Dieser Sommer ist seltsam. Unsere traditionellen Ferien am Atlantik sind – Achtung, Sarkasmus – ins Feuer gefallen. Ich frage mich, ob und in wie weit ich politisch korrekt darüber trauern darf. Ich fühle eine nie dagewesene Dankbarkeit über all die Urlaube die wir hatten, sechs Leute, zwölf Füße und so viele sportliche Aktivitäten – aber nie ist was passiert. Ich fühle plötzlich doch sowas wie Teenie-Blues, und ich sehne mich nach Sommerloch-Themen, irgendwelche Vergleiche von Eiskugel-Preisen, weil mich all die furchtbaren Ereignisse da draußen völlig fertig machen. Ich stecke in einer neuen Intensität von Grübel-Era. Liegt das am Alter? Kann ich was dagegen tun? Und kann man Abschalten üben…?
Ich glaube ja nicht dran, aber vielleicht liegt da irgendwas in den verdammten Sternenkonstellationen? Mir erzählen auf jeden Fall gerade mehrere Freundinnen, dass sie dieses Jahr so lange wie nie zuvor gebraucht haben, um im Urlaub abzuschalten. Falls sie es überhaupt hinbekommen haben. Ich hab zehn Tage durchgeschrieben, um mein Buch zu beenden, während ich mich nebenbei um die beiden Knochenbrüche in der Familie gekümmert habe. Ich dachte, ich schalte halt danach ab, danach kam nicht und ich nehme daraus mit: abschalten wird nicht mehr verschoben. Verdammt nochmal. Und wer bitte hätte gedacht, dass Imposter mit jedem Buch nicht weniger, sondern sogar mehr wird.
Vielleicht möchte mich dieser Sommer 2026 daran erinnern, es mir gemütlicher zu machen.
Damit meine ich weniger mein Zuhause mit Kissen und Blumen, sondern eher meinen Kopf. Ich war immer ein positiver Mensch, aber gerade sehe ich all das Gute hinter den zerknautschten Taschentüchern nicht. Ich frage mich morgens nach dem Sinn, ich sorge mich, ob und wie ich meine To-dos schaffen kann, ich fürchte mich vor Rückmeldung zu meiner Arbeit. Ich nehme gerade alles so schwer, ich erkenne mich überhaupt nicht mehr. Ich habe einen Termin gemacht, vielleicht ist es Zeit für ein Hormonupdate. Ich möchte mich in meinem Kopf wieder zuhause fühlen.
Ich schreibe hier immer wieder, dass ich das Beste aus allen Zeiten machen will, vielleicht fällt es mir daher schwer zuzugeben, auch vor mir selbst, dass ich das grad nicht wirklich schaffe. Ich vermisse meine großen Söhne, obwohl sie noch da sind, obwohl sie das nicht mehr so richtig sind. Im Urlaub hatten wir statt dem üblichen Fressneid W-lan-Neid und so viel mehr – wir haben eine völlig neue Art von Ablösung erreicht. Manchmal fühlt es sich an, wie jemanden zu daten, der nicht wirklich Interesse an dir hat.
Ich weiß, dass man den kindlichen Wunsch nach Autonomie nicht persönlich nehmen sollte, es ist ein ganz normaler Prozess, diesen Sommer tut es dennoch weh. Ich male mir die vergangenen Sommer in den buntesten Farben aus, dabei weiß ich, dass es immer mal schwierig war. Mein Kopf glaubt mir bloß nicht.
Manchmal wünsche ich mir, dass sie – Kaschäng – bitte schon alle ausgezogenen sind, weil sich das hier gerade anfühlt, wie ein Pflaster, das man ganz langsam und sehr schmerzhaft abreißt. Dabei rieselt mir die Zeit gefühlt gerade ohnehin viel zu schnell durch die Hände. Zum Glück bin ich aber noch genug Ich, dass ich es angehen möchte. Ich will nicht liegenbleiben, wie ein Käfer auf dem Rücken.
Erste Entscheidung: Ich bin sofort da, wenn einer meiner Teenies etwas von mir will.
Kein kurzes Beenden einer Nachricht mehr, kein “Warte-mal-kurz”, kein Blick aufs Handy, stattdessen will ich jede Kontaktaufnahme nutzen. Musste mich gleich gestern Abend dran erinnern, als mein Telefon spät klingelte, ich schon im Bett, und jemand mitten in der Nacht abgeholt werden wollte. “Klar” hab ich gesagt und die Bettdecke weggetreten, weil das jetzt vermutlich die Art von Liebe ist, die früher Bastelnachmittage, Vorlesen und Sandburgen waren.
Kommen wir zu dem Punkt, ob man Abschalten üben kann. Die KI sagt ja, sie wäre wie ein Muskel, man müsse sie trainieren. Das versuche ich gerade. Was ich nach ein paar Tagen sagen kann ist, dass ich das größte Potential in Dingen sehe, bei denen man nicht gleichzeitig im Handy scrollen kann. Ich übe mich in stundenlangem Lesen. (Wie gut ist bitte “Der Club der Unbeugsamen”, wow, große Erzählkunst.) Ich hab außerdem nach einer ewig langen Zeit mal wieder gemalt.
Und ich hab alles daran gesetzt, ein gemeinsamen Sushimachen anzugehen, auch wenn sich so eine gemeinsame Aktivität zu organisieren anfühlt, als läge die Planung des nächsten G7-Gipfels in meinen Händen. Immerhin waren wir drei von sechs beim Machen und vier von sechs beim Essen, was vermutlich zukünftig ein guter Schnitt sein dürfte.
Verrückte Zeiten gerade…
PS. Und wie geht es dir?








❤️