Exakt vor fünf Jahren in dieser Woche habe ich auf das blaue Rechteck rechts in meiner WordPress-Spalte gedrückt und meinen ersten Post veröffentlicht. Es war die Anleitung für eine Kinder-Kamera, ich hatte sie mit meinem Ältesten zusammen gebastelt, in unserer alten Wohnung und (für heutige Verhältnisse grottig schlecht) fotografiert. Aber es war der Klick in ein Online-Familienabenteuer, das ich so nie erwartet hätte…
Familienblog, Mamablog, Wasfürmich
Ich erinnere mich, wie ich in dieser Zeit ab und zu mit langjährigen Freundinnen im Café saß, in meiner niedersächsischen Heimat, wir über unsere Kinder erzählten – die meisten von uns hatten damals gerade mal eins – und darüber, was wir sonst noch so taten. Die meisten ehrlich gesagt nicht viel und über mein Projekt – einen kleinen Blog – schüttelten sie bloß die (mamamüden) Köpfe. „Wieso machst du das bloß?“, fragten sie immer wieder, wenn ich erzählte, dass ich nachts mal wieder gebastelt oder geschrieben hatte, statt zu schlafen (und entsprechend aussah). Die meisten meiner Mädels hatten mit Internet nichts am Hut, ganz bewusst, (einige verweigern bis heute Whats App). „Ich mache das, weil es mich glücklich macht“, sagte ich. Und genau so war es…

Ich habe schon immer gern Dinge selbst gemacht. Ich habe ein paar Freundinnen während der Uni kennengelernt, die ähnlich tickten, mit denen habe ich schon zu Studienzeiten nächtelang gemalt oder genäht. Es war wie ein Rausch – bloß ohne Kater. Als wir alle Kinder bekamen, fingen wir an, für sie –  und später mit ihnen – kreativ zu sein.

Dazu kam die Schreiberei. Bereits während meines Lehramt-Studiums habe ich mein Geld bei einer Lokalzeitung in Hannover verdient, zwischen dem erstem und zweitem Staatsexamen mehrere Praktika bei Magazinen und beim Radio gemacht. Schreiben war, neben der Arbeit mit Kindern, immer meine große Liebe. Nachdem ich nach dem Referendariat zwei Jahre an einer Schule gearbeitet hatte, kündigte ich den Staatsdienst (meine Eltern fielen beinahe vom Stuhl), um bei einem großen Verlag in Hamburg ein Volontariat zu machen.

Das war wichtig für mich, ich glaube, ich hätte es sonst mein Leben lang bereut. Ich arbeitete ein paar wahnsinnig spannende Jahre bei verschiedenen Magazinen, kehrte erst ein Jahr vor der Geburt meines ersten Sohnes in den Schuldienst zurück. Die vielen Presse-Reisen, die vielen, vielen Abendtermine und Überstunden hätten einfach nicht gepasst zu meiner Vorstellung vom Mamasein. Außerdem hatte ich es vermisst, mit Kindern zu arbeiten, ihre Fantasie herauszukitzeln, ihnen Dinge zu erklären.

Ich hatte eigentlich vorgehabt, neben der Schule weiter als freie Journalistin zu arbeiten, um im Schreibflow zu bleiben, aber der Markt war durch die vielen Magazin-Pleiten damals völlig überrannt. Im Gerangel um gute Geschichten war ich bei uns draußen auf dem Land gefühlt immer viel zu weit weg, wenn es drauf an kam, noch dazu hatten wir gerade angefangen, unser eigenes Haus zu bauen.

Schon während meiner ersten Elternzeit hatte ich angefangen ein paar Blogs zu lesen. Es gab da eine erste Garde in Deutschland, die hatte etwa drei, vier Jahre vorher damit angefangen, ein paar Amerikanerinnen noch deutlich früher. Ich fand die Dokumentation von Kreativprojekten, von Erlebnissen und Gedanken faszinierend. Ich weiß noch, dass ich mir ein großes schwarzes Bauch kaufte, „Blog-Buch“ drauf schrieb und fortan Fotos und kleine Texte von meinen Projekten hineinklebte. Eins fehlte dabei leider, etwas, dass ich bei den gerade entdeckten Blogs so toll fand: der Austausch. Und ein fixes Feedback.

Es war während meiner zweiten Elternzeit, als ich an einem Augustabend mit meinem Mann im Garten saß und über einen eigenen Blog fantasierte. Ein kleines Zuhause für all meine Ideen und Geschichten sollte es sein, in dem Freundinnen und vielleicht sogar ein paar Fremde ab und zu vorbei schauen könnten.

André fand die Idee super – und zum Glück hatte er den Mut, gleich am nächsten Morgen einen Freund von sich zu bitten, mir abends mal eben fix einen Blog bei WordPress zu eröffnen. Ich glaube, wenn ich länger Zeit gehabt hätte, darüber nachzudenken, ich hätte die Idee wieder verworfen. Auf dem Weg änderte ich nochmal den Namen: Mein Blog hatte eigentlich „Villa Holunder“ heißen sollen, nach dem vielen Holunder, der rings um unser Haus wächst. Auf dem Weg zu Andrés Computerfreund kam mir plötzlich eine andere Idee: „Wasfürmich“. Das klang frischer – und sagte genau das aus, was mein Blog sein sollte: Mein Ausgleich im Mama-Marathon.

„Weltklasse!“, sagte mein Mann.
Basteln mit Kindern
Feuerlöscher basteln,
Meine Fotos waren irre schlecht damals. In den Texten und Themen probierte ich mich aus, es war wie wickeln, füttern, trösten beim ersten Kind. Manches finde ich heute noch gut, anderes weniger. Sogar mein erstes Logo machte ich selbst: mit einem Messer in Gummiplatte geritzt und gedruckt. Mein Blog und ich, wir lernten und wuchsen gemeinsam. Manchmal überlege ich, ob ich all die alten Geschichten lösche – und dann bin ich doch sicher, dass alles so bleiben darf. Es ist meine, unsere Reise. Ein Schatz. Und ein Zeichen: Es ist okay, wenn es nicht gleich perfekt ist. Und es ist okay, wenn es vielleicht nie perfekt wird.

Angesichts der vielen, auch vielen neuen Blogs, die seit der ersten Online-Sekunde irre schick aussehen, denke ich immer wieder darüber nach, Wasfürmich optisch ganz neu zu erfinden – und lasse es dann doch sein. Nutze die Zeit lieber, um eine neue, gute Geschichte zu schreiben. Was die Zukunft für Wasfürmich noch alles bringt? Mal sehen… Was ich allerdings nicht will, weiß ich ganz genau: Ich mag nicht ein Gewinnspiel nach dem veröffentlichen, bloß um mehr Follower zu gewinnen und schnell zu wachsen. Ich mag die Fotos machen, die Geschichten schreiben, die ich woanders auch gern sehen und lesen würde. Ich mag meine kleine, feine Community sehr.
Liebespaar,

Bloggen ist eine einsame Angelegenheit – zumindest am Anfang. Nach dem Start las mich niemand – außer mein Mann. Wochenlang. Monatelang. Ein paar Freundinnen schauten ausnahmsweise mal vorbei bei mir in diesem Internet, schafften es aber nicht regelmäßig. Wenn doch jemand einen Kommentar hinterließ, freute mich das tagelang.

Ich glaube, ungefähr nach einem Jahr ging es los. Ich hatte ein paar regelmäßige Leser, war so richtig motiviert. Ich kaufte mir endlich eine richtige Kamera, übte das Fotografieren. Ich entdeckte Lightroom – und hatte zunächst einmal eine seltsam überbelichtete Phase. Im Winter 2014 beauftragte ich einen Techniker und eine Grafikerin, die Wasfürmich einen frischeren, professionellen Look verpassten. Kurze Zeit später kam mein kleiner Shop dazu. Immer mehr Menschen lasen meine Geschichten und ich merkte: noch spannender als meine Basteleien finden die meine Familiengeschichten.



Natürlich fragen André und ich uns bis heute immer wieder, ob es okay ist, so viel von unserem Leben, vom Leben unserer Kinder, zu zeigen. Wir haben für uns entschieden, dass es das ist, zumindest zur Zeit. Ich wähle sehr, sehr entschieden aus, was ich zeige, rede mit den Kindern unglaublich viel darüber. Ich habe das Gefühl, dass macht sie irre fit in Sachen Medienkompetenz. Sie lernen die Onlinewelt als Verlängerung der echten kennen, eine Welt die inspiriert, in der man Kontakte knüpft – in der man aber genauso vorsichtig sein muss wie in der echten.

Ich hatte da für mich von Anfang an eine Regel im Kopf: Geschichten und Bilder von uns, die ich einer zufälligen Bekanntschaft im Bus zeigen würde, die dürfen auch ins Netz. Alles andere ist privat. Viele spannende Themen fallen damit weg – dennoch habe ich nie das Bedürfnis gehabt, meine Kinder zu verstecken. Sie gehören dazu, zu meinem Online- und Offline-Leben. Ich schmeiße im Netz nicht mit ihren Namen um mich, halte sie aber auch nicht streng geheim. Ich versuche einfach, nicht so viel Bohei darum zu machen. So wichtig sind wir ja auch nicht, denke ich oft.

Vielleicht finden meine Jungs diesen Blog später einmal peinlich, wie sie mich, uns und vielleicht noch viel mehr eine Weile peinlich finden. Vielleicht lesen sie aber auch mit Stolz in unserem Geschichtenschatz. Übrigens mag ich es sehr, dass ich vier Söhne habe, denn das verleiht den Geschichten ein Stück Anonymität. Es bleibt eben oft unklar, von welchem meiner Söhne genau ich schreibe, wenn ich über „meinen Sohn“ schreibe…

Vielleicht habe ich aber auch eine Plattform geschaffen, von der einer oder sogar alle meine Söhne einmal profitieren: Mein Großer plant gerade eine eigene kleine Buch-Rezensionsreihe hier auf dem Blog. Eine Möglichkeit, die ich früher wahnsinnig gern gehabt hätte. Auch immer mehr meiner Kreativposts sind von meinen beiden großen Söhnen inspiriert. Ich muss sie bloß noch herunterschreiben. Noch.

Wasfürmich erreicht inzwischen etwa 50.000 Leser im Monat – das ist gut die Hälfte der Leser vieler Magazine, für die ich früher geschrieben habe. Bloß: jetzt mache ich das alles allein. Ich bin mein Fotograf, mein Textchef, mein Chefredakteur (leider auch mein Schlussredakteur – was die Rechtschreibfehler hin und wieder erklärt). Auf einer jährlichen Presseveranstaltung, auf der ich früher ein paar Mal für die Zeitschrift Maxi war, fragte mich mal eine PR-Beraterin: „Und wie viele Mitarbeiter seit ihr bei Wasfürmich?“

Ich wusste zuerst gar nicht, was sie meinte. Musste dann lächeln und sagte: „Wir sind fünf!“ (Damals war der Kleinste noch nicht geboren).
Blogjubiläum,

Familienblog,
Jetzt zum Jubiläum musste ich wieder an damals denken, an meine Mädels, die immer fragten: „Warum machst du das eigentlich?“ (Fragen sie heute übrigens nicht mehr…) Und ich freue mich, dass ich ganz genau weiß, warum. Weil ich liebend gern inspiriere. Weil ich meine Projekte hier gern sammele, für mich und für andere. Und weil ich gern beruhigen möchte. Ich vertrete hier keine besondere Erziehungsidee, ich liebe meine Kinder über alles, aber ich bin nicht perfekt. Ich glaube, ich bin ziemlich streng. Und ich denke, es tut ihnen gut, um einige Sachen nicht so viel Tamtam zu machen. Ich versuche einfach Tag für Tag, dass meine Kinder, mein Mann und ich eine gute Zeit haben. Ich entscheide viel aus meinem Bauchgefühl heraus.

Im wilden Erziehungs-Gewässer aus Bindungsorientierung, Familienbett, Zahnputzapps, Frühförderung und soviel mehr, stelle ich es mir heute noch schwerer vor, Kinder zu bekommen. Ich freue mich, wenn ich anderen Mamas dabei vielleicht ein wenig den Druck nehmen kann, zeigen kann: „Mach dir nicht so viele Gedanken, hör auf dein Gefühl – und wenn mal was schief läuft, ist es auch okay.“ Ich hätte das am Anfang meiner Kinderkriegerei gern irgendwo gelesen.

Eins noch zum Schluss, weil viele sich immer wundern, wie ich das hier alles wuppe. Ja, es macht wahnsinnig viel Arbeit das Projekt „Wasfürmich“ zu betreiben. Ich möchte nicht wissen, wie viele Stunden ich schon getextet, layoutet und recherchiert habe, während andere Mamas vielleicht einfach mal im Garten sitzen, Netflix schauen oder schlafen. Dennoch liebe ich es. Ich habe noch tausend Ideen, die ich alle gar nicht oder nur ganz langsam umsetzen kann.

Ich bin weit entfernt von perfekt – aber das ist völlig okay. Ich stoße auf jeden Fall heute auf mein Jubiläum an, auf mich, auf uns, auf euch, und darauf, was aus einer kleinen Augustlaune und aus einem Klick Anfang September geworden ist: Mein eigenes kleines Online-Magazin, dass mich die allermeiste Zeit über sehr, sehr happy macht. Ich danke euch allen für eure Klicks, Kommentare und Käufe in unserem Shop. Sie ermöglichen mir, dass nebenher zu tun, was mir so viel Spaß macht: Geschichten schreiben.

Mamablog, Familienblog
PS. Darf ich mir etwas wünschen zum Bloggeburtstag? Dann wünsche ich mir, dass ihr alle regelmäßig kommentiert. Ich weiß, es dauert ein paar Minuten – und die haben wir alle eigentlich nicht übrig. Aber es sind eure Kommentare, die mich durchhalten lassen, in müden, ausgelaugten Zeiten und die mich nicht selten zu neuen Artikeln inspirieren. Ich höre wahnsinnig gern eure Geschichten, Meinungen, Ideen und auch eure Kritik. Danke dafür!
PPS. Diese Woche feiere ich hier eine kleine Jubiläumswoche, mit Antworten auf die Fragen, die ihr mir gestellt habt, einer kleinen Haustour, meinen Lieblingsposts und noch mehr. Würde mich freuen, wenn ihr täglich vorbei schaut.

Und jetzt: Stoßt ihr mit mir an?
Alles Liebe,

Claudi