Wenn ich dienstags derzeit unterrichte, dann mache ich das in zwei Pullovern. Manchmal auch in Daunenjacke, aber das ungern. Weil man darin weder schreiben oder sich bewegen kann und sich das Unterrichten dann kein bisschen gemütlich anfühlt. Sondern eher, als ständen die Kinder und ich gemeinsam an der Bushaltestelle. Einige Kinder tragen, trotz des Lüftens alle zwanzig Minuten, übrigens nur Tshirts – ich friere schon, wenn ich sie nur ansehe. „Dicke Sachen sind unbequem!“, maulen sie. Statt wie ich meinen Kindern deshalb jeden Morgen eine Pullover-Predigt zu halten, hat Katharina, eine Mama hier aus dem Dorf, die Sache jetzt selbst in die Hand genommen…

Katharina Wernozak hat sich vor einer Weile mit ihrem eigenen kleinen Nagelstudio bei sich zuhause selbstständig gemacht. Es läuft gut, es macht ihr Spaß – dann kam Corona. „Ich drehe durch, wenn ich nichts zu tun habe!“, erzählt Katharina lachend. Als sie im ersten Lockdown nicht arbeiten darf, näht sie für die Landfrauen im Dorf Masken, an ihrer Nähmaschine am Küchentisch. Jetzt, im zweiten Lockdown entrümpelt sie erst ihr zuhause. Und ist viel zu schnell fertig damit. Katharina hat Hummeln im Hintern. Dann fallen ihr die frierenden Schulkinder ein.

„Ich saß mit zwei Freundinnen zusammen und wir überlegten, was man machen könnte“, erzählt Katharina. „Die Deckenidee war schnell in unseren Köpfen. Aber wenn jedes Kind da mit einer Decke herumhampelt – das klingt nicht nach einem friedlichen Unterricht.“ Eine der Freundinnen, eine die viel näht und sogar mal einen kleinen Laden für Selbstgenähtes hatte, schlug Ponchos vor. „Weil die kuschelig sind, bequem und man sich darin super bewegen kann.“ Die Freundin meinte, irgendwann würde sie das vielleicht mal machen. „Sie hat inzwischen einen anderen Job, fürs Nähen bleibt da nicht mehr viel Zeit.“

„Zeit haben wir nicht, die Kinder frieren jetzt!“, denkt Katharina.

Und dann denkt sie noch: „Ich habe verdammt noch mal leider gerade viel Zeit.“ Gleich am nächsten Tag fährt sie los, sie hat nämlich eine Idee, wie sie die Ponchos schnell und unkompliziert machen kann: Mit den Fleecedecken von Ikea. „Die sind warm, kratzen nicht und sind günstig“, erzählt Katharina. „Ich habe gleich einen ganzen Arm voll gekauft und zuhause losgelegt.“ Während sie näht, ihre drei Jungs die Ponchoversuche zuhause Probe tragen und begeistert sind, spricht Katharina die Schule an. Die ist begeistert und schreibt einen Brief  an alle Eltern.

„Wer für sein Kind einen Poncho möchte, der solle sich melden“, stand darin. Geld wollte Katharina für ihre Arbeit nicht. „Wir haben lediglich von jedem die vier Euro für die Fleecedecke eingesammelt. Ich war ja froh, dass ich was zu tun hatte.“ Die halbe Schule bestellt Katharinas Ponchos – sie hat jetzt jede Menge zu tun. „Für alle die wollten, hat eine Freundin noch den Namen drauf gemacht!“ Und ihre Näh-Freundin ist übrigens kein bisschen beleidigt. „Wer zuerst kommt, näht zuerst!“, meint die bloß und zwinkert Katharina über ihrer Maske zu.

An dem Tag, als Katharina den ersten Schwung Ponchos an die Schule liefert, klingelt nachmittags das Telefon der Rektorin Sturm. „Nachdem die Schüler die Ponchos bei ihren Mitschülern gesehen hatten, wollten jetzt plötzlich wirklich alle einen. Ponchos sind an unserer Schule schwer angesagt„, erzählt Katharina lachend. „Ich habe also noch einen zweiten Berg Ponchos genäht – und freue mich so sehr, dass hier keiner mehr frieren muss.“

Mir wird bei dieser Geschichte beinahe so warm, als hätte ich einen Poncho an. Dir auch?

Danke Katharina, für deinen tollen Einsatz!

Fotos: Louisa Schlepper – Ihr sagt Ja Hochzeitsfotografie.

Vorweihnachtliche Grüße,

Claudi