„Er ist ausgezogen“, jaulte ich leise ins Telefon. „W-w-was?“, stotterte Freundin K. „Ja, er schläft jetzt in seinem eigenen Zimmer“, flüsterte ich. Dann fiel mir ein, dass ich gar nicht mehr flüstern musste. „In seinem Bett!“, sagte ich normallaut. „Es fühlt sich ganz schön komisch an.“ „A-a-aber wieso denn? Oh Gott. Hattet ihr Ärger? Versteht ihr euch nicht mehr?“ K. klang wirklich geschockt. „Ach so, nein, nicht der Mann!“, sagte ich, „das Baby…!“
Baby

Vor ein paar Tagen war das Baby aus unserem Bett gefallen. Auf den Bettvorleger, zum Glück, aber es hatte schrecklich gerumst. Jetzt ist Schluss, dachte ich. Es ist Zeit. Er braucht ein Bett. Sein Bett. Ein Gitterbett. Bei uns im Schlafzimmer war dafür kein Platz, das war die ganze Zeit klar gewesen. Zumindest nicht, wemn es hinterher noch schön aussehen sollte und nicht nach Bettengeschäft, nach: „Was bitte sehr wollen sie kaufen, ein Ehebett, ein Gitterbett, ein Beistellbett?“ Das Beistellbett musste noch bleiben, das war klar. Wenigstens ein wenig Rausfallschutz, wenn wir zu fünft im Bett liegen.

Zu fünft. Fand ich doch immer so eng. Jetzt fand ich die Vorstellung plötzlich groß. Ganz groß. So groß wie das Bett in dem ich gerade ganz allein lag. Ich griff nach seinem grünen Kuschelhasen. Ich roch daran. Ich hätte heulen können. Ne komm, dachte ich, nicht schnulzig werden. Und dann: Was für eine Schnapsidee, ihn ausziehen zu lassen.

Dabei hatte ich mich schon so lange darauf gefreut. Sein Bett im Zimmer seiner Brüder. Meine Punkte an der Wand dahinter. Ein Buch als Bild – wie schön. Der gestreifte Bettvorleger. Alle drei in einem Zimmer. Jetzt echt Betten-WG. Bett neben Bett neben Bett: Beinahe wie der Schlafsaal bei Nanny McFee. Juchhu!

Und dann hatte es auch noch geklappt. Ich hatte den beiden Großen ihre Geschichten vorgelesen, wie immer. Dann ihm, ein Babybuch, auf der Matratze. Kurz gestillt, gesungen, rein in sein Bett. Er drehte sich um. Und schlief. Ich drehte am Rad.

Ich ging ins Bett. Ins große, breite, leere Bett. Mit einem heißen Tee und einem dicken Buch. Ich knippste extra das große LIcht an. Ging ja jetzt. Und die Nachtischlampe. Ich blätterte die Seiten um, ganz normal, nicht vorsichtig. Ich schaute ein Nachrichtenvideo auf dem Handy (mit Ton!). Ich telefonierte kurz. Der Mann kam und wir redeten. Ohne Flüstern. Ohne Pssst. Aber auch ohne Babyschnarchen. Ohne winzige Faust auf großem Laken.

Licht aus. Sonst hatte ich mich jetzt immer noch mal über ihn gebeugt. An seinem Kopf geschnuppert. Himmel, ich dreh durch, der riecht doch so gut. Strich über seine Seiden-Wange. Hatte ich heute überhaupt so richtig mit ihm gekuschelt? Noch ein paar mal schlafen und er macht den Führerschein. Ich lag da und lauschte. Alles still. Herrlich still. Zu still. Schrecklich still.

Da fing er an zu weinen.

Nein, ich habe nicht mal versucht ihn in seinem Bettchen zu beruhigen. Und ich habe hundertpro breit gegrinst vor Glück, als wir nebeneinander eingeschlafen sind. Ich weiß nicht, ob er auch. Es war ja dunkel. Der Junge hat vorerst bloß Ausgang bis sagen wir mal Mitternacht, hab ich gedacht. Für alles andere ist seine Mama noch zu klein.

PS. Zwei Abende später guckte ich um Mitternacht gerade meine Lieblingsserie, als er anfing zu weinen. Nun ja, ich glaube, ich kann mich demnächst – bald – irgendwann doch dran gewöhnen, dass er auszieht. Sagen wir mal bis drei Uhr morgens.

Und ihr so? Froh oder frustriert bei Babys „Auszug“?

Alles Liebe,

 

Claudi