Ja, ich hab auch zu fast jedem Jahreswechsel in der Vergangenheit brav gedetoxt, mich der Yoga-Challenge gestellt, den Veganuary oder wahlweise den Dry January ausgerufen. Nur: Wie häufig kann man eigentlich ein neuer Mensch werden? Wie oft eine sportlichere, schlankere, gesündere, bessere Ausgabe seiner Selbst? Soll ich ernsthaft jedes Jahr eine neue Person werden, nur weil ein neues Jahr anbricht? Ich habe beschlossen: 2022 ist Schluss mit diesem Optimierungswahn – ich will so bleiben wie ich bin!

Es ist fast ein wenig seltsam, das zu schreiben, aber: Ich finde mich ganz gut so wie ich bin. Ich mag mich. Ich finde, ich bin über die Jahre zu einer Frau geworden, zu der ich stehen kann. Nicht in jeder Lebens- oder Gemütslage eine 1+ mit Sternchen, aber damit komme ich meist gut klar.

Weil ich weiß: Ich würde mich auch nicht zwingend besser fühlen, wenn ich zwei Kilo weniger draufhätte oder regelmäßiger meditieren würde.

Natürlich geht es nicht darum, dass ich mich ab sofort nie wieder verändern möchte. Dass mein Leben, meine Sicht der Welt jetzt zu einem unverrückbaren Status Quo wird. Aber ich will raus aus dem Gefühl, permanent eine noch bessere Ausgabe von Katia werden zu wollen. Und das gilt ganz universell für mein ganzes Leben – und nicht nur für den Jahreswechsel, an dem ich wie die meisten reflexhaft denke, mich noch weiter optimieren zu müssen. Ich will es nur dann tun, wenn ich es für richtig und wirklich nötig erachte.

Denn ehrlich gesagt: Ich habe schon verdammt viel an mir gearbeitet, gerade in den letzten Jahren. Ich weiß um meine Schwächen – aber vor allem um meine Stärken. Ich weiß, was mir gut tut und was nicht. Und dabei ist mir eins klar geworden: Gut genug zu sein reicht nicht nur völlig aus – es ist der einzige Zustand, der mit meiner Realität Schritt hält.

Gut genug heißt, öfters mal ein Auge zuzudrücken, manchmal sogar zwei. Gut genug heißt, einen liebevolleren Blick auf mich, die Dinge und die Welt zu haben. Und damit auch auf meinen Zuckerkonsum, mein Mutterdasein – oder auf meinen Hintern.

Ich will ab sofort viel lieber meine Schokoladenseite in den Fokus rücken als vermeintliche Defizite.

„Du bis viel schöner, wenn du nicht dauernd an dir rumkrittelst“, sagte mein Mann irgendwann einmal recht unverblümt zu mir. „Du hast Falten, Narben, Macken, die du vor 20 Jahren nicht hattest – aber du hast seither ein bewegtes Leben gehabt. Sei stolz darauf und strahle – das ist attraktiv!“ Deutlich gesünder und erfreulicher sowieso, als mich, mein Verhalten und meinen Körper ständig abzuwerten – denn was anderes ist das permanente Streben nach Selbstoptimierung sonst?

Und so will ich mich nicht mehr darüber ärgern, dass ich die Kinder doch öfters anblaffe als gewollt. Sondern mich lieber darüber freuen, dass ich ein tolles Ferien-Verwöhnprogramm für mein Trio auf die Beine gestellt habe. Was mein Großer mit einer unerwarteten Umarmung quittierte – und mir dazu „Danke, Mama, du bist die Beste!“, ins Ohr flüsterte.

Ich will mich nicht am Umfang meiner Oberschenkel abarbeiten, sondern honorieren, dass ich mein Gewicht trotz dreier Kinder halte, seitdem ich 18 bin. Auch wenn die Schwerpunkte mittlerweile irgendwie anders verteilt sind.

Eine positive Haltung zu mir und meinem Leben hat einen größeren Effekt als jeder ich-werde-ab-sofort-ein-besserer-Mensch-Plan.

Ein „ich will“ hinterlässt ein schöneres Gefühl als ein „ich muss“. Und ich muss dieses Jahr kein neuer, kein besserer Mensch werden. Ich will Ich sein – und bleiben. Das ist für mich diesmal gut genug.

Und ihr: Optimiert ihr noch – oder akzeptiert ihr schon? Ich bin gespannt!

PS: Das Foto von mir hat übrigens mein Dreijähriger gemacht, als wir zu zweit spazieren waren. Ist gerade ein absolutes Lieblingsbild, weil ich darin alles sehe, was ich an mir mag.

Alles Liebe,

Katia