Jahrelang wollte ich schreiben, jetzt darf ich’s. Ich habe mich bewusst entschieden, mir dafür mehr Zeit zu nehmen, ich hab viel gecancelt. Es war klar, dass ich nicht mehr so viele Werbeanfragen bekommen würde, wie vorher. Ich freute mich darauf – einerseits. Andererseits mache ich mir Sorgen, diese Möglichkeit, Geld zu verdienen, ein Stück weit gekappt zu haben…

Eine Tür öffnet sich, eine schließt sich.

Warum ist es so schwer, die logischen Folgen des eigenen Handels hinzunehmen? Meist ist es Angst. Angst, dass nicht genug Geld reinkommt. Angst, dass sich das nächste Buch nicht gut läuft. Angst, dass man denkt, wär ich bloß dabei geblieben. 

Manchmal, wenn ich jetzt am Buch sitze und es so schwer ist und so scheiße viel Konzentration verlangt, mir stattdessen drei Beiträge für Insta einfallen, dann kommt mir das alles so viel leichter vor. (Was es nicht ist.) Warum wollen wir so oft, was wir nicht haben? 

Egal was ist, wir müssen immer mit den Konsequenzen leben: Will ich die Elternzeit genießen, kann ich nicht nebenbei ein Business aufbauen. Wir können nicht treu sein und gleichzeitig eine Affäre haben. Will ich viel arbeiten, kann ich nicht die Mutter sein, die ich gern wär. Oder doch?

Mein Sohn hatte Samstag Geburtstag und ich war nicht da. 

Als die Anfrage für die litlove in München kam, wollte ich erst ganz absagen. Mein Kind hat Geburtstag, ist nicht bloß ein Satz, sondern ein Lebensgefühl. Absagen kam mir als selbstverständlichen Liebesbeweis vor. Etwas, das wir Frauen oft nicht in Frage stellen.

Anderseits ist da mein Job, den ich liebe. Eine Chance. Und die Tatsache, dass ich einfach wahnsinnig Lust drauf habe, Leserinnen und die Menschen aus meinem Verlag zu treffen.

Ich hab es meinem Kind erklärt.

Er fand es nicht gut, und ich fand es beides. Am Abend hatte ich kurz ein schlechtes Gewissen, um Mitternacht hab ich ihn angerufen, am nächsten Tag nochmal. Ich hab ihm vom Flugzeug eine dieser coolen Süßigkeiten-Boxen mitgebracht, die kein Mensch braucht. Eine halbe Stunde nach Ende seines Geburtstags habe ich ihn in den Arm genommen – und am nächsten Tag haben wir eine Party gefeiert.

Bereuen wir nicht immer bloß die Dinge, die wir nicht gemacht haben? Wollte schon jemals jemand zurück?

Wir müssen die Konsequenzen tragen, aber sie sind nicht immer so dunkel, wie wir es uns weismachen.

Was denkst du?

Claudi