Diese Woche habe ich das erste Mal einen “Ja, aber”-Kommentar bei Instagram hinterlassen. Ein sympathischer Lehrer (@tobi_keller_) hatte in einem Reel die Arbeiten seiner Schüler gezeigt. Zehnte Klasse, Pädagogikkurs. Die Schüler entwickelten Kinderbücher. Die Arbeiten sind beeindruckend – aber die meisten sehr offensichtlich mit KI erstellt, in vielen ist das bekannte Kinderbuchvorbild klar zu erkennen. Ich habe meinen Kommentar wieder gelöscht, weil ich die Arbeit der Jugendlichen nicht niedermachen wollte. Dennoch frage ich mich: Was geben wir Jugendlichen mit…? Plus: Gewöhnen wir uns dank Chattie das Denken ab…?
Auch bei uns hat KI immer mehr Einzug gehalten, mein Mann nutzt es in seiner Kanzlei, natürlich nutzen es meine Kinder und ich habe mir auch schon mal Buchtitel von Chattie vorschlagen lassen (und war irgendwie erleichtert, dass sie nichts taugen.) Es ist eine riesige Erleichterung in Sachen Lernen, wenn mein Kind Chattie bittet, ihm zehn Aufgaben als Übung für die nächste Arbeit zu stellen und ich Zeit für etwas anderes habe.
Hausaufgaben können einfach überprüft werden – sogar in Null-Bock-Schrift. Chattie lobt sogar. Als einer meiner Söhne letztens allerdings nach Hause kam und meinte, er solle einen Aufsatz schreiben, das C bereits in den Augen, fand ich es eher nicht so toll.
Immer deutlicher wird: Die Arbeitswelt wird sich ändern, Schule muss sich ändern.
Passend dazu habe ich diese Woche einen super Beitrag bei @AnneBehlIllustration gesehen. “Fehlendes Talent”, schreibt sie in dem Carousel-Post, wäre oft das Argument, das den Einsatz von KI entschuldigen solle, sie dagegen finde das problematisch. “Denn es suggeriert, dass man auf die Welt gekommen ist und direkt irgendwas mastert. Gleichzeitig ignoriert es die Zeit, die Lust den Frust, die Erfahrungen, das Glück und die Tränen, die es braucht, damit aus einer Leidenschaft Qualität wachsen kann.”
Und Behl schreibt weiter, “Wer nicht das Talent hat, dem fehlt eigentlich schlicht die Leidenschaft, sich etwas zu erarbeiten und sich dadurch zu etwas durchzuquälen.” Wow. Ich checkte in diesem Moment, dass mich diese Kinderbücher so irritierten, weil ich gerade mitten im vierten Roman stecke und es – sorry für die vulgäre Sprache – scheiße läuft.
Ich bin an dem Punkt, an dem ich mir den Kopf zerbreche, alles verfluche, bis spät in die Nacht tippe – um es dann wieder zu löschen. Ich heule viele aktuell, ich will hinschmeißen, aber ich fange immer wieder an. Ich will das – und ich will es so gut wie möglich machen. Weil ich mich zuhause oft nicht konzentrieren kann, laufe ich durchs Dorfs, rede mit mir und denke. Mein Kopf dröhnt vor Denken. Ich stelle mir meine Protagonisten vor,stelle ihnen Fragen, entwerfe Plotstränge und verwerfe sie wieder. Ich habe permanent Kopfschmerzen, es ist verdammt anstrengend.
Klar kann man sagen, die Kinder in dieser Klasse üben erstmal und danach machen sie dann eben ihr eigenes Buch.
Aber: Sie üben eben nicht. Sie üben nicht zu denken. Sich Figuren auszudenken und sie anschließend zeichnerisch zu entwerfen (oder umgekehrt). Sie erfinden keine Geschichte, sie üben nicht, Sprache einzusetzen, sie verzweifeln nicht, scheitern nicht, werden nicht besser. Sie haben vielleicht gut gepromptet, mehr aber auch nicht. Nicht jedes Kind ist ein Künstler und muss es auch nicht sein. Man darf auch einfach bloß mal machen – eventuell macht es sogar Spaß. Genau wie nicht jeder gut in Sport oder Mathe ist oder sein muss. Ich würde mir wünschen, dass solche Aufgaben zukünftig KI frei gestellt werden. Wie toll wäre es gewesen, echte Geschichten und Zeichnungen aus den Hirnen der Kinder zu sehen – auch wenn viele nicht so “perfekt” ausgesehen hätten. Wie vielfältig wären diese Bücher gewesen? Was für eine krasse Leistung wäre das gewesen?
Zum Schluss verrate ich euch noch was. Auch ich habe schon mal versucht, einen Instagram Text von Chattie schreiben zu lassen, aber schnell festgestellt, dass ich maximal die Struktur verwenden kann, ansonsten war es echt unpersönliche Grütze. Für Romane ist bei meinem Verlag KI nicht nur vertraglich verboten, es funktioniert auch echt nicht (ja, hab es schon mal an einem Absatz getestet).
Und noch was stelle ich fest, und das macht mir echt Sorgen: Je öfter ich Chattie wegen etwas frage, desto weniger Lust habe ich, danach über etwas so richtig nachzudenken. Weil es sich so anstrengend anfühlt. Weil ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu denken. Erschreckend finde ich und ein Grund, es nicht zu oft einzusetzen. Schon gar nicht für kreative Projekte.
Was für Erfahrungen mit Chattie hast du?







Ja, ja und ja!
Lernen, auszuprobieren, scheitern, Bewältigungsstrategien ausprobieren, anpassen, neugierig sein auf das, was sich entwickelt – auch in mir drin beim tun.
Bei Kreativität geht es für mich nicht nur ums Endprodukt sondern um das, was im Prozess in uns oder den Künstlern entsteht. Das färbt unsere Entwicklung und macht es auch für alle so spannend, die das dann lesen/hören usw.. Wie das nächste Buch/Album dann wohl wird… Wie hat der Künstler sich weiterentwickelt. Das ist doch mega spannend! (Sonst einfach nur Kapitalismus hoch tausend)
Ich möchte nicht auf die Kreativität von Menschen (und mir selbst) verzichten. Das ist etwas, was für mich viel vom Leben ausmacht.
Absolut, ich danke dir für deine Ergänzungen. Ich werde ganz kribbelig, weil sich das allein hier so schön anhört und ich sowas so liebe.
Und dein letzter Satz! Herrlich.
Ganz liebe Grüße!
Ach liebe Claudi, ich bin dir so dankbar für diesen Beitrag. Ich habe sooo oft so viele verschiedene Worte zu KI geschrieben, sie wieder verworfen, neu geschrieben, in meiner notizapp gespeichert und neues ergaenzt, aber nie veröffentlicht …. Und mich immer im Stillen darüber geärgert. Wobei “geärgert” milde ausgedrückt ist: in mir brodelts. Ich arbeite als Dozentin, und ich hasse es, dass dieser Satz seit drei Jahren aus meinem Mund kommt, aber:
es ist bei meinen Studis ganz stark erkennbar, dass die Fähigkeit und Bereitschaft junger Menschen zum kritischen Denken total abnimmt. Kreativität wird an chatty abgegeben, und es gelten nun diejenigen als schlau, die ihre KI so gut prompten, dass quasi der Einfluss der KI nicht mehr erkennbar ist. Außer dass er es eben doch ist.
Ich schreibe auch seit Jahren Bücher, undmir geht es wie dir: die Frustration ist herausfordernd, es könnte alles so viel einfacher sein, und doch frage ich mich, wie die Leute auf ihr Werk fertiges blicken, wenn sie es mit Hilfe von KI erstellt haben. Könntest du noch stolz auf dich sein? Ich nicht. Ich hätte nicht das Gefühl, das mit meinen eigenen Händen, Blut, Schweiß und Tränen erschaffen zu haben. Ich hätte das Gefühl, gemogelt zu haben. Und mich selbst hintergangen. Das ist ein bisschen wie Sprachen lernen: klar kannst du ne Übersetzungsapp nutzen. Aber das wird dir niemals das Gefühl für die Sprache, den Charakter der Kultur und Menschen so nahe bringen, wie es auf die harte, analoge Tour mit Händen und Füßen zu lernen.
Ich kann nicht anders als zu denken, KI ist der easy way out. Alle versuchen, smart den schnellen Weg zu gehen und merken nicht, dass dabei unsere grund-menschlichen Attribute verloren gehen.
Und dürfen nicht alle Dinge, die es wert sind, harte Arbeit erfordern?
Danke, liebe Claudi für diesen schönen Artikel. Du inspirierst mich immer. Dieses Mal darin, meinen Artikel zu KI vielleicht dann doch bald mal zu posten. 🫶
Ja, bitte! Schreib ihn, je mehr wir darüber berichten, desto besser!
Ich danke dir für deinen Kommentar!
Ganz liebe Grüße,
Claudi
Ich kann in Teilen verstehen, warum man es sich gerade auch im Studium leicht macht. Das Versprechen von früher, dass man quasi ein gutes Leben in der Tasche hat, wenn man einen guten Abschluss macht, gilt einfach nicht mehr (vielleicht war es nie wahr, aber heute merkern es die jungen menschen früher). Warum sollte ich in etwas so viel Energie investieren, wenn nicht mal sicher ist, dass ich dann etwas dafür bekomme? Es macht einen Unterschied, ob junge Menschen das Gefühl haben ich kann mich in der Welt auf eine einigermaßen sichere Zukunft freuen, was ich hab, hab ich, oder ob alles unsicher scheint. Und in solchen Zeiten leben wir nunmal, das ist wirklich anders als noch vor 15 oder 20 Jahren. Und nein, cih finde es nicht vergleichbar mit früheren Krisen auf der Welt. Wir haben eine Multikrisengesellschaft global gesehen und auch wenn wir in Deutschland im Vergleich recht “sicher” sind, zeigt auch unsere Gesellschaft, dass dieses Gefühl nicht bei den Menschen ankommt (hallo rechtsruck und wunsch nach einfachen erklärungen und lösungen für komplexe probleme). All das muss man doch mitdenken, wenn man mit jungen Menschen arbeitet. In einem Gefühl der allgemeinen Unsicherheit und Überforderung greift man nach jedem Erleichterungsstrohhalm. Und zu sagen “die jungen leute von heute sind alle nicht mehr belastbar” – macht das nicht jede ältere Generation? Mir ist das zu einfach. Die Frage ist doch: Was können wir nun tun, was brauchen die jungen Menschen, um vielleicht kreativer zu werden? Ist Bewertung wirklich was, das motiviert? Brauchen wir mehr Strenge, mehr Aussieben? Oder müssen wir auf anderen Ebenen denken? Brauchen sie mehr Selbstwirksamkeit? Das Gefühl, nicht nur abhängig von Bewertungen und Prüfern zu sein? Hat ihnen vielleicht nie jemand gezeigt, was für Einflüsse sie haben? Und was haben sie für Vorbilder? Ich frage mich schon auch öfter: Warum soll ich mich für etwas anstrengen oder gewisse Regeln befolgen, wenn andere, die darüber hinweggehen, dennoch erfolgreich sind? Ich könnte auch keine KI-Arbeit abgeben. Das würde sich auch bei mir wie Schummeln anfühlen. Aber wenn im Umfeld das viele machen: Wer käme da nicht in versuchung? Ich glaube nur, dass wir das nicht zurückholen werden. Und daher schauen müssen, wohin es in der Lehre gehen kann. Ob wir weniger in Wissensvermittlung investieren sollten, und mehr in Wesenbildung? in Begleiten von emotionaler Entwicklung und Reife? Es wurde noch nie jemand in Wachstum hineingeschimpft, gedemütigt oder gescholten und gestraft. Was brauchen die jungen Menschen? Man kann doch nicht immmer über sie schimpfen und gleichzeitig keinen Support geben, das sich etwas ändert, oder?
Wow, was für ein Satz: “Es wurde noch nie jemand in Wachstum hineingeschimpft, gedemütigt oder gescholten und gestraft.”
Und ja, ich gebe dir Recht, natürlich bringt es nichts, über die Kids zu meckern, mache ich aber auch nicht. Ich kann sie gut verstehen und wir müssen alle schauen, wie wir zukünftig damit umgehen.
Liebe Grüße!
Ich bin auch kritisch gegenüber KI, aber ich bin auch überzeugt, dass menschen so schlau sind, sich nicht das nehmen zu lassen, was freude bringt. Und das ist aber bei jedem anders. Ein kind, dass geschichten ausdenken doof findet und lieber kicken geht, nutzt gern ki für den aufsatz. Ein kind, das geschichten ausdenken (oder malen) liebt, nutzt ki vielleicht ein paar mal aus Spieltrieb- und schreibt dann lieber wieder selbst. Oder malt. Weil klar ist: genau das, was mir Spaß macht, macht ja sonst die KI. Bei der übung mit dem kinderbuch geht es ja nicht drum, dass die kinder lernen wue man kinderbücher macht sondern darum, dass sie ki kennenlernen und was sie kann – und was nicht. Das ist ja eine völlig andere Aufgabenstellung. Natürlich wenn man den kunstschaffprozess effizienter machen will, ist ki top und wird immer bessere ergebnisse liefern. Und ja, dadurch werden jobs wegfallen, und gerade für bildende künste oder autor: innen ist das existenziell. Für die menschen, die das aber aus spaß machen, fpr sich, also auch für kinder, wird die erstellung von zeichnungen mit ki kein ersatz sein. Denn da geht es um den prozess, nicht nur um das resultat. Etwas, das erwachsebe oft vergessen haben. Und ja, schule wird sich ändern müssen. Man word andere Fähigkeiten brauchen und auch mir macht das stellenweise angst. Aber kunst und geschichten erzählen wird nie sterben. Zumindest nicht als privatvergnügen. Wie beim häkeln und stricken. Das müsste ja auch niemand mehr, weil wir alles kaufen können. Ist aber trotzdem grade super beliebt.
LG nina
PS das sichvdurch etwas quälen für ein ergebnis, ich bin mir da unsicher ob das ein qualitötsmerkmal ist. Und grade in der schule quälen sich haufenweise kinder durch alle möglichen sachen, die ihnen nicht leicht fallen. Mathetest, vokabeln, hochsprung. Ich glaube nur weil ki da irgendwo was erleichtert verlernt nicht gleich eine ganze Generation das durchhalten. Vielleicht nutzen sie die gesparte energie fpr andere coole sachen. Ich weigere mich, die jungen menschen so negativ zu sehen und kulturverfall zu riechen. Ja ki ist bahnbrechend und wird vieles verändern. Aber ist da unser größtes thema, ob Jugend sich denken spart? Wie mit den Smartphones: alle sprechen über die süchtige jugend ohne kontrollfähigkeit – wad ust mit all den Erwachsenen die es auch nicht können? Den boomern, die wild enkelbilder auf WhatsApp verschicken ohne soch klar zu sein was das heißt? Du dauernd alles im status teilen? Ich glaube wir messen da mit zweierlei maß….
Das sehe ich anders. Ich finde es super wichtig, dass man lernt, sich durch etwas durchzukämpfen. Seinen Kopf (oder Körper) an seine Grenzen zu bringen, egal ob mit Matheaufgaben, Texten, Sportaufgaben. Nur nach Lust zu lernen, funktioniert bei vielen Kindern – und in unserem aktuellen Schulsystem – meiner Erfahrung nach (leider) nicht. Dennoch fänd ich es toll, wenn Kinder sich nach dem Erlernen der Grundfähigkeiten wieder mehr in unterschiedlichen Bereichen spezialisieren könnten. In diesem Beispiel war die Aufgabe keine KI-Schulung, sondern ein eigenes Kinderbuch zu erstellen. Auch wenn ich mich wiederhole, wie viel mehr hätten die Kinder gelernt, wenn sie ihre Köpfe und Kreativität genutzt hätten, selbst wenn die Ergebnisse nur halb so schön ausgesehen hätten.
Absolut recht gebe ich dir in der Anmerkung, dass es nicht nur Kindern immer schwerer fällt, längere Texte zu lesen. Und klar, etliche Erwachsene starren zu oft ins Handy – mich leider eingeschlossen. Dazu gibt es leider jede Menge Erwachsene, die KI im Kulturbereich dafür nutzen, dass sie sich einen erfolgreichen Buchtitel schnappen, KI schnell nach ein paar Stichwörtern erstellen lassen und das bei Amazon einstellen und verkaufen – ungekennzeichnet. Gerade so bei mir passiert (der Verlag konnte es zum Glück löschen lassen), auch bei Kolleginnen sehe ich jede Menge dreiste Kopien und im der Kinderbuchbereich wird geradezu überschwemmt von KI. Herzlose Titel, ohne Sinn – sie mögen erstmal okay klingen, bis man ein komisch kaltes Gefühl bekommt und begreift, dass das alles total sinnfrei ist. Ich finde das gefährlich – und es macht mich richtig wütend. Das heißt nicht, dass KI total viele Vorteile hat, für Kinder wie für Erwachsene, wie oben beschrieben. Liebe Grüße
Liebe Claudi, ich sage nicht, dass man nicht die erfahrung machen sollte, sich mal durch was durchkämpfen zu müssen. Ich bin nur der Überzeugung, dass das sowieso automatisch im Leben und in der Schule und in der Arbeit zu diesen Situationen kommen wird. Und ich habe den Eindruck, dass es aktuell in der Schule, so, wie sie ist, genügend Übungssituationen gibt. Natürlich hätten die Kinder, da es keine KI-Übungsaufgabe war, anderes gelernt, wenn sie es selbst gemacht hätten. So haben sie ihre Prompting-Fähigkeiten geschult (was übrigens auch eine Art kreativität erfordert), aber nicht ihre Malfähigkeit oder Geschichten fähigkeit. Wie gesagt finde ich, dass Schule sowieso erfordert, sich durchzubeissen. Und natürlich nutzen viele KI als “Abkürzung”. Dennoch glaube ich (und ich arbeite selbst an einer Hochschule), dass hier ein System verzweifelt versucht, sich an alten Kompetenzen festzuhalten, die es selbst rechtfertigen. Wissen war immer nur für einen kleinen Kreis verfügbar, auf dieses Elite Denken sind Schulen und Hochschulen gegründet. Dass eben nicht jede Person das Wissen, das dort gelehrt wird, erlangen kann. Jetzt ist Wissen für viele frei verfügbar. Vielleicht wird nicht Wissensvermittlung die ZUkunft der Schulen und Hochschulen sein, sondern Vermittlung kritischen Denkens und der Einschätzung, wie man Quellen bewertet, wie man Fake von Fakt unterscheidet. Und natürlich heißt es, dass Kinder in der Schule lernen, wie sie lernen, wie man sich Wissen merken kann. Leider sehe ich aber in diesem System oft, dass sie genau das nicht lernen. Dass die Grundvoraussetzungen für Lernen (Vertrauen, Ruhe und positive Stimmung) nicht gegeben sind. Das liegt (meist) nicht an den Lehrpersonen sondern am Gesamtsystem, so meine Einschätzung. KI legt den Finger in die Wissenswunde würde ich sagen. Hochschulen udn Schulen werden mehr unter Druck kommen, sich zu fragen, was ihr Mehrwert ist. An der Hochschule merken wir es ja auch: Es sind null Kapazitäten da, ordentliche Plagiatsuntersuchungen zu machen, die Nutzung von KI nachzuweisen ist weniger einfach als gedacht. Was wollen wir in Zukunft bewerten? Lassen wir Hausarbeiten nur noch vor Ort schreiben, in kontrolliertem Setting, an kontrollierten PCs ohne KI? Was ist der Mehrwert? Was wollen wir wirklich, das die Studierenden lernen? KI wird es in Zukunft immer geben, immer besser. Was sind die Skills, die die jungen Menschen brauchen? Ich bin selbst in einem schreibenden Feld unterwegs und ich bin überzeugt, dass sich unser Bereich durch KI selbst bis zu einem gewissen Grad abschaffen wird. Ob wir wollen oder nicht. Und ja, es ist für Autor:innen super beschissen, wenn der eigene Job von KI “übernommen” wird – noch aktuell mehr schlecht als recht, aber die Zeichen stehen auf Verbesserung der KIs. Es ist so bitter, dass manche Jobs einfach nicht mehr bestehen werden. Und ich verstehe deine Wut, denn dich und andere trifft es ja schon jetzt. Gleichzeitig wird es sein wie mit den Smartphones: Viele verfluchen sie, aber man wird das Rad nicht zurückdrehen. Spannend wird, wie wir den Umgang damit gestalten.
Und ja, die Kinder hätten mit anderer Aufgabenstellung mehr gelernt – aber gilt das nicht auch für ein Arbeitsblatt, das jemand schon seit 20 Jahren benutzt, weil Planeten sich halt seitdem nicht anders um die Erde bewegen? KI in der Schule zu kritisieren als Gefährdung von kreativem Denken ist meiner Meinung nach – und da wieder hole ich mich auch – zu einseitig gedacht.
Danke Claudi! Ich nutze KI tatsächlich sehr, sehr wenig. Wenn ich in der Arbeit Mails für Mitarbeiter schreiben soll, sagt man mir immer machs doch mi KI, geht viel schneller! NEIN!! Ich liebe kreative Texte und ich finde es einfach schön mit Sprache zu spielen mein „Sushi im Pelzmantel“ für eklige Lebensmittel im Kühlschrank sorgt noch immer für Lacher und Ekel! Das will ich nicht abgeben!
Finde ich super! Das Sushi und deine Verweigerung.
Ich denke (und hoffe), dass viele Menschen reine Chattie-Texte bald über haben.
So geht es mir bei Instagram. Lese ich da die typisch abgehackten Sätze mit übertriebenen Absätzen klicke ich sofort weiter.
Chattie ist toll um uns beim Ideen finden und strukturieren zu helfen, aber schreiben und denken sollten wir ihm nicht überlassen.
Eine schönes langes Wochenende für dich!
Claudi
Liebe Claudi,ich bin absolut bei dir bei diesem Thema! Es ist einfach schwierig.
Bei der Kinderbuch-Aufgabe würde mich als Lehrerin tatsächlich die exakte Aufgabenstellung interessieren, denn es ist ein Unterschied, ob sie selbst (!) ein Kinderbuch schreiben sollen (was ich für eine 10. Klasse schon als sehr anspruchsvoll bewerte. Auch hier würde mich die Vorbereitung sehr interessieren) oder ob sie lernen sollen, wie KI funktioniert. Ich bezweifle letzteres stark. Auch der Aufsatz, deines Sohnes, der zuhause geschrieben werden soll, löst bei mir als Lehrerin und Mutter nur Kopfschütteln aus. Das ist einfach kein zeitgemäßes Aufgabenformat mehr. Und das war es eigentlich nie. Wir bei uns in der Deutsch-Fachschaft ringen jedes Schuljahr neu darum, wie wir mit den neuen Tatsachen (ChatGPT, Gamma etc) und mit dem Schulrecht umgehen sollen. Mein Kollege sagt immer, dass es KI immer schon irgendwie gab. Nur dass sie früher Onkel Bernd oder die große Schwester, die Mutter oder der Vater war. Glück für den Schüler, der solche Familienmitglieder hatte. Heute hat jeder Zugang zur Hilfe. Aber das ist ja nicht Sinn der Aufgabenstellung. Deshalb muss sich vor allem daran etwas ändern. Solche Aufgaben dürfen einfach nicht mehr in die Häuslichkeit verlagert werden. Es muss in der Schule im Unterricht gemacht werden. Ohne technische Hilfestellung. Nur dann ist es auch als eigene Leistung des Schülers zu bewerten. Alles andere ist Augenwischerei. Dabei lernt niemand etwas und die, die es ehrlich gemacht haben, aber auch keine Überflieger in diesem Fach sind, haben den tatsächlichen Nachtteil. Das ist es, was mich daran extrem nervt. Es ist nicht die KI an sich, sondern der Umgang mit ihr. Ich nutze KI für den Unterricht auch gerne. Lasse mir vor allem Arbeitsblätter erstellen, die ich dann in relativ kurzer Zeit für meine Klasse anpassen kann. Und das erzähle ich den Schülern auch so. ChatGPT ist meine Arbeitsbasis, die Feinarbeit muss aber nach wie vor von mir kommen.
Oberflächliche Kreativität mag von der KI kommen. Herausragendes im kreativen Bereich wohl eher selten. Aber in einer Welt, in der Oberflächlichkeit extrem gelebt wird, wird das ja selten als Problem gesehen. Der Großteil macht es sich einfach und die, die sich wirklich anstrengen, haben dann vielleicht das Nachsehen. Weil es länger dauert und alle anderen schon fertig sind und es optisch (z. B. bei Präsentationen) eben oftmals besser aussieht, als in Handarbeit.
Also, Übergänge sind immer irgendwie schwierig. Und wir stecken gerade mittendrin. Ich bin gespannt, was da noch so auf uns zukommt. Und ich hoffe, dass wir das Denken nicht verlernen. Und auch nicht vergessen, wie viel Spaß es machen kann, selbst auf etwas gekommen zu sein.
Liebe Grüße
Juliane
Onkel Bernd als KI und heute hat eben jeder einen Onkel Bernd! Wow, das ist genial. Vielen Dank für deine Ausführungen!!
Ganz liebe Grüße,
Claudi
Ich persönliche nutze KI gerne als Sparing Partner – für‘s Ideen-Ping-Pong oder als Anstoßgeber. Wenn ich so ganz allein kreativ vor mich hinwurstele, fehlt mir manchmal die Dynamik, die entsteht, wenn man sich zu zweit zu einem Thema austauscht und sich dadurch eine Idee auf die nächste setzt und hin und wieder ein Geistesblitz erfolgt. Da kommt bei mir dann immer mal KI ins Spiel.
Absolut, dafür nutze ich es auch oft und meist ist es sehr hilfreich.
Liebe Grüße!
Liebe Claudia,
ich habe schon lange nichts mehr kommentiert, aber diesen Beitrag finde ich so wichtig. Ich danke dir. Ja, das Denken geht verloren. Und so wie man sich heutzutage praktisch nicht mehr bewegen müsste, quälen sich dennoch viele – zurecht – beim Sport. So wird es hoffentlich auch zukünftig beim Lernen und Denken laufen.
In meinem Klassenraum spielt – aus denen in deinem Artikel genannten Gründen – das Digitale kaum mehr eine Rolle. Schule als Raum für Entdigitalisierung, in dem Aufsätze direkt unter der Aufsicht der Lehrkraft geschrieben werden. Hausaufgaben kann ich jedoch leider schon lange nicht mehr geben, denn es macht sie niemand mehr ohne KI.
Liebe Grüße
Eva
Liebe Eva, wow, ich danke dir für diese Ergänzungen. Möge Punkt eins immer mehr zutreffen und wie toll ist Punkt 2.
Ganz liebe Grüße!