Am Wochenende saß ich bei meiner Freundin auf dem Sofa und wir redeten über das Leben. Genauer gesagt, über unser unfittes Leben. Wir gestanden endlich, wie langweilig Joggen nach all den durchjoggten Jahren war und wie viel weniger wir uns aufraffen können. Nicht mal jetzt, mit kurzen Kleidchen in Reichweite. Und ja, wir bedauerten gemeinsam, dass Sport unsere Körper einfach nicht mehr so einfach formt wie früher. Wir finden, dass er daher heute umso mehr Spaß machen muss. Dann erzählte mir meine Freundin von ihrem neuen Familiensport…

Sie ließ es beiläufig fallen, in einem Nebensatz, und ich musste nachfragen. „Moment mal, was macht ihr?“, fragte ich. „Na, wir shuffeln..!“, meinte sie. „Alle zusammen im Wohnzimmer. Ein Riesenspaß!“, schwärmte sie. Und danach habe man richtig was getan. „Was bitte ist shuffeln?“, wollte ich wissen. Sie sah mich mit großen Augen an: „Das kennst du nicht?“

Shuffeln ist ein Tanzstil zu elektrischer Musik. Entwickelt in Melbourne.

Dabei werden verschiedene Schritte kombiniert, die dem Twist oder dem Moon Walk ähneln. Der Tanz besteht im Wesentlichen aus drei Grundschritten, dem T-Step, dem Running Men und dem Kick, die in zufälliger Abfolge rhythmisch miteinander kombiniert werden. Ganz Tiktok und Youtube tanzt bereits – nur ich hatte noch nie davon gehört. Oder doch? Plötzlich fiel mir ein, woher ich das Wort kannte. Aus meiner Stepgruppe, in der ich meine halbe Kindheit und Jugend getanzt hatte. Ein Shuffle ist im Steptanz ein schneller Doppelschlag mit der Fußspitze.

Als ich aufstand, um meiner Freundin auf dem Wohnzimmerfliesenboden eine Kostprobe zu geben, kreischte sie los. „Duuuuuuu kannst ja shuffeln!“ Und grölte dann:

„Nur die Arme darfst du nicht so uncool halten wie Fred Astaire!“

Seither haben auch meine Familie und ich gemeinsam geshuffled. Es gibt jede Menge Youtube-Videos, die einem zeigen, wie es geht. (Hier zum Beispiel. Und hier.) Es ist sehr lustig. Ich mache da mehr mein Step-Ding. Irgendwie verrückt, dass alles wiederkommt.

„Mamaaaaa!“, kichern meine Jungs und verdrehen die Augen. Aber es tut so gut. Letztlich darf und soll dabei sogar jeder seinen Stil entwickeln. Man kann alles wegshuffeln: Die Lockdown-Langeweile. Den Hüftspeck-Frust. Den Schweinehund, der einfach keine Lust mehr auf Joggen durchs Dorf hat. Den Gedanken, dass dein Kind gestern deinen kleinen Schwabbelbauch zusammenschob und kicherte: „Das sieht aus wie ein zweiter Po.“

Beim Shuffeln vergisst du alles. Du machst, du probierst, du kannst nichts, du kannst alles, du schwitzt, du kicherst. Und der Rest deiner Familie mit dir. Im Wohnzimmer riecht es nach einer halben Stunde muffigsüß wie im Fitnessstudio. Alle lachen. Nein, ich kann es nicht. Ich sehe nicht cool aus dabei.

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Und mein Körper ist danach derselbe. Aber obenrum grinst er.

Und welcher Sport macht dich gerade glücklich?

Alles Liebe,

Claudi