Kürzlich las ich auf dem Blog von A Cup of Jo folgenden Satz: „Denk immer daran – du bist auch nervig.“ Dieser Satz war ein Hochzeitgeschenk: Der eine Ratschlag, dem einen Freunde für die Langzeit-Liebe mit auf den Weg geben. Der helfen soll, wenn die Schmetterlinge schon lange weitergezogen sind. Wenn der Alltag die Romantik verscheucht hat, wenn die Zeiten weder richtig gut noch richtig schlecht sind. Mittelprächtige Zahnpasta-Zoff-Zeiten. Und seitdem denke ich darüber nach, was eigentlich meine wichtigsten Liebes-Tipps sind, die irgendwem nutzen könnten. Volilà – hier kommen meine fünf besten…

Mein Mann und ich hatten gerade Jahrestag. Wir sind seit 16 Jahren zusammen, sechs davon verheiratet. Sechzehn Jahre als Mann und Frau, als Freunde und Vertraute. Als Eltern, als Leidensgenossen, mal als Partner, mal als Gegner. Wir hatten große Höhen und bodenlose Tiefen – persönlich und als Paar. Aber wir sind immer noch hier. Immer noch zusammen. Immer noch durch Liebe vereint. Entscheiden uns immer wieder für unser Wir – auch wenn wir den anderen zwischendurch mehr als nervig finden. Was uns dabei hilft, nicht aufzugeben?

Wir können uns auch aushalten.

Mein Mann findet nicht jeden meiner Schritte anbetungswürdig. Nicht jede meiner Entscheidungen, Ansichten, Aktionen richtig und gut. Und umgekehrt genauso. Wir haben unsere Themen, an denen wir uns reiben, die unsere Unterschiede sichtbar machen. Die uns wütend machen und uns frustrieren. Aber das gehört eben dazu. So einfach.

Wir sind keine symbiotische Einheit, in der alles im kompletten Einvernehmen geschieht. Wir sind zwei oft ziemlich verschiedene Menschen, die ihr Leben miteinander teilen. Und wir versuchen immer wieder ganz bewusst, uns nicht in den Unterschieden zu verheddern, sondern in den Gemeinsamkeiten zu bestärken. Das heißt aber auch, Dinge stehen lassen zu können. Andere Haltungen zu akzeptieren statt sie reflexhaft abzulehnen. Den ganzen Menschen zu sehen, nicht nur die Ausschnitte, die gerade eben nicht matchen. Und wieder aufeinander zuzugehen, wenn man sich zu weit voneinander entfernt hat.

Bei aller Liebe: Auch verzeihen muss man lernen. Und sich von Herzen entschuldigen.

Irgendwann in einer langen Beziehung sagt jeder von uns Dinge, die er besser für sich behalten hätte. Und doch rutschen sie im Affekt raus, weil der Streit gerade hitzig wurde. Oder wir tun etwas, was den anderen mehr als nur oberflächlich verletzt. So schwer es in solchen Situationen auch ist: Es wird nur wieder besser, wenn beide über ihren Schatten springen können.

Sich ehrlich und überzeugend zu entschuldigen, ist eine der wichtigsten Eigenschaften überhaupt. Dem anderen nach einer häßlichen Auseinandersetzung in die Augen zu schauen und aus vollem Herzen „Es tut mir so Leid!“ sagen zu können. Und der, dem wehgetan wurde, muss noch einen größeren Schritt tun können: Dem anderen zu verzeihen – sofern es ein entschuldbarer Fehler war. Sein Herz nicht zu verschließen, sondern immer wieder zu öffnen. Das braucht manchmal seine Zeit. Aber oftmals folgt nach dem Tief tatsächlich ein stabiles Hoch.

Don’t forget to kiss your man. Never forget to love your wife.

Obwohl alle anderen Rollen derzeit meist mehr Raum einnehmen: Wir sind immer noch ein Paar. Mann und Frau. Wir haben uns ursprünglich nicht verliebt, weil wir auf einen guten Orga-Partner in Alltagsdingen hofften. Sondern, weil wir wir uns toll, weil wir uns anziehend fanden. Wir sind nicht nur miteinander ins Bett gegangen, um Kinder zu haben, sondern weil Sex das ist, was Paare von Freunden unterscheidet.

Klar – heute mangelt es oft an Gelegenheiten. Aber ganz gleich, ob es die kleinen Gesten wie der unerwartete Kuss am Kühlschrank oder die Verabredung zur Date Night im Schlafzimmer sind: Liebe braucht auch Körper, nicht nur Kopf. Liebe braucht Berührung, Zärtlichkeit, Nähe. Liebe braucht zwischendurch mal nur zwei und nicht fünf Menschen im Bett. Andernfalls wird aus dem Paar schleichend eine WG, in der die Ratio immer Vorrang vor der Romantik hat. Und das hatten wir alle doch mal anders vor, oder…?

Lachen, bis die Leichtigkeit (wieder)kommt.

Was uns immer gut tut, wenn es gerade knirscht: Gemeinsam lachen. So richtig laut und aus vollem Herzen, bis Tränen fließen und der Bauch schmerzt. Es hilft, wenn man den gleichen Humor hat. Die gleichen Trigger-Punkte, an denen man einfach rausplatzt.

Im Alltag erleben wir uns oft in so vielen spaßbefreiten Situationen – gestresst vom Job, angespannt vom Familienirrsinn, im Clinch mit den Kindern – da ist es zwischendurch sehr liebesförderlich, einfach laut rauszuprusten. Weil ein lachendes Gesicht immer attraktiver ist als ein mürrisches. Sich das zu bewahren, ist für jede Beziehung essenziell.

Wir wissen, was wir wollen.

Was wir aneinander haben, was wir in 16 Jahren gemeinsam gestemmt haben. Wie wir gewachsen sind, aneinander, miteinander. Wir erinnern uns daran, wo wir ursprünglich herkommen – und wir wissen, wo wir noch hin wollen. Wir haben nie aufgehört Päne für die Zukunft zu schmieden. Meines Erachtens gibt es kein besseres Indiz dafür, dass wir aneinander festhalten wollen.

Denn dieses wollen ist nicht nur ein Teil des Versprechens, das man sich zu Beginn einer Beziehung oder einer Ehe gibt. „Ja, ich will!“ ist ein immer wiederkehrendes Wollen und Entscheiden füreinander. Auch wenn es nicht jeden Tag traumhaft ist.

Was wäre der eine Ratschlag, den ihr anderen Paaren mit auf den Weg geben würdet?

Alles Liebe,

Katia