Eigentlich war alles ganz anders geplant. Eigentlich hatte ich Anfang des Jahres die Idee, ein kleines Kinderkochbuch passend zu meinem Kochbuch „Barfuß in der Küche“ zu machen. Ein dünnes Ding, einfach, um dem Buch im Weihnachtsgeschäft ein bisschen Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ich fing an, sammelte Rezepte und Ideen – und dann kam der Lockdown. Während ich plötzlich gar nicht mehr wusste, ob es dieses Buch jemals geben würde, wusste ich, wenn es es gebe, würde es dick. Mir fielen nämlich immer noch mehr tolle Sachen ein, die unbedingt reinmussten…

Es war eine wilde, verrückte Reise hin zu meinem neuen Kinderkochbuch „Polly und Pelle in der Küche“ . Anfangs waren beispielsweise meine Kinder Feuer und Flamme und wollten unbedingt  für mein Buch modeln. Als wir im späten Frühling endlich fotografieren durften, merkte ich aber ziemlich schnell? dass sie eigentlich viel zu viele andere Sachen zu tun hatten und tun wollten. Außerdem war ich mir nicht sicher, ob sie es in einigen Jahren immer noch so toll finden würden, Helden eines Kinderkochbuchs zu sein.

  

Abends im Bett hatte ich eine viel bessere Idee: Wir wollten coole Kinder im Buch – aber die sollten gezeichnet sein und aquarellfarben  durch unsere Fotos hüpfen und rennen. Ich war sofort bis über beide Ohren verknallt in diese optische Umsetzung, wusste aber zum Glück nicht vorher, wie viel Arbeit es werden würde. Ich legte wir immer einfach los und als  ich merkte: „Holla, das wird schwierig!“, da stecke ich schon mittendrin und es gab eigentlich kein Zurück mehr. „Polly und Pelle in der Küche“ ist definitiv unser aufwendigstes Buch. Aber dafür ein besonders Besonderes.

Viele, viele Abende saß ich mit meiner Nachbarin Claudia Obertaxer, die tollerweise die Grafik für alle WASFÜRMICH-Produkte macht, an unserem großen Esstisch. Einmal rüber durch die Hecke. Jede von uns mit einem klimpernden Glas gelber Brause in der Hand und mit immer noch mehr Ideen. Das ist einer der Vorteile, wenn man ein Buch in Eigenregie macht: Es darf sich entwickeln, es darf verschlungene Wege gehen – sogar mal ein Stück zurück. Es gibt kein „geht nicht!“ Es gibt dafür viele: „Bitte, bitte!“ Und: „Oh, Gott, ich weiß nicht ob ich das noch schaffe.“

Ich fürchte, meine Illustratorin Greta Brumme hat diverse extra Nachtschichten einlegen müssen, um Claudias und meine Zusatzideen immer wieder umzusetzen. Es war  zwischendurch für uns alle nicht leicht. Ich habe gemerkt, dass es mir echt schwer fällt, Chefin zu sein. Dass es mir aber ebenso schwer fällt, gute Ideen zu streichen. Es fühlt sich schrecklich an, jemanden um etwas zu bitten, wenn man spürt, dass der andere bereits am Rande der Belastbarkeit angekommen ist. Es ist ganz sicher nicht immer leicht, mit mir und meinem chaotischen Kopf zusammenzuarbeiten. Ich habe außerdem gelernt, dass ich nicht von allen dieselben Hummeln im Hintern erwarten kann, wie ich sie habe und ich bin so froh, dass wir das Projekt als Team durchgestanden haben – und alle noch miteinander reden.

Als ich unser Kinderkochbuch gestern zum ersten Mal in der Hand hielt, war da wieder genau das gleiche Kribbeln im Bauch wie Anfang des Jahres, als Greta mir auf meine wilde Beschreibung hin die erste Polly-und-Pelle-Skizze gemailt hatte. Ein Blick – und ich war verliebt. Völlig verrückt, dass Greta es geschafft hat, das Bild in meinem Kopf eins zu eins aufs Papier zu bringen. Manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, Klein-Polly und Klein-Pelle flitzeN hier echt gleich über den Tisch, so real erscheinen sie mir. So gut kenne ich sie inzwischen.

Auch für meine Fotografin Ilona Habben und Stylistin Anne Beckwilm war dieses Buch eine besondere Herausforderung. Schöne Fotos zu machen ist schwer, schöne Fotos zu machen von Motiven, in denen die Hauptpersonen noch fehlen, ist echt tricky. Wir haben jedes Motiv ein Dutzend Mal fotografiert und wie bei einem Spiel jedes Mal ein wenig mehr Deko weggenommen, um Greta viel Spielraum und Möglichkeiten für ihre Illustrationen zu geben. Als ich die ersten kombinierten Fotos mit Illus gesehen habe, hatte ich feuchte Augen. Sie sehen einfach so schön aus!!!

Meine größte Motivation für das Kochbuch war neben meinen Kindern übrigens Linus. Linus ist der Schwarm meiner Kindheit, mein Kochheld aus dem Buch „Linus lässt nichts anbrennen“, einem meiner absoluten Lieblingsbücher als Kind. Gemalt und geschrieben hat es das schwedische Autoren-Dreamteam Christina Berg und Lena Andersson, leider wird es heute nicht mehr aufgelegt. Kennt ihr das Buch? Es war leider  ziemlich dünn und ich mochte viele der Rezepte gar nicht so furchtbar gern. Aber ich liebte die warme Atmosphäre, die Gemütlichkeit, die gemeinsames Kochen und Essen zaubern kann  und ich fand es spannend, so viel über Lebensmittel zu erfahren.

In meinem Buch steckt genau das: Geschichten übers Kochen und Essen, übers Kind sein und übers Leben auf dem Land und über die Rituale in einem Jahr. Dazu ging es 60 einfache und echt leckere, familientaugliche Rezepte, für die man alle Zutaten sogar im Dorfsupermarkt bekommt. Außerdem auf 144 Seiten spannendes Geheimwissen über Lebensmittel, Bastelideen, Spiele, Experimente und noch viel mehr. Meine Idee: Ich möchte Kindern zeigen, wie schön das Leben ist und wie sie es sich selbst ganz einfach noch ein bisschen schöner machen können.

Sie sollen erfahren, wie spannend es ist, sich selbst etwas zu kochen und wie glücklich es einen macht, gemeinsam mit anderen etwas Leckeres zu essen. Ich bin mir sicher, dass diese Freude einen wie eine warme Decke durchs ganze Leben begleitet. Wer einmal die Wärme erlebt hat, kann sich immer wieder in dem Gefühl einkuscheln, einfach, in dem man sich etwas Schönes kocht und es mit mit Freunden isst. Was für ein Geschenk! Und was ich außerdem glaube: Wenn wir Kindern diese Liebe zum Kochen und zu Lebensmitteln mitgeben, können sie jeden Tag kleine Glücksmomente erfahren und wir müssen uns gar nicht so viele Sorgen machen, dass sie zu nur Quatsch essen könnten. Wir geben ihnen nämlich ein ziemlich gutes Gefühl für ihren Körper mit.

Ich denke, man kann gar nicht früh genug anfangen Freude am Kochen und Essen zu erfahren, daher gibt es auch keine spezielle Altersempfehlung für mein Buch. Ich werde es Freundinnen zur Geburt schenken, als kleine Vorfreude, auf alles, was da noch so kommt. Es ist ein tolles Geschenk für Kinder zum ersten Geburtstag, weil man gemeinsam die Bilder ansehen und für sie daraus kochen kann. Zwischen zwei und drei Jahren kann man toll gemeinsam darin blättern, ab vier Jahren daraus vorlesen, ab der zweiten Klasse können die Kinder es dann selbst lesen und schließlich ganz allein daraus kochen. Und weil es in jedem Kapitel auch eine Seite zum Selbstgestalten gibt, wird es für sie hoffentlich ein Buchschatz, dass sie es vielleicht sogar mitnehmen, wenn sie ausziehen. Als mit Essen und Liebe vollkleckerte Sammlung an Erinnerungen und Lieblingsrezepten.

Ihr glaubt nicht, wie viele schlaflose Nächte und Schreckmomente mich dieses Projekt gekostet hat. Einen allerletzten, als ich das Buch zur allerletzen Kontrolle auf dem Tisch hatte und ein Freund meines Sohnes zufällig vorbei lief und meinte: „Ups, die Spinne da auf dem Foto sieht aber seltsam aus…“ Ich schaute hin, ich schluckte, mein Herz klopfte schneller, mir wurde heiß. Ich lachte schrill, ich stöhnte. Ich griff zum Hörer: „Claudia, kannst du noch mal zaubern?“, jappste ich ins Telefon. „Hey, ich zaubere gerade noch bei der Wiese. Hast du eine Ahnung, wie schwer es ist vier, Kinderbeine zwischen Wiesengräser zu photoshoppen?“ Ich holte Luft: „Einmal musst du noch zaubern. Bitte, ein allerletztes Mal, wirklich!“ Sie stöhnte. „Okay, was ist es dieses Mal?“ Ich seufzte. „Du musst den Spinnen auf Seite 107 jeweils zwei Beine mehr mogeln. Spinnen haben acht Beine, nicht sechs! Das ist so peinlich.“ Claudia lachte: „Ich glaub, ich spinne. Okay, das mache ich.“

Es war ein riesengroßes Abenteuer und ich wünsche euch von Herzen ganz viel Spaß mit unserem Buch und bin so gespannt, wie ihr es findet. Ihr könnt das Buch ab sofort versandkostenfrei bei uns im Shop bestellen.

Fotos: 9: Louisa Schlepper

Aufgeregte Grüße,

Claudi