Gleich vorweg: Köche und Ökotrophologen sind wie Politiker. Hab ich festgestellt, auf dem Milupa-Bloggerevent in dieser Woche. Es ging um das richtige Essen für Mama und Baby in den ersten 1000 Tagen und wie wichtig das ist. Weil es hauptsächlich entscheidet, ob ein Kind gesund oder krank, dick oder dünn, fit oder schlapp wird. Mein Lieblingsgast: Der Räucherlachs auf dem Buffet für Schwangere. „Hallo, wie cool ist das denn dich hier zu treffen!“, hab ich gerufen und sofort bei den Experten nachgefragt: „Wie bitte was, Räucherlachs? Ist der jetzt doch erlaubt in der Schwangerschaft oder wie ?“
Baby will nicht essen, Beikost, Babybrei, Folgemilch
Koch Matthias Gförer, der das schöne Restaurant Gutküche Wulksfelde betreibt meint sofort: „Aber hallo, auf jeden Fall. Fisch ist super wichtig wegen der Omega-3-Fettsäuren. Und durch das Räuchern ist da nichts mehr drin, was schädlich ist.“ Einzige Einschränkung für ihn: „Guten Fisch kaufen. Mit MSC-Siegel oder Bioland zertifiziert. Und frisch, keinesfalls lange haltbar gemacht.“ Was für News. Auf Lachs hatte ich in jeder meiner Schwangerschaften hefitgen Heißhunger, habe ihn mir aber immer verkniffen. Jetzt witterte ich meine Chance. Wenn schon nicht für mich, dann wenigstens für meine schwangeren Leserinnen mit Lachsschmacht. „Also echt hundertprozentig nicht belastet mit Listerien, Toxoplasmose, Salmonellen und all den anderen kleinen Teufeln?“, hake ich nach. Alte Tageszeitungsredakteurinnenkrankheit. Lieber nochmal ganz klar nachfragen, bevor du etwas behauptest. Ha – und da gings los.

„Ja, sicher. Eigentlich…“ sagt Matthias Gförer. „Hundertprozentige Sicherheit kann man natürlich nie geben!“, wirft Ökotrophologin Katharina Weinand ein. „So etwas wird ihnen kein Mensch der Welt bestätigen.“ Der Koch: „Mein Frau hat es in beiden Schwangerschaften gegessen! Sie hatte einfach ein gutes Gefühl dabei. Und wir vertrauen den strengen Kontrollen von Firmen wie Deutsche See und anderen.“ Ja und aber. Und eigentlich. Politikerlieblingswörter. Ich verstehe es ja sogar ein wenig. Um selbst kurz wie die Familienministerin zu klingen: Es geht schließlich um das Wichtigste: unsere Kinder.

Die Experten haben sich schließlich auf den Knackpunkt geeinigt: Gute Lebensmittel sind wichtig. Und: Ein gutes Gefühl beim Essen. Bauchgefühl für gutes, das richtige Essen zur richtigen Zeit, ist vielen Erwachsenen leider völlig abhanden gekommen. Weinand: „Räucherlachs in guter Qualität ist völlig okay für Schwangere – außer wenn ich Angst hab. Dann lieber weglassen.“ Beinahe-Entwarnung auch bei Käse: Rohmilchkäse sollten Schwangere nach wie vor meiden. Aber: nur zwei Prozent aller Käse in Deutschland sind tatsächlich noch echte Rohmilchkäse. Das heißt 98 Prozent sind absolut sicher.

Was mich noch überrascht hat an diesem Tag:
– Stillende sollten nicht nur die ohnehin empfohlenen zwei Portionen Fisch in der Woche essen, sondern vier! Die Omega-3-Fettsäuren darin sind immens wichtig für die Gehirnentwicklung und das Sehvermögen des Babys. Ideales Mitbringsel also für den nächsten Besuch bei Neu-Mamis: Ein Fisch. (Wer den nicht in der Handtasche haben mag kann auch einen Profutura mama Müsliriegel von Milupa mitbringen. Der enthält schon mal 200 Gramm der Fettsäuren. Check.)
– Wer nicht stillt, sollte fürs Baby eine Säuglingsnahrung wählen, die Omega-3-Fettsäuren (genauer LCP) und Präbiotica enthält. Wasn‘ das? Bestimmte Kohlehydrate, die die freundlichen Bakterien in Babys Darm füttern. Damit die besser aufpassen können, dass es dort zukünftig gut läuft. Ne Stulle für den Türsteher, quasi.
– Eine Paste aus Kurkuma und neutralem Öl ist eine optimale Geheimwaffe gegen wunden Po. Macht ein wenig gelb, aber es stecken jede Menge natürlicher Entzündungshemmer drin. (In Indien werden die Babys damit sogar am ganzen Körper eingeschmiert.) Mal sehen, ob ich mich traue. Ansonsten einfach ab ins Essen damit. Wir haben an diesem Tag ein tolles Couscous mit Kurkuma und Granatapfel gemacht, Rezept folgt nächste Woche.
– Wie man Granatäpfel ohne Schweinerei schlachtet. Hat jetzt überhaupt nix mit Babys oder Stillen oder sonstwas zu tun, ist aber einfach spitze praktisch. Verrate ich euch nächste Woche zum Rezept.
– Salz und Zucker unbedingt ohne Rieselhilfe kaufen, am besten Meer- oder Steinsalz. Rieselhilfen, wie alle anderen Zusatzstoffe, belasten den Körper und das wollen wir nicht. Und wenns klumpt? „Mit’m Hammer drauf!“, sagt Matthias Gförer.

Was mich bestätigt hat:
– 400 Mikrogramm Folsäure sollten Schwangere nach wie vor einnehmen, das ist auch durch bestes Essen nicht zu schaffen. Daher verschreibt der Frauenarzt ein Präparat.
– Den Milchbrei am Abend mit Kuhmilch anrühren ist völlig okay. Babys sollten zwar keine ganzen Flaschen voll damit trinken, aber ein bisschen Kuhmilch ist gut, damit Baby keine Laktose-Unverträglichkeit entwickelt. Ach ja: Reis-, Hafer- und Sojamilch (auch Kokoswasser) sind Not-Alternativen für Kinder mit Unverträglichkeiten. Für alle anderen ist normale Kuhmilch das beste und nährstoffreichste. (Jippie!). Wer sich damit besser fühlt, kann auch sogenannte Kindermilch kaufen, die zusätzlich Vitamin D liefert, was bei Kleinkindern oft zu kurz oft.
– Kinder brauchen Fleisch. Der Eisenvorrat ist meist komplett aufgebraucht, deshalb ist der Gemüse-, Kartoffel-, Fleischbrei auch der erste der eingeführt wird. Also bitte nicht den Kindern die eigenen Veggie-Essexperimente überstülpen.


Was ihr noch wissen wolltet:

Mein Baby ist neun Monate und will nur Brust statt Brei? Ist das okay?
Nein! (Autsch) Fakt ist: Spätestens ab dem siebten Monat sollten Babys dringend zugefüttert werden. Der Eisenspeicher ist leer, der Darm braucht neue Herausforderugen, der Kiefer muss essen lernen durch essen üben. Also bitte das Stillen zurückfahren (auch wenn es so schön einfach ist) und her mit allen möglichen Alternativen. Wichtig: Mami muss auch wollen. Denn: Beikost hat auch was mit Loslassen zu tun.

Wie krieg ich Gesundes ins Kind?
Leider meist nur mit viel Arbeit – vor allem vor dem eigentlichen Essen. Sprich: Kind mit auf den Markt nehmen, Kind Obst und Gemüse aussuchen lassen, später putzen, schneiden, matschen lassen. Mitkochen lassen. Essen erleben lassen.

Muss ich mich streng an die empfohlene Einführung der Lebensmittel halten?
Katharina Weinand empfiehlt: „Am Anfang schon.“ Gemüse sollte das erste sein, das ist am Bekömmlichsten. Fleisch ist dann wichtig, wegen des Eisens. Milchbrei abends macht Sinn, da sich das Eiweiß nachts besonders gut in den Knochen einlagern kann. Merke: Wenn ich am Anfang gleich zuviele neue Lebensmittel einführe, und mein Kind Bauchweh bekommt, weiß ich nicht wovon es kommt. Aber: Wenn ich nach einer Weile merke, in Babys Darm läufts, keine Probleme, kann ich es schnell immer wieder neues ausprobieren lassen.

Um es im Politkerslang zu sagen: Herzlichen Dank für eure Aufmerksamkeit. Und in alter Wasfürmich-Manier: Falls ihr noch Fragen habt, immer her damit.

Alles Liebe,

Claudi