Statt „Wie weit ist es zum Wildgehege-Schwimmbad-Fußballplatz?“ fragen sie: „Wie viele Brombeersträucher sind es zum Wildgehege-Schwimmbad-Fußballplatz?“ Brombeeren sind unser neues Längenmaß. Sie sind so lecker, damit geht alles. Damit schaffen wir es ohne Probleme einmal quer durch unser Feriendorf. Das ist nämlich groß und es gibt herrlich viel zu erleben im Landal Sonnenberg. Oder auch ganz entspannt nichts. Ganz wie man möchte…

Bei unserer Fahrt hinauf zum Ferienpark, hoch oben auf einem Hügel über der Mosel, haben wir noch keine Brombeerbestechung. Dafür ein paar Mal Maulen. Und jede Menge Seufzen – das aber vor allem in der ersten Autoreihe. Wir schrauben uns die schmale Serpentinenstraße hoch. Tuckern in Schrittgeschwindigkeit Nadelöhr-Kurven mit atemberaubenden Blicken entlang und mitten zwischen Weinreben hindurch – ich kann nicht anders, als davon zu träumen, André und mir gleich bei Ankunft den ersten Wein aufzuschrauben.

Auf der Rückbank kicherts, im Kofferraum dahinter klirrt es. Wir haben uns auf dem Weg bei einem Winzer mit ein paar Rieslingen eingedeckt. Es macht ja soviel Spaß, ein hübsches Schild zu entdecken, anzuhalten, auszusteigen und sich mit begeisterten Weinzauberern kurz über ihre Kunst zu unterhalten. Vielleicht sogar einen Schluck davon zu probieren. Ich liebe Wein, kenne mich bislang aber kein bisschen aus. Jetzt schon.

Die Kinder teilen unsere Begeisterung für Wein weniger, auch der Blick über die hübsch schlängelnde Mosel wird nach ein paar Metern langweilig. Dafür raunen sie beim Anblick des Spielplatzes. Der liegt mitten im Landal Feriendorf, ist riesengroß und erstreckt sich über zwei Ebenen. Mit dabei: ein Kletterturm, ein Karussell, ein Fußballplatz, ein Beachvolleyballfeld, ein großes Trampolin – und eine blitzschnelle Rutsche, die beide Ebenen verbindet. Die Kinder flitzen sofort los.

Gleich nebenan stehen Tische und Stühle in der Sonne, drumherum duftende Wildblumen, träge brummende Hummeln. „Setz dich und trink mich jetzt!“, klirrt der Wein von hinten. „Erst mal auspacken…!“ meint der Mann. Er möchte unbedingt das Ferienhaus sehen. Wir waren schon öfter in Landal Ferienparks, und es ist beruhigend, dass man immer weiß, was man bekommt: ein gemütliches, gut geschnittenes Ferienhaus, toll ausgestattet und mit Terrasse. Auch schön ist aber, dass die Häuser in jedem Park ein bisschen anders aussehen und oft passend zur Region gestaltet sind. In Dänemark graues Holz, hier kreidefarbener Klinker, passend zu den Steinen am Wegesrand.

In unserem Haus ist reichlich Platz, wir hätten sogar noch Oma und Opa mitnehmen können, oder zwei weitere Kinder – oder „zwei große Bernhardiner“, meint einer meiner Söhne. Von der Terrasse schauen wir ins Grüne, von den Nachbarn bekommen wir nichts mit (und die zum Glück von uns auch nicht) und durch die riesigen Fenster im Wohnzimmer malt die Sonne große Lichtflecken aufs Laminat. Jeder räumt kurz seine Klamotten in einen der Schränke – dann kann der Urlaub beginnen.

Was ich am Urlaub in den Landal Ferienparks besonders mag: Es gibt wirklich viele Angebote für die Kinder. Außer dem Spielplatz eine große Indoor-Kletterhalle, Kinderanimation, den Bollo-Club. Aber: Man muss das alles nicht machen. Beziehungsweise, wenn man mal nicht möchte, sondern lieber seine Ruhe hätte, bekommt man davon nichts mit. Es ist kein lauter, wilder Familienanimationsbrei, in den man auf jeden Fall hineingerührt wird. Alles ist ein Angebot, man darf sich ab und zu eine Portion schmecken lassen, wer mag auch den ganzen Topf. Man kann aber auch einfach ein paar schöne Tage in seinem eigenen Ferienhaus verbringen. Leise, ohne Animation. Vielleicht macht man es mal laut, mal leise. Ich finde das super. Und noch was: Für das, was sie bieten, sind die Landal Feriendörfer auch noch wirklich günstig. Selbst wir sechs können dort ein super ausgestattetes Haus für eine Woche in den Ferien (!) für 700 bis 1000 Euro mieten – viele Angebote inklusive. Halleluja!

In Coronazeiten ist Urlaub mit Landal noch mehr zu empfehlen. Die Parks sind nämlich alle weitläufig und man kann sich gut aus dem Weg gehen. Noch dazu kann man umbuchen, falls das Urlaubsziel spontan zu einem Risikogebiet wird. Haben wir gerade in den Herbstferien getan. Wir hatten Niederlande gebucht, als die Samstagabend zum Risikogebiet wurden, habe ich Sonntagmorgen bei Landal angerufen und die Dame meinte sofort: „Kein Problem, wo wollen sie stattdessen hin?“ Was für eine Erleichterung. Wir sind dann spontan in ein Landal in Dänemark gefahren.

Im Landal Sonnenberg hat es uns im Sommer so gut gefallen, dass wir unseren Aufenthalt verlängert haben. Ein typischer Tag dort sah übrigens so aus: Ausschlafen und Kinder zum Brötchen holen im kleinen Shop im Park schicken. In Ruhe den Frühstückstisch decken, weil sie auf dem Weg Brombeeren naschen. Nach dem Frühstück für zwei Stunden ab in die Indoorspielhalle (abends Plätze gebucht). Dabei Buch oder Zeitung lesen und den Kindern beim Spielen zuschauen. Danach ab in die Sonne und auf den Spielplatz. Nach einem kurzen Snack zuhause haben wir meist einen kleinen Ausflug gemacht. Gegen Abend gings dann nochmal auf den Spielplatz, zum Wildgehege auf dem Gelände oder zum Minigolf. Und nach dem Abendbrot war nochmal Spielplatz angesagt, bis es dunkel wurde. Mit dabei ein Buch und eine Flasche Wein. Nach ein paar Tagen haben wir die Bücher zuhause gelassen und uns stattdessen mit einem anderen Paar zusammengesetzt. Es war total nett, bloß den Wein konnten wir nicht teilen. Die beiden lieben nämlich lieblich.

Mein Lieblingsplatz im Landal Sonnenberg – und der meiner beiden kleinen Söhne – ist das kleine Wildgehege am Rand des Parks. Während meine Jungs die Tiere füttern oder auf dem kleinen Spielplatz klettern, schließe ich die Augen und halte auf einer Bank meinen Kopf in die Sonne. Wenn ich die Augen öffne, kann ich weit über das Tal schauen, den Berg runter bis zu Mosel, die sich friedlich durch die Weinberge schlängelt und zu flüstern scheint: „Alles wird gut!“

Gleich dahinter ist ein Waldstück mit drei selbstgebauten Ast-Tipis. Wie es scheint, bauen es alle Kinder die hier sind ein kleines Stück weiter. Meine auch. Mein mittlerer Sohn ist so verliebt in die Hirsche, er läuft einen ganzen Nachmittag mit einem Astgeweih herum – hinten in sein Shirt geschoben.

Unseren letzten Abend feiern wir auf dem Spielplatz mit unseren neuen Freunden. Die Kinder kommen nur ab und zu für ein paar Schluck Wasser vorbei. Auf dem Tisch zwei Flaschen Spätlese – eine lieblich, eine trocken. Ich hatte vorher keine Ahnung, dass es das gibt. Dazu gibt es für jeden ein Stück selbstgebackene Brombeertarte. Psst, unten beim Fußballplatz gibt es nämlich so viele und so große Brombeeren, dass es für einen Kuchen reicht. Die Kinder hatten nachmittags eine ganze Schale voll gepflückt – und spielen mit brombeerroten Lippen bis tief in die Nacht.

SCHLAFEN: Wir hatten das Haus 46 vom Typ 8 B, was wirklich super war, weil es sehr ruhig liegt, wir es aber trotzdem nicht weit zum Wildgehege und zum Spielplatz hatten. Das Haus hat vier Schlafzimmer, zwei mit jeweils einem Doppelbett, zwei mit jeweils zwei Einzelbetten. Dazu gibt es einen offenen Küchen-Ess-Wohnraum mit Blick ins Grüne, ein Bad und eine zusätzliche Gästetoilette. Es ist alles da, was man braucht. Sogar Kaffeefilter und eine Packung Kaffee stand für uns bereit.

ESSEN: Auf dem Gelände gibt ein hübsch eingerichtetes Restaurant, wir waren dort gleich am ersten Tag essen. Nebenan ist ein Imbiss, an dem man sich kleine Gerichte und Pizza zum Mitnehmen herausholen kann. Super praktisch, finde ich.



TRINKEN: Hicks, ich gebe es zu. Wir haben uns einmal durch den halben Ort probiert und folgende Winzer können wir echt empfehlen: Carolin Hoffranzen weiß alles über Wein und es ist super spannend, mit ihr darüber zu quatschen. Sie hat mir gleich erklärt, warum mein Riesling vom Vorabend mir zu WUSCH war. (War einer von 2018. Der Sommer war sehr sonnig und viele Weine sind daher sehr opulent. So nennt man das nämlich.) Carolins Rieslinge schmecken köstlich und wir ordern garantiert nach, sobald wie unseren Vorrat ausgetrunken haben. Sie hat übrigens außer Wein auch sonst noch super Ideen – zum Beispiel eine Online-Weinprobe. Schaut einfach mal auf ihrer Webseite. Prost.

Dann waren wir noch beim Weingut von Nikolaus Köwerich aus Leiwen. Erst hinterher habe ich gelesen, dass sich die Weinpresse geradezu seinetwegen überschlägt: „… sein Stil wird immer geschliffener …“, sagt Der Feinschmecker inDie besten Winzer und Weine 2020. Andere schreiben: „Brillant! Nick Köwerich hat 2017er Weine mit Schliff und Spannung im Keller …“ (Fallstaff Wein Guide 2019). So schön auch das hier: „Seine Weine drücken die Liebe und Verbundenheit des Winzers zum eleganten, zarten und manchmal auch verspielten Riesling-Stil aus …“ (Gault & Millau WeinGuide Deutschland 2018). Ich mag sogar die Namen: „Für Feen und Elfen“ heißt einer, „Herr Mosel“ ein anderer. Und: Ich musste immer lächeln, wenn ich sie probiert habe. 

Dann mochten wir noch die Weine von Thomas Wallerath. Seine Frau Beate, die beiden Jungs Nils und Peter und er haben uns an uns erinnert – nur das die beiden gemeinsam leidenschaftlich Wein machen statt Bücher, so wie wir. Sehr sympathisch – und sehr lecker!

SHOPPEN: Im Nachbarort Schweich gibt es mit „Die Buchändler“ einen tollen Laden, in dem man stundelang stöbern kann und wirklich gut beraten wird. Wir waren gleich zweimal da – und haben uns außer Büchern auch immer gleich einen Winzer empfehlen lassen. Auch für Kinderbücher gibt es eine super ausgestattete Ecke.

AUSFLÜGE: Obwohl unsere Kinder schwer wegzuüberreden waren, von ihren Freunden, dem Spielplatz und den Brombeeren, haben wir es ein paarmal geschafft. Zum Glück: Es gibt nämlich ein paar zauberhafte Ausflugsziele.

Trier: Die kleine Stadt sieht aus wie im Bilderbuch und es gibt jede Menge zu sehen, wenn man einfach hindurch bummelt. Die Porta Nigra ist natürlich ein Muss und ihre uralten Mauern beeindruckten sogar unsere Jungs. Es ist einfach unvorstellbar, wie lange die schon dort herumstehen.

Niedlich ist auch das Spielzeugmuseum. Unsere Kinder haben teilweise laut gelacht, mit was wir früher so gespielt haben. André und ich haben man wieder geseufzt – weil es schon so lange her ist.

Im Park bei den Kaiserthermen kann man gut picknicken, ein bisschen Ball spielen und Kronkorken sammeln, falls eure Kinder die auch sammeln. Wenn wir nochmal da sind und ein bisschen mehr Zeit haben, buchen wir eine Kinderführung durch Trier. Über die habe ich ganz viel gutes gehört!






Burg Cochem: Einmal eine richtige Burg sehen, dass stand schon lange auf der heimlichen Wunschliste meiner Kinder. Hier an der Mosel – etwa eine Stunde vom Landal Sonnenberg entfernt – haben wir eine gefunden. Burg Cochem thront ernst auf einem Hügel über dem Fluss, aber die Fensterscheiben blinzeln uns im Sonnenlicht zu. Die Burg wurde vermutlich um 1000 gebaut – das sie so gut erhalten ist, verdanken wir dem Berliner Kaufmann und späteren Kommerzienrat Louis Ravené, der die Burgruine 1868 für 300 Goldmark kaufte und die Burg in ihrem ursprünglichen Aussehen wieder aufbauen ließ.

Wir fühlten uns wie Ritter und Burgfräulein, als wir durch die alten Zimmer gingen, auf ausgetretenen Teppichen und an Ritterrüstungen vorbei. Im großen Saal scheint die Vergangenheit so lebendig, dass man glaubt einen Haufen Ritter an der langen Tafel schmausen zu hören. Wir hatten eine Kinderführung und die ist absolut empfehlenswert – nicht nur für Kinder! Wir haben gelernt, wie dick die Burgmauern sind, in dem wir die Meter im Burghof abschritten. Haben im Familienbett im Schlafgemacht Goldmünzen gefunden und sogar einen alten Tanz im großen Saal gelernt. Ein riesengroßes Erlebnis.


Riol: In dem kleinen Ort gibts gleich mehrere Dinge zu erleben. Erstens eine Sommerrodelbahn, auf der man den Berg hinuntersausen kann, was meine Jungs super fanden. Zweitens kann man Fußballgolf ausprobieren. Drittens auf der einen Seite des Sees eine coole Wakeboardstrecke. Und viertens kann man auf der anderen Seite baden, nur diesen Sommer wegen Corona nicht. Rund um den hübschen See gibts außerdem jede Menge Brombeeren zum Naschen, von denen meine Jungs immer noch nicht genug hatten.

Bernkastel-Kues: Hier sieht die Moselgegend genauso aus, wie ich sie mir vorgestellt hatte: Schmale Wege, die sich durch kleine, kunterbunte Häuser hindurchschlängeln, Weinranken über der Tür, gemalte Sprüche an mancher Mauer. Zum Beispiel der hier: Und überall kleine Weinstuben mit rotkarierten Tischen vor der Tür.  Meine Kinder fanden unser Bummeln ziemlich langweilig – außer den Brunnen mit den Bären. Nächstes Mal würde ich eher kommen, eine Schiffsfahrt buchen und vorher gern noch den „Eidechse-liebt-Riesling“-Entdeckerpfad durch die Weinberge gehen. So eine schöne Idee, finde ich.


Mehr Eindrücke von unserem Mosel-Urlaub bekommt ihr auch in meinem Mosel-Highlight drüben auf meinem Instagram-Account.

Habt ihr noch Tipps für die Region?

Ganz liebe Grüße und eine tolle Woche,

Claudi