Ich habe mich in letzter Zeit öfter dabei ertappt, wie ich zu einem meinen Jungs sage: „Jetzt weine doch nicht.“ Oder sie genervt frage: „Warum weinst du denn jetzt?“  Oder etwas sage wie: „Ach komm, deshalb muss man doch jetzt nicht weinen.“ Als ich genauer darüber nachgedacht habe, hätte ich beinahe geweint…
Jungs und weinen, Jungs haben,
Eins habe ich mir nämlich immer geschworen: Wenn ich einmal Söhne haben sollte, dann möchte ich, dass aus ihnen gefühlvolle, einfühlsame Männer werden. Und jetzt komm ich und verbiete ihnen das Weinen? Und überhaupt: Würde ich das bei Töchtern genauso machen…?

Klar, ich würde nie etwas sagen wie: „Komm nicht weinen, du bist doch ein Mann.“ Oder so etwas. Sondern eher: „Komm, weine nicht“, im Sinne von „es ist doch nicht schlimm, dass der Legostein jetzt hinterm Sofa liegt. Da sind doch noch ganz viele andere.“ Meistens sage ich so etwas, wenn ich eigentlich gerade koche oder Wäsche mache und einfach gern weiter machen möchte. Trotzdem rede ich meinen Jungs damit ja in gewisser Weise ihre Gefühle aus.
schwierige Jungs
Hier bei uns auf dem Dorf höre ich das tatsächlich manchmal noch: „Komm, sei ein Mann.“ Oder: „Komm weine nicht, du bist doch kein Baby mehr.“ Wenn ich das höre, wird mir ganz schlecht. Meine Jungs sollen lernen, dass Männer genauso ihre Gefühle zeigen dürfen und sollen wie Frauen. Und ich hoffe sehr, dass meine Jungs lernen, über ihre Gefühle zu sprechen (in meinem und im Sinne ihrer zukünftigen Freundinnen).“

Ich nehme mir also ganz fest vor, den kleinen Jauler beim nächsten Mal doch einfach mal kurz auf den Schoß zu nehmen. Ihn zu drücken. Ganz sicher fühlt sich für ihn der Verlust dieses einen, sicher ganz besonderen Legosteins ebenso schlimm an, wie für uns das blöde Ticket wegen Falschparken, eine Jobabsage oder ein blöder Arbeitstag.

Wie ich sonst noch versuche, aus meinen Jungs tollen, gefühlvolle und trotzdem coole Typen zu machen:
– Ich lasse nicht zu, dass andere Leute ihre Gefühlsausbrüche mit „Mädchenkram“ abstempeln oder ihnen typische Mädchen-sind-so, Jungs-sind-so-Klischees vermitteln. Wenn ich so etwas höre, spreche ich es an.
– Ich unterstütze sie darin, ihr Ding zu machen. Das Shirt zu tragen, das ihnen gefällt, ob es nun gelb ist, oder rosa. Ich bestärke sie, sich dieses Lieblingsshirt von keinem anderen Kind im Kindergarten madig machen zu lassen. Weil sie Jungs sind und das ist prima. Und weil sie auch ein Junge bleiben, wenn sie rosa mögen. Oder weinen. Oder gern Perlen fädeln. Weil man cool ist, wenn man zu dem steht, was man mag.
– Ich versuche sie mit positiven Männervorbildern in Kontakt zu bringen. Ihr Papa ist zum Glück ein idealer Vertreter. Der spielt mit Freunden stundenlang online Fußballmanager – und guckt hinterher liebend gern eine Schmonzette. Der liebt den alten grünen Trecker in der Scheune – und macht selbst seine Wäsche. Oder mit ihrem wunderbaren, lässigen, sehr gefühlvollen Fußballtrainer (der niemals wie ein anderer Trainer aus dem Nachbardorf fragen würde: „Du frierst? Bist du ein Mädchen, oder was?“) Oder mit ihren wunderbar lässigen und lieben Patenonkeln.
Jungs
Ich gehe jetzt das Sofa wegschieben. Ihr wisst schon: Der Legostein. Der ist wichtig. Wenn ihr noch Tipps habt, damit aus kleinen Jungs großartige Männer werden, bitte gern kommentieren.

Alles Liebe,

Claudi