Man könnte meinen, unser Hamburger Nieselwetter sei eine Erfindung der Gesellschaftsspiel-Industrie. Tatsächlich habe ich mich erst in Hamburg ins Spielen verliebt, kurz nachdem ich mich in meinen Mann verliebt habe. Der war schon vorher Spiele-Fan und brachte zwei deckenhohe Ikeaschränke voll mit in unsere Beziehung…

Als wir noch keine Kinder hatten, veranstalteten wir mit Freunden regelmäßig Spielnächte. Wir legten die Matratzen nebeneinander auf den Wohnzimmerboden, stellten Teller mit Fingerfood daneben, damit wir bloß nicht aufstehen mussten, wenn es gerade richtig spannend war. Und damit wir nach dem Aufwachen sofort wieder weiterspielen konnten.

Heute habe ich fünf spielverliebte Männer im Haus – und insgesamt inzwischen drei Ikeaschränke voll. Jetzt im Herbst und Winter spielen wir beinahe jeden Abend ein Spiel, am Wochenende auch mal zwei oder drei. Ich mag, dass es meistens friedlich dabei zugeht, weil sich alle konzentrieren. Und trotzdem können die Kinder ihre kleinen Wettkämpfe ausfechten – per Würfel und nicht per Faust. Die beiden Großen holen inzwischen oft auch mit Freundebesuch ein Spiel aus dem Schrank und beschäftigen sich nicht selten mehrere Stunden damit. Herrlich gemütliche Nachmittage.
Die schönsten Gesellschaftsspiele für Kinder
Zusammen mit den Jungs habe ich unsere sieben Lieblingsspiele gekürt – vielleicht ist ja auch eins für euch dabei. Und natürlich ist mir klar, was ich zu tun habe, sobald sie diesen Artikel gelesen haben: Eine Spielenacht mit Matratzenlager organisieren, natürlich.

1. Mein Kirchbaum
Wir haben es seit mein erster Sohn zwei ist, nicht diese Variante, aber das Spiel an sich, damals vom Flohmarkt. Mein gerade Fünfjähriger liebt es, die kleinen roten Plastikkirschen an die Pappbäume zu hängen, das Glücksrad zu drehen und dann entweder ein, zwei oder drei Kirschen in seinen Eimer zu werfen, beim Nachbarn zu mopsen (am Besten!) oder eine Runde auszusetzen (oh weh!). Und sogar der Neunjährige spielt ab und zu nochmal ganz gern mit.

2. Carcasonne Junior
Ein herrlich einfaches Spiel, bei dem mit Karten Wege und Straßen gelegt und jeder Spieler entsprechend der Farbflecken seine Spielfiguren aufstellen darf, sobald ein Weg geschlossen wird. Die Kleinen bei uns mögen es, weil sie damit bei einem richtigen Spiel richtig mitspielen können. Die Großen, weil sie längst verstanden haben, dass man mit Taktik wahrscheinlicher gewinnen kann. Und nach dem Spielen würden meine Kinder am liebsten auf dem Spielplan mit ihren Autos und Holztieren spielen – so schön sieht er aus.

3. Spiel des Lebens
Verrückt, ich kann mich noch daran erinnern, wie gern ich dieses Spiel früher gespielt habe. Jetzt höre ich meinen Jungs mit ihren Freunden zu, wenn sie es spielen. So ein auf dem Brettspiel gelebtes Leben, bei dem der Würfel über die Hochzeit und Anzahl der Kinder entscheidet, man Job und Eigenheim per Spielkarte aus zwei Optionen aussuchen darf und eben mal am Glücksrad mit seinem Spielstein auf rot oder schwarz gewinnt oder verliert, genau dieses beinahe normale Leben, verliert wohl nie seinen Reiz.

4. Schnappt Hubi
Als wir es neu hatten, wurde Hubi jeden Tag aus dem Regal geholt. Heute gibt es auch mal Hubi-freie Tage, beliebt ist das Gespensterspiel aber noch immer. Kein Wunder, die Spieler verbünden sich gegen Hubi und müssen ihn gemeinsam finden und das Tollste: das Spiel redet dabei dank Batterie mit ihnen und gibt Anweisungen. Je nachdem wer Maus oder Hase ist, darf bloß bestimmte Wege gehen. Und man gewinnt oder verliert als Gruppe, was ja auch mal ganz schön ist. Außerdem ist das aufwendig illustrierte Spielfeld, dass ein uraltes Haus zeigt, ein beinahe magisches, fantasieanregendes Wimmelbuch.

5. Stone Age Junior
Die Kinder lieben die aufwendig gestalteten Fische, die hölzernen Blaubeeren und Werkzeuge. Und sie lieben es, dass es ein richtiges Spiel ist, dass sie mit uns spielen können. Andre und ich lieben es, dass es ein richtiges Spiel ist, dass sie mit uns spielen können.

Alle Spieler sammeln auf ihrem Weg durch die Steinzeit Waren, mit denen sie schließlich Hütten bauen können. Sie müssen sich dabei, wie beim Memory, Motivplättchen gut einprägen. Ganz besonders beliebt bei meinen Kindern ist der Hund, den man sich beim Bauen zur Hilfe holen kann.

6. Kinder Kniffel
Dieses Spiel, in exakt dieser Benjamin Blümchen Variante, haben einer meiner Söhne und ich eine Woche beinahe ununterbrochen gespielt – als er mit Gipsarm (und mir) im Krankenhaus lag. Ab und zu drückt er seinen Kopf an mich und sagt: „Das war eigentlich ganz schön da mit dir und Benjamin.“ Mein jetztFünfjähriger liebt es ebenso, es macht einfach Spaß, die Motivwürfel zu werfen, auf seiner Platte seine Kniffelreihen zu zählen und die kleinen bunten Plättchen auf seiner Spielkarte zu sammeln. Einfach ein schönes Spiel, dass man immer und immer wieder spielen kann. (Und psst, genau hinschauen lernt man bei den kleinen Würfelmotiven auch, flüstert die Lehrerin in mir.)

7. Biber Bande
Spielen wir derzeit fast jeden Abend, weil es so schnell aufgebaut und gespielt ist. Jeder bekommt vier Karten, darf sich aber nur die beiden Äußeren ansehen. Dann muss durch Karten ziehen und tauschen der Zahlenkarten ein Blatt mit einem möglichst niedrigen Zahlenwert erreicht werden. Bis einer klopft – und es manchmal eine große Überraschung gibt.
Sogar der Fünfjährige spielt mit – mit offenen Karten (und ein bisschen Hilfe). Auch super zum Mitnehmen in den Urlaub. Suchtgefahr!

Und was spielt ihr am Liebsten?
Herzlichst,

Claudi