In einer Burg übernachten, für meine Jungs klang das schwer nach Abenteuer. Sie stiegen deshalb hochmotiviert aus dem Auto aus, obwohl es trotz Sommer bereits dunkel war, also wirklich spät. Hintereinander her zogen sie ihre Rollkoffer, es ratterte auf dem Asphalt und in ihren Köpfen. Ich hörte ab und zu ein leises: „…und wenn es doch Gespenster gibt…?“ Oder ein: „…oder Drachen?!“ Dann ein begeistertes: „Drachen wären super.“ Als wir direkt unter dem nachtdunklen Burgturm von Burg Schwaneck standen, schauten alle vier hoch – richtig hoch – und sagten gar nichts mehr. Einer rief leise meinen Namen, einer nahm ängstlich meine Hand. Eine Burg ist echt aufregend…

Am nächsten Morgen standen wir wieder da. Ohne Angst, ohne Hand. Am Tag hatte der Burgturm eher etwas Märchenhaftes. Wir überlegten, ob gleich Rapunzel ihr Haar herunterwerfen würde, oder wer sonst so. Wir alle sechs lieben übrigens Jugendherbergsurlaub. Wir Eltern, weil es so herrlich entspannt ist (und unsere Kinder in den allermeisten Fällen mal nicht die lautesten sind). Unsere Kinder, weil immer was los ist. Und, weil wir alle in Hochbetten übereinander schlafen…



Dieses Mal nutzte ich die gleich als kleine Übungsstunde in Sachen Betten beziehen. Ich warf jedem hintereinander eine Tüte Bettwäsche zu und rief: „Fang!“ Als sie begeistert gefangen hatten, rief ich: „Und jetzt bitte beziehen.“ Dann waren sie plötzlich alle schrecklich müde. Bezogen haben wir trotzdem zusammen. Und der Große war stolz, dass er das jetzt kann, sogar oben im Hochbett. Schließlich ist für nächstes Jahr die allererste Klassenfahrt geplant. „Und logo Mama, wer oben beziehen kann, darf oben schlafen.“

Überhaupt hatten wir verrückt viel Spaß in der Jugendherberge. Die Zimmer sind schlicht und einfach, so wie Jungendherbergszimmer nun mal sind. Für die Kinder waren sie furchtbar gemütlich. Ich glaube, vor allem wegen der Hochbetten, die in Wahrheit Höhlen waren. Und, weil wir alle zusammen in einer wohnten. Ganz großer Luxus. Der wahre Luxus. Allein um meinen Kindern das zu zeigen, mag ich Urlaub in Jugendherbergen so sehr. Die Kinder fanden es irre lustig, wenn wir abends alle in unseren Betten lagen: Mamas Gesicht kopfüber ganz nah an ihrem. Papas Kopf versteckt hinter der kleinen Hochbetttreppe. „Fast wie im Knast, Papa!“, riefen sie und kicherten. Klar erzählten sie im Dunkeln auch noch ein paar Kinderwitze. Ich fand die nicht wirklich lustig, musste aber laut lachen, einfach weil sie so herzlich lachen mussten.

Es ist für uns immer ganz gut, dass das Frühstück ziemlich früh serviert wird, dann kommen wir nämlich früher los und beim kleinen Buffet gibt es genau das, was die Kinder sowieso am liebsten zum Frühstück essen. Es gibt längst einen vernünftigen Cappuccino, statt nur roten Tee und wer mag bestellt sogar noch fix ein Mittagessen für die Kinder, was einfach und lecker ist. Praktischerweise gibt es immer die Gerichte, die meine Kinder ohnehin am liebsten mögen, das sorgt für gute Laune. Dazu gibt es in den allermeisten Fällen Teenager-TV, also Jugendgruppen, die auch gerade essen, ein absolutes Lieblingsprogramm meiner Kinder.

Was ich an Jugendherbergen noch so mag? Dass sie in den allermeisten Fällen richtig gut liegen. Und dass in ihnen Urlaub in einem uralten Haus, einem Schloss oder eben in einer Burg möglich ist. Und das absolut bezahlbar für Familien. In der Nähe von Burg Schwaneck gibt es viele tolle Ausflugsmöglichkeiten. Wenn es nach meinen Kindern gegangen wäre, hätten wie aber noch viel mehr Zeit in und an der Burg verbringen können: Fangen spielen auf knirschendem Kies auf dem Burghof. Klettern an den Spielgeräten zwischen den Bäumen. Dastehen und die Burgwände bestaunen und uns vorstellen, dass wir Ritter sind: „Und du das Bugfräulein, Mama!“ Lautes Kichern!

Im riesigen Garten drumherum hinter Bäumen verstecken spielen, schaukeln und rutschen. Auf einer der Holzliegen liegen und Burggeschichten lesen und vorlesen. Und immer und immer wieder die anderen Kinder beobachten. Es gibt ein kleines Café unten, wo ich mir einen Kaffee geholt habe und die Männer ein Stück Kuchen. Und draußen gibt es sogar ein Hochbeet mit Erdbeeren zum Naschen, wenn sie denn reif sind.



Ganz am Ende hatten wir dann nochmal richtig Glück: Wir bekamen eine Führung durch die Burg (fragt unbedingt auch danach!). Ich liebe Geschichten – und die von uralten Häusern ganz besonders. Sogar meine Jungs hörten gespannt zu. Auftraggeber der Burg war Ludwig van Schwanthaler ein gefeierter Künstler, und ein Kumpel von König Ludwig I. Weil Schwanthaler unter anderem die Bavaria auf der Theresienwiese so schön entworfen hatte, machte König Ludwig aus seinem Kumpel Ludwig einen Ritter und schenkte ihm noch dazu ein Grundstück bei Pullach, hoch über der Isar, mit einem schönen Blick in die Berge. Schwanthaler ließ sich dort eine Burg bauen, die er ganz großartig geplant hatte. Leider reichte sein Geld bloß für eine geschrumpfte Variante: Diese bestand im wesentlichen aus dem heute noch sichtbaren Viereckturm mit seinem achteckigen Treppenturm und einer zinnenbewehrten Mauer rundherum.

1843 wurde die Burg feierlich eingeweiht – mit einer inszenierten Belagerung. (Hier schnappte mein Großer kurz nach Luft: „Wie Mama, da haben die Erwachsenen echt Ritter gespielt?“ Ich nickte. „Crazy…!“, raunte mein Sohn). In den nächsten Jahren gab es auf der Burg öfter Ritterspiele, weil Schwanthaler die so mochte. Lange feiern konnte er leider nicht mehr, er starb schon 1848.


Die Burg wechselte daraufhin mehrere Male den Besitzer, eine englische Künstlerin lebte darin, ein Ritter, sowie ein reicher Bauunternehmer, der die Burg so erweiterte, wie sie noch heute aussieht. Als der starb, erbte sein Sohn die Burg, der hatte allerdings keine Lust auf Burgleben und vor allem die hohen Kosten zum Erhalt. Die Burg stand leer – bis die Stadt München daraus eine Jugendherberge machte. Die Einweihung war stilecht: Über 2000 Jugendliche belagerten die Burg – und eroberten sie damit für sich.

Wir bewunderten die reich verzierten Innenräume, den Spiegelsaal, einer meiner Söhne durfte ausnahmsweise auf dem uralten Flügel spielen. Highlight meiner Jungs war die schmale Treppe hoch bis aufs Dach – von dort schauten wir weit über Pullach, die Isar und das ganze Tal. Wunderschön. Ganz zum Schluss gabes dann nochmal was zum Lachen für André und mich: Als wir nämlich im weinrot gefliesten Burgbad standen, verriet uns der Herbergsvater, warum dieser Raum mal ziemlich bekannt war: Hier wurden in den Siebzigern jede Menge Folgen von Schulmädchenreport gedreht. Da mussten wir mal kichern. Und zumindest die beiden Kleinen hatten keine Ahnung warum.



Unsere Ausflugstipps für Pullach und Umgebung

Es gibt richtig viel zu Entdecken in der Gegend, gerade mit Kindern – und tollerweise ist München ja auch nicht weit. Das hier waren unsere Favoriten…

MACHEN
Freizeitpark Märchenwald im Isartal Wolfratshausen
Ein Märchenfreizeitpark wie ein schönes Bilderbuch: ein wenig altmodisch, mit ganz viel Herz, liebenswerten Fantasiegestalten und tollen Fahrgeschäften für kleinere Kinder (obwohl meine Großen auch einen Riesenspaß hatten). Überall gibt es kleine Schaukästen, in denen eine Szene aus einem Märchen nachgebaut ist und das Märchen erzählt wird. Es gibt einen kleinen Stall mit singenden Hühnern, Kühen und Schweinen (haben meine Kinder geliiiiiebt!) Einen magischen, sprechenden Baum und eine super niedliche Eichhörnchen-Achterbahn, mit der die Kinder durch die Baumwipfel sausen. Vor jeder Bahn und jedem Karussell ist eine Höhenmesser, in die allermeisten Dinge durfte sogar schon der Zweijährige (und hat es jauchzend geliebt!) Ganz, ganz schön!


Kindermuseum Augustenstraße beim Hauptbahnhof
Ein wirklich toll gemachtes, kleines Museum mitten in München in der Nähe des Bahnhofs. Es gibt wechselnde Ausstellungen, bei denen Kinder ganz viel anfassen und ausprobieren können. Unten ist eine Werkstatt, da gehts richtig zur Sache. Bei uns drehte sich alles um Seife – klar, dass in der Werkstatt selbst welche gemacht wurde. Es gibt unten eine kleine Leseecke mit Bilderbüchern, falls kleine Kinder mal eine Pause brauchen, und einen wirklich schönen, kleinen Museumsshop, in dem die Kinder gern ihr Taschengeld raushauen können, weil es nur tolle, schlaue Sachen gibt.

Heldenverlies in Kirchheim
Eine kleine Escape-Erlebniswelt für größere Kinder (offiziell ab sechs Jahren). Jeder bekommt eine Rolle, man erhält Aufgaben und muss sich gemeinsam durch die Gänge des Spukhauses suchen. Unsere Großen fanden es super, einer hatte Angst und einer wusste nicht so recht. Auf jeden Fall eine gute Idee an Regentagen.


ESSEN

Waldwirtschaft Großhesselohe
Die Wawi ist unser absolutes Lieblingsrestaurant in der Gegend, wir fahren immer hin, wenn wir in der Nähe sind. Super leckeres Essen, super nette Bedienung, ein Bilderbuch-Biergarten, ein schöner Spielplatz und herrlich altmodische Schiffschaukeln.

Restaurant Waldhaus Deininger Weiher
Hier gibt es herrliche Hausmannskost, die ich ab und an sehr liebe und einen wirklich wunderschönen Blick auf den See. Wir waren mit Freunden da und man kann entweder draußen oder drinnen gemütlich sitzen. Es gibt reichlich große Tische für Familien und Freunde. (Deininger Weiher 4, Telefon: 08170 / 9 98 70 – 0)

PS. Leider habe ich gerade gesehen, dass die Jugendherberge derzeit doch noch wegen der Pandemie geschlossen ist. Unter dieser Nummer kann man aber einen möglichen Wunschtermin anfragen und reservieren: 089 744140-70 . Oder ihr schreibt eine Anfrage an info@jugendherberge-burgschwaneck.de. Ich hoffe sehr, dass uns Jugendherbergen auch weiterhin erhalten bleiben. Vielleicht ist das ja auch mal was für euch – gerade auch als Zwischenstop finde ich das super!
Habt ihr noch Tipps für die Gegend?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
alles Liebe,

Claudi