Mindestens einmal am Wochenende laden wir Freunde zum Essen ein. Diese Abende mit Knisterfeuer im Kamin, Ofenwärme in der Luft und flackernden Kerzen auf dem großen Tisch führen uns zielstrebig durch die dunkle Jahreszeit, wie früher ein Nachtwächter durch mittelalterschwarze Straßengassen…

Ich liebe es, wenn ich bereits nachmittags in der Küche herumwerkele. Noch immer im Schlafanzug. Ein Kind hilft mir beim Schnippeln, eins malt an der Kücheninsel und ein anderes sitzt auf dem Sofa und liest. Die Küchenluft riecht kaminrauchig und fruchtig tomatig und ein wenig nach feuriger Chili. Und aus den Lautsprechern dudelt die wilde Playlist unserer Familienlieblingssongs.

Wie schreibt Ella Risbridger in ihrem Buch „Die Geschichte beginnt mit einem Huhn“ so schön? Diese Abende haben eine gewisse Magie: eine golden glänzende, unendliche Magie, die mich durch Kochen und (…) Essen psychisch aufrechterhält. Ich liebe diese Abende. Ich habe mich nie geborgener, glücklicher oder geliebter gefühlt als in dem Wissen, dass ich stets höchstens fünf Tage von einem solchen Abend entfernt bin.“ Ich könnte es nicht besser sagen.

Ich koche gern Jamie Olivers Gulasch an solchen Abenden, weil es irre lecker ist, gulaschgemütlich schmeckt und trotzdem kein bisschen nach Dorfkneipe mit rauchgelber Häkelgardine. Und weil es sich nach knapp einer Stunde Vorbereitung am Nachmittag quasi von allein kocht. Bislang hat es jeder geliebt. Und wem es nicht scharf genug ist, der streut sich am Tisch noch ein paar Chiliflocken drüber.

Jamies Gulasch – von mir leicht verändert (für 6 Personen)

Du brauchst:
2 Kilo Schweineschulter (muss ich vorbestellen)
Salz und Pfeffer
Olivenöl
2 Zwiebeln
1 frische Chilischote
2 Esslöffel Paprikapulver
je 1 Bund frischer Majoran und Oregano
5 Paprikaschoten in rot, gelb oder orange, am liebsten bunt gemischt
1 Glas gegrillte, eingelegte Paprikaschoten
1 Dose Tomaten
3 Esslöffel Rotweinessig
400 Gramm Reis
1 Teelöffel Butter
1 Becher Saure Sahne
2 Esslöffel Milch
abgeriebene Schale von einer Bio-Zitrone
1 kleines Bund Petersilie
300 Milliliter Gemüsebrühe

Und so gehts: Den Ofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen. Die Schweineschulter auf der Fettseite kreuzweise einschneien und mit Salz und Pfeffer einreiben. Einen guten Schuss Olivenöl in einem großen ofenfesten Topf erhitzen, das Fleisch mit der Fettseite nach unten hinein legen und etwa 15 Minuten bei mittlerer Hitze braten. Fleisch herausnehmen und beiseite legen.

Zwiebeln schälen und Würfeln, Chilis entkernen und würfeln, zusammen mit Paprikapulver, Majoran, Oregano und Salz und Pfeffer in das heiße Bratfett geben. Hitze reduzieren und alles 10 Minuten vorsichtig anschwitzen. Paprika waschen und in Würfel schneiden, dazugeben und kurz mit anbraten. Eingelegte Paprika würfeln und mit den Tomaten mit in die Pfanne geben. (Ich püriere sie Dosentomaten immer vorher). Brühe und Essig dazugeben, die Schweineschulter hineinlegen und im Backofen mit Deckel etwa drei Stunden schmoren lassen.

Das Fleisch ist fertig, wenn es butterweich ist und sich mühelos mit einer Gabel zerpflücken lässt. Wenn das noch nicht so ist, lieber noch ein wenig weiter garen. Wenn das Fleisch gar ist, den Reis nach Anleitung kochen. Zum fertigen Reis einen Teelöffel Butter und Salz geben.

Saure Sahne mit Salz, abgeriebener Zitronenschale, zwei Esslöffeln Milch und gehackter Petersilie verrühren. Die Soße im Fleischtopf nochmal abschmecken. Das Fleisch in Stücke zupfen. Das Gulasch mit Reis und einem Klecks Saure Sahne-Soße servieren. Köstlich.

All das ginge natürlich auch in der Woche. Aber es ist einfach viel schöner, wenn man selbst und das Gulasch Zeit haben. Wenn man besonders gutes Bio-Fleisch vorbestellt und in Ruhe abholt und dann etwas Besonderes daraus macht. Es ist schön, jede Sekunde beim Kochen und Essen genießen zu können.

Wenn später die Gäste da sind und einer den Backofen aufmacht und im heißen Dampf „Mmmh!“ brummt und den Dampf mit der flachen Hand in der kaminwarmen Küche verteilt. Wenn einer heimlich Paprikastücke mopst und wieder einer die Musik zu laut aufdreht. Wenn einer aus Versehen meinen Rotwein ausgetrunken hat und mir schnell einen neuen einschenkt. Ein Abend, an dem ich schon dabei spüre, dass es einer dieser Abende ist, an den ich mich später mit einem Lächeln zurück erinnere.


Macht es euch schön am Wochenende!

Herzlichst,

Claudi