Diese Woche habe ich das erste Mal einen “Ja, aber”-Kommentar bei Instagram hinterlassen. Ein sympathischer Lehrer (@tobi_keller_) hatte in einem Reel die Arbeiten seiner Schüler gezeigt. Zehnte Klasse, Pädagogikkurs. Die Schüler entwickelten Kinderbücher. Die Arbeiten sind beeindruckend – aber die meisten sehr offensichtlich mit KI erstellt, in vielen ist das bekannte Kinderbuchvorbild klar zu erkennen. Ich habe meinen Kommentar wieder gelöscht, weil ich die Arbeit der Jugendlichen nicht niedermachen wollte. Dennoch frage ich mich: Was geben wir Jugendlichen mit…? Plus: Gewöhnen wir uns dank Chattie das Denken ab…?

Hier schon viel geweint…

Auch bei uns hat KI immer mehr Einzug gehalten, mein Mann nutzt es in seiner Kanzlei, natürlich nutzen es meine Kinder und ich habe mir auch schon mal Buchtitel von Chattie vorschlagen lassen (und war irgendwie erleichtert, dass sie nichts taugen.) Es ist eine riesige Erleichterung in Sachen Lernen, wenn mein Kind Chattie bittet, ihm zehn Aufgaben als Übung für die nächste Arbeit zu stellen und ich Zeit für etwas anderes habe.

Hausaufgaben können einfach überprüft werden – sogar in Null-Bock-Schrift. Chattie lobt sogar. Als einer meiner Söhne letztens allerdings nach Hause kam und meinte, er solle einen Aufsatz schreiben, das C bereits in den Augen, fand ich es eher nicht so toll.

Immer deutlicher wird: Die Arbeitswelt wird sich ändern, Schule muss sich ändern.

Passend dazu habe ich diese Woche einen super Beitrag bei @AnneBehlIllustration gesehen. “Fehlendes Talent”, schreibt sie in dem Carousel-Post, wäre oft das Argument, das den Einsatz von KI entschuldigen solle, sie dagegen finde das problematisch. “Denn es suggeriert, dass man auf die Welt gekommen ist und direkt irgendwas mastert. Gleichzeitig ignoriert es die Zeit, die Lust den Frust, die Erfahrungen, das Glück und die Tränen, die es braucht, damit aus einer Leidenschaft Qualität wachsen kann.”

Und Behl schreibt weiter, “Wer nicht das Talent hat, dem fehlt eigentlich schlicht die Leidenschaft, sich etwas zu erarbeiten und sich dadurch zu etwas durchzuquälen.” Wow. Ich checkte in diesem Moment, dass mich diese Kinderbücher so irritierten, weil ich gerade mitten im vierten Roman stecke und es – sorry für die vulgäre Sprache – scheiße läuft.

Ich bin an dem Punkt, an dem ich mir den Kopf zerbreche, alles verfluche, bis spät in die Nacht tippe – um es dann wieder zu löschen. Ich heule viele aktuell, ich will hinschmeißen, aber ich fange immer wieder an. Ich will das – und ich will es so gut wie möglich machen. Weil ich mich zuhause oft nicht konzentrieren kann, laufe ich durchs Dorfs, rede mit mir und denke. Mein Kopf dröhnt vor Denken. Ich stelle mir meine Protagonisten vor,stelle ihnen Fragen, entwerfe Plotstränge und verwerfe sie wieder. Ich habe permanent Kopfschmerzen, es ist verdammt anstrengend.

Klar kann man sagen, die Kinder in dieser Klasse üben erstmal und danach machen sie dann eben ihr eigenes Buch.

Aber: Sie üben eben nicht. Sie üben nicht zu denken. Sich Figuren auszudenken und sie anschließend zeichnerisch zu entwerfen (oder umgekehrt). Sie erfinden keine Geschichte, sie üben nicht, Sprache einzusetzen, sie verzweifeln nicht, scheitern nicht, werden nicht besser. Sie haben vielleicht gut gepromptet, mehr aber auch nicht. Nicht jedes Kind ist ein Künstler und muss es auch nicht sein. Man darf auch einfach bloß mal machen – eventuell macht es sogar Spaß. Genau wie nicht jeder gut in Sport oder Mathe ist oder sein muss. Ich würde mir wünschen, dass solche Aufgaben zukünftig KI frei gestellt werden. Wie toll wäre es gewesen, echte Geschichten und Zeichnungen aus den Hirnen der Kinder zu sehen – auch wenn viele nicht so “perfekt” ausgesehen hätten. Wie vielfältig wären diese Bücher gewesen? Was für eine krasse Leistung wäre das gewesen?

Zum Schluss verrate ich euch noch was. Auch ich habe schon mal versucht, einen Instagram Text von Chattie schreiben zu lassen, aber schnell festgestellt, dass ich maximal die Struktur verwenden kann, ansonsten war es echt unpersönliche Grütze. Für Romane ist bei meinem Verlag KI nicht nur vertraglich verboten, es funktioniert auch echt nicht (ja, hab es schon mal an einem Absatz getestet).

Und noch was stelle ich fest, und das macht mir echt Sorgen: Je öfter ich Chattie wegen etwas frage, desto weniger Lust habe ich, danach über etwas so richtig  nachzudenken. Weil es sich so anstrengend anfühlt. Weil ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu denken. Erschreckend finde ich und ein Grund, es nicht zu oft einzusetzen. Schon gar nicht für kreative Projekte.

Was für Erfahrungen mit Chattie hast du?

Claudi