geheimnis unter deinem weiten Stoff zu verstecken. Bauch dick, Bauch wieder dünn, wieder dick, wieder dünn, wieder dick, wieder dünn (also fast): du warst da und für mich da und hast mich nicht im Stich gelassen. Heute, wenn morgens mal wieder Chaos ist und alle schreien und dann auch noch eine Windel voll ist, hängst du an meinem Schrank und blinzelst mir zu. Keine Gedanken verschwenden müssen, über passende Oberteile und passende Unterteile oder Gürtel ja oder nein. Einfach rein und los. Chaos rocken. Und trotzdem in den Spiegel gucken und denken: gut siehst du aus.

Liebes Kleid, irgendwie habe ich das Gefühl, du bleibst länger modisch als andere Kleidungsstücke. Meine schönsten Kleider trage ich schon seit Jahren. Immer wieder. Wenn es kalt ist mit Strümpfen und Strickjacke, im Sommer mit Bikini drunter und Flip Flops.

Und übrigens, wenn alle morgens mal wieder brüllen, komme ich mit dir ins Zimmer der Jungs. Riesengeschrei, aber ich komme rein und das Gebrüll verstummt. Sie gucken mich, nein wohl eher dich, mit großen kullerblauen Augen an. „Mama, siehst du aber hübsch aus!“, sagt der eine. „Subs saus!“ wiederholt der andere. Und dann krabbelt einer unter meinen Rock, versteckt sein Gesicht unter dem weichen Stoff und ruft „Such mich, Mami!“
Kleid, Treppe, Anthropologie,
PS. Mein blaues Lieblingskleid auf den Fotos ist übrigens von Anthropologie. Ich habe es geschenkt bekommen und ja, ich weiß, es ist ein wenig teurer. Aber die Farbe ist perfekt, der Stoff butterweich und es sieht tatsächlich auch nach Rumprummeln in der Reisetasche noch spitze aus. Große Liebe eben. Mein Kleid gibt es hier. Und dieses hier finde ich auch wunderschön.
Ein wunderbares Wochenende,

Claudi