Weil Kerstin für die empfindliche Haut ihres kleinen Sohnes, keine passende Kosmetikserie findet, erfindet sie einfach selbst eine. Nebenbei managt sie auch noch ihre eigene Arztpraxis und die anderen drei Kinder. Wie das geht? Mit ganz viel Lust und ein bisschen Hilfe. Ich wollte von Kerstin wissen, wie man „einfach mal so“ seine eigene Kosmetik-Brand gründet…

WASFÜRMICH: Kerstin, du hast mitten in der Krise dein eigenes Kosmetik Label Kami Skincare gegründet. Erzähle doch mal wie du auf die Idee gekommen bist?
Kerstin: Das kam total spontan. Ich hatte nicht davon geträumt, oder so. Als Ärztin und Mutter von 4 Kindern war mein Leben eigentlich wild genug. Noch wilder wurde es, als mein Jüngster – sein Spitzname ist Kami – starke Neurodermitis hatte. Ich hatte damals so viel um die Ohren und gleichzeitig ständig ein schlechtes Gewissen, für ihn keine adäquate Behandlung zu finden. Als Medizinerin kenne ich die klassischen Behandlungsmethoden mit Cortison sehr gut –  aber eben auch die Nebenwirkungen. Das wollte ich für meinen Einjährigen auf keinen Fall.

Als ich für meinen Job als Ärztin mit dem Entwickler eines kosmetischen Unternehmens darüber sprach, gab der mir ein Fläschchen für unseren Sohn mit. Darin war ein zu einhundert Prozent natürliches Öl. Wir probierten es aus- und es zeigte bereits nach zweimaligem Auftragen tolle Resultate. Kami konnte endlich mal wieder durchschlafen. Und nach einer Woche waren die Ausschläge weg. Weil das Öl rein natürlich war, konnte ich es ohne Bedenken verwenden und weiterempfehlen. Ich habe diese Ölmischung dann auch an Patienten und Freunde verteilt – und alle berichteten von guten Erfolgen. Da war dann plötzlich die Idee da, mein kleines Label zu gründen.

WASFÜRMICH: War es denn leicht so ein Produkt marktfertig zu bekommen?
Kerstin: Alleine hätte ich das neben meiner Praxis und Familie nicht geschafft. Ich fing ja bei Null an. Zum Glück habe ich eine Freundin in der Kosmetikbranche, die mich unterstützt hat. Außerdem braucht es Produktentwickler, die sich mit Pflanzenölen gut auskennen, Grafiker, Leute die sich mit den rechtlichen Bestimmungen auskennen und welche, die PR und Social Media Kenntnisse haben. Ich habe gar nicht versucht, dass selbst zu machen. Ich habe von Anfang an ein Team zusammengestellt, allen voran meine Familie. Unsere Motivation war KAMIS Öl mit anderen zu teilen. Daher trägt meine Marke auch seinen Namen. Die Flaschenfarbe ist seine Lieblingsfarbe. Es war ein richtiges Familienprojekt.

Kami heißt ja eigentlich Konstantin, der Spitzname entstand dadurch, dass seine älteste Schwester, die damals 6 war, bei der Suche nach einem Namen für Camembert plädiert hat; irgendwie blieb das stecken, in der kurzen Form – eben Kami. Und Kami steht im Japanischen für das Göttliche.

WASFÜRMICH: Die Tinktur, die dir der Entwickler gegeben hat, war das der reine Wirkstoff? 
Kerstin: Nein, das war auch eine Mischung mit Murmeltier Öl, allerdings in einfachen Basis Ölen. Dadurch hat die erste Mischung sehr nach „Landluft“ gerochen und das Hautgefühl war auch nicht sehr kosmetisch hochwertig, eher fettig und glänzend. Gewirkt hat es schon aber so hätte man es wahrscheinlich schwer verkaufen können.

Es sollte auf keinen Fall nach Oma-Salbe riechen!

WASFÜRMICH: Was waren die größten Stolpersteine?
Kerstin: Eine Schwierigkeit war, dass wir unter anderem Murmeltier-Öl verwenden. Das wirkt stark entzündungshemmend, wird aber bisher bloß mit Touristenprodukten aus den Alpen verbunden. Als Produkt für alte Leute mit Gelenkschmerzen. Ich wollte etwas ganz anderes damit machen, auch die Formulierung neu aufziehen und es sollte auch noch gut riechen. Wir haben dann ganz tolle natürliche Öle wie Karottensamen-Öl, Pflaumenkern- Öl, Mohnsamen-Öl ausgewählt, um die die Wirkung unterstützen. Dazu kombinieren wir Tanais Annuelle, eine Heilpflanze aus dem Mittelmeerraum, die ganz viel entzündungshemmendes Azulen enthält.

Das größte Problem ist aber, dass man als Start Up mit ganz anderen Mengen und damit höhere Kosten kalkulieren muss. Unsere Produkte werden in einem kleinen Labor liebevoll hergestellt. Man darf  nicht damit rechnen, damit gleich etwas zu verdienen. Mir ist bewusst, dass da jahrelange Aufbauarbeit auf mich zukommt. Aber die nächsten Produkte sind schon in Entwicklung. Richtig schief gelaufen ist bisher noch nichts. Aber wenn, ist das für auch kein Problem, weil ich aus diesen Fehlern lernen möchte. Wichtig ist für mich, dass das Projekt nach wie vor Spaß macht, so viel freie Zeit habe ich nicht zur Verfügung, das Leben ist zu wertvoll um irgendetwas zu machen, was nicht bereichert.

WASFÜRMICH: Wem hast du als erstes von deiner Idee erzählt? 
Kerstin: Natürlich meinem Mann. Der hat mich von Anfang an bei der Idee unterstützt. Und anschließend meiner rechten Hand, einer Freundin die sehr viel Erfahrung im Kosmetik-Marketing hat und mir geholfen hat, KAMI konzeptionell auf starke Beine zu stellen; wir standen ja vor der Aufgabe, aus einem verzopften Alpen-Produkt für ältere Leute ein hippes Produkt zu machen.

WASFÜRMICH: Was motiviert dich dranzubleiben?
Kerstin: Am meisten Bilder von Anwendern, die zeigen, wie toll ihnen das KAMI SOS Hautpflege Öl geholfen hat. Ich möchte nicht einfach irgendwelche Kosmetikprodukte machen, die schön aussehen. Ich möchte wirklich dazu beitragen, dass sich Menschen in ihrer Haut wieder wohl fühlen. Derzeit arbeite ich mit einer Kosmetikerin und einer Ärztin an einer Studie, die die Wirkung des Öls prüfen. Dass auch andere Menschen außerhalb meiner Familie an meinen Erfolg glauben, motiviert mich sehr!

Nur Kosmetik machen könnte ich nicht!

WASFÜRMICH: Was arbeitest du neben deinem Kosmetik-Label?
Ich habe  im Zuge meiner Ausbildung lange im Spital gearbeitet, jetzt habe ich schon seit einigen Jahren eine eigene Praxis, in der ich neben der ganz normalen Tätigkeit als Hausärztin auch kosmetische Anwendungen wie Mesotherapie, Unterspritzungen und anderem anbiete. Zusätzlich arbeite ich aber auch als Ärztin in einem Wiener Gefängnis, hier besetzte ich einmal die Woche die Nachtschicht. Außerdem bin ich Betriebsärztin, in dieser Rolle kümmert man sich einerseits um arbeitsmedizinische Anliegen des Betriebs, andererseits aber auch um die persönliche Gesundheitsanliegen der Mitarbeiter. Im Spital bin ich nach wie vor im Einsatz um bei der Covid Triage zu unterstützen.

Das Kosmetik Projekt hat meine ärztliche Tätigkeit gar nicht beeinflusst, weil ich mir so viel Unterstützung geholt habe. Ich arbeite viel. Als die Kinder klein waren – es sind 4, die Mittleren sind Zwillinge – habe ich etwas zurückgeschaltet, aber nicht wirklich viel. Durch eine Mischung aus Großfamilie und bezahlter Hilfe war es mir immer möglich weiter zu arbeiten. Trotz dieses sehr anspruchsvollen Einsatzplans arbeite ich zusätzlich auf freiwilliger Basis regelmäßig beim Luise-Bus in Wien mit, das ist ein mobiles Gesundheitsservice der Caritas für unversicherte Wohnungslose, die sich so an verschiedenen Stellen in Wien unbürokratisch ärztliche Hilfe holen können.

Ich brauche das Gefühl, voll und ganz als Ärztin tätig zu sein, das war und ist mein absoluter Traumberuf in dem ich ganz aufgehe. Das KAMI-Projekt resultiert auch aus diesem Bedürfnis: ich habe an meinem Kind und an meinen Patienten so tolle Erfolge gesehen und ich bei allen die Verwendung von Cortison Präparaten vermeiden können. Ich bin eine große Befürworterin von Hausmitteln und natürlichen Produkten. Die Welt braucht nicht das x-te Pflegeprodukt. Ich möchte Produkte machen, die natürlich sind, die die Haut stärken und für Leute mit echten Problemen gut verwendbar sind.


WASFÜRMICH: Wie teilen dein Mann und du Haushalt und Kinder auf?
So gut wie geht helfen wir beide mit dem Einkaufen, Kochen und den Kindern, mein Mann macht dann eher den Sport-Shuttle für die Älteren während ich mich mehr um den Kleinen kümmere; das war nicht so geplant, hat sich aber ergeben. Natürlich würde das alles ohne das Netzwerk an Helferleins, es gibt unsere Omas und Au Pair Hilfe, nicht gehen. Ich finde auch dass wir wichtige Vorbilder für die Kinder sind, sie sollen uns gleichberechtigt sehen.

WASFÜRMICH: Sag mal, der Entwickler der Kosmetikfirma, fand der es nicht seltsam, dass du mit seinem „Wirkstoff“ ein Produkt auf den Markt bringst? 
Kerstin: Nein, er hat sich sehr gefreut. Für diese Firma war das Projekt zu klein und riskant, daher habe ich das schlussendlich alleine gemacht. Außerdem habe ich die Formel völlig umgearbeitet, der Geruch ist ja jetzt durch das ätherische Öl des Lavendels und der Tanais Annuelle, einer stark entzündungshemmenden Mittelmeerpflanze, ganz toll geworden; das Hautgefühl sehr kosmetisch – es zieht gut ein und glänzt auch nicht. Neulich hat mir ein Kollege sogar das Feedback gegeben, er würde den Duft sogar als Parfüm verwenden.

WASFÜRMICH: Wie lange hat es von der Idee bis zum ersten verkauften Produkt gedauert?
Kerstin: Wir haben rund ein dreiviertel Jahr gebraucht, es sind sehr viele Dinge zu erledigen, nicht nur die Entwicklung der Formel, das Testen, ob es wirksam ist, die Entwicklung der Packung, das Logo, die Kommunikations-Mittel….

Ich lerne jeden Tag etwas Neues! Herrlich.

WASFÜRMICH: Sag mal ehrlich, denkst du, ein Laie könnte auch einfach so eine Kosmetik-Brand auf die Beine stellen? Davon träumen ja viele…
Kerstin: Alleine ist das schwierig, es gibt reichlich rechtliche Auflagen, die man ohne Know-How nicht ohne weiteres erfüllen kann, das Herstellen von Kosmetika erfordert auch eine formelle Ausbildung und Gewerbeberechtigung. In Europa muss ja jedes Kosmetikprodukt, bevor es auf den Markt kommt auf seine Sicherheit überprüft und explizit genehmigt werden. Aber wie gesagt, ich hatte fachlichen Support, den habe ich mir geholt und so hat die Sache eine tolle Dynamik bekommen und viel Spaß gemacht.

WASFÜRMICH: Und deine Kinder? Wie finden die dein Projekt?
Als dann klar war, dass wir das Produkt aktiv auf den Markt bringen wollen, waren die Kinder sofort Feuer und Flamme und sehr aufgeregt, vor allem beim Fototermin. Ich habe sie auch mehrmals gefragt ob es ihnen recht ist, dass in der Kommunikation auch ihre Fotos verwendet werden, das ist ja schon ein zweischneidiges Schwert, seine Kinder zu zeigen; ich wollte nicht, dass sie mir das später vorwerfen. Aber sie wollten unbedingt dabei sein und es hat echt Spaß gemacht. Allerdings sind die Älteren ein bisschen traurig, dass der Kleine so im Vordergrund steht. Der wiederum genießt das natürlich sehr. Ich versuche also ihre Präsenz auf Instagram fair zu verteilen… Sonst ist hier jemand beleidigt.


WASFÜRMICH: Was sind deine Pläne für die nächsten Jahre? 
Noch mehr Produkte! Noch mehr Kosmetik für Menschen mit Problemhaut oder einfach akuten Problemen. Mein Ziel ist, eine ganze Linie an rein natürlichen Produkten anbieten zu können. Klar müssen wir alles geben in Sachen Vertrieb. Wir setzen da stark auf den Support einiger lokalen Läden zählen, auch auf befreundete Ärzte. Wir möchten langsam aber stetig über unsere Webseite und Social Media wachsen, vor allem über persönliche Empfehlungen.

Ich wünsche mir, dass in fünf Jahren jeder mit Problemhaut KAMI kennt oder die Chance hat, Kami kennenzulernen. Ich denke, da passt mein Arzt sein mit der Kosmetik-Produktion zusammen, ich bin jemand, der sich das Helfen zur Lebensaufgabe gemacht hat und das in die eigene Hand zu nehmen. Ich bin nämlich seeehr ungeduldig.

Danke Kerstin!

PS. Es handelt sich um einen rein redaktionellen Beitrag. Aufgrund der Verlinkung müssen wir ihn dennoch mit Werbung kennzeichnen.

Liebe Grüße und Happy Weekend,

Claudi