Eigentlich gab es keinen Grund – obwohl es natürlich Tausende gab. Es gab keinen Grund, warum ich auf dem Weg zu einem Kindergeburtstag, zu dem ich meinen Sohn gefahren habe, heute Morgen plötzlich den Gedanken hatte: “Ist das alles schön.” Ich trug noch meinen Schlafanzug, blaue Ringelshorts, es regnete, wir mussten einen Kilometer von dem Party-Haus entfernt parken und an der Baustelle, die im Weg war, entlang laufen. Und doch grinste ich…
Ich weiß nicht, was es war.
Was schade ist, weil ich das Gefühl in den nächsten Tagen oder Wochen nicht einfach wieder hervorrufen kann. Es gibt keinen Auslöser, nichts das ich konkret tun kann, um ihn zu wiederholen, diesen Glimmer. Ich fürchte, es ist weder der Regen, noch der Schlafanzug, noch die Baustelle. Vermutlich muss man in solchen Momenten einfach kurz innehalten, wie ich heute Morgen, obwohl ich nicht mal stehen geblieben bin.
In den letzten Tagen war ich nicht gut drauf. Ich hatte mich in einen Schreibtunnel vergraben, was mich zwar einerseits glücklich macht, aber andererseits immer gefühlt ins Abseits katapultiert. Es ist so viel zu tun, ich hab mich verzettelt, niemand kann mir sagen, wie ich in meinen Manuskript Ordnung mache, außer ich, mir bleibt nichts anderes übrig als Satz für Satz, Absatz für Absatz, Szene für Szene immer wieder zu überarbeiten.
Ich sehne mich nach Effektivität, aber vielleicht ist die unmöglich.
Vielleicht ist es nötig, sich in einem 400-Seiten-Manuskript zwischendurch komplett zu verlieren, weil genau das zum kreativen Schaffensprozess dazu gehört: Schreiben, wieder löschen, umbauen, verzweifeln, neu schreiben.
Der Tunnel ist definitiv nötig, damit ich mich in die Parallelwelt hineindenken kann, aber ich erschrecke mich ungelogen jedes Mal, wenn ich danach wieder mit Menschen spreche. Selbst mit meiner Familie fühlt es sich ungewohnt an. Meine Jungs kennen das inzwischen, mein Mann auch, dennoch ist es so: Mama ist da und dennoch nicht. Natürlich habe ich permanent ein schlechtes Gewissen. Das Haus vermüllt, statt zu kochen gibt’s Tiefkühlpizza. Ich liebe und hasse diesen Job. Noch dazu kickt mich dieses Mal heftiges Imposter, puh, ich habe mir das Autorenleben irgendwie romantischer vorgestellt.
Aber heute Morgen, im Regen, hab ich mich einfach gefreut. Über mein neues Buch, das seit gestern kein anderes geworden ist, aber das ich verdammt nochmal einfach so gut schreiben werde, wie ich es derzeit kann. Über meinen Mut, mir grad ganz viel Zeit fürs Schreiben zu nehmen und Instagram und diesen Blog (und auch meine Familie) hintenanzustellen.
Über meine Kinder, die heute auf diversen Geburtstagen eingeladen sind.
Über die Tatsache, dass ich gestern für den fünfzigsten Geburtstag einer alten Freundin mit öffentlichen Verkehrsmitteln einmal durch ganz Hamburg getourt bin und einen entspannten, richtig schönen Abend mit jeder Menge Bratwürstchen und Frauen hatte, von denen ich nur eine Handvoll kannte. Nachts bin ich mit den Öffis zurückgetourt – eine absurde Stunde und fünfzehn Minuten – hab mich gewundert und gefreut, wie voll die Bahnen nachts um eins sind und habe die Tatsache, dass mein Mann mich um 1.17 Uhr einfach so vom S-Bahnhof abholt, als unerwartet romantisch empfunden.
Aus völlig unerfindlichen Gründen freue ich mich außerdem total über die Hochzeit eines amerikanischen Superstars in einer großen Konzerthalle mitten in Manhattan, mit einem Zelt für die Limousinen vor der Tür gegen die Paparazzi und einer lässigen Leuchtschrift namens “Just Married T & T.” Sie hätte überall feiern können, hat sie aber nicht, es fühlt sich an wie in einem guten Roman, stillt aufs Beste meine Promilust und gibt mir irgendwie gute Glamour-New-York-Yes-we-can-scheiß-auf-alles-Vibes.
Bei uns gibt es gleich in Schokolade getauchte, gefrorene Bananen mit gesalzenen Erdnüssen drumherum, ich arbeite heute ein bisschen was ab, was wegen des Buchs während der Woche liegen geblieben ist, versuche mal wieder mehr als zwei Sätze mit meinen Kids zu sprechen, wenn sie zwischen ihren ganzen Aktivitäten mal kurz da sind. Und ich freue mich auf den nächsten Geburtstag, zu dem wir heute Abend eingeladen sind.
Draußen regnet es, ich arbeite an einem Samstag im Bett, es gibt tausend Gründe, grade glücklich zu sein.
Habt ein schönes Wochenende.







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