Manchmal muss ich mich selbst kneifen und mich daran erinnern, was aus meiner Stilltee-Idee von damals geworden ist. Fakt ist: Ich habe diesen Blog 2012 gegründet, kurz nachdem ich meine Redakteurinnenstelle bei einem großen Frauenmagazin gekündigt hatte, weil ich mir mit den Arbeitszeiten nicht vorstellen konnte, nebenbei ein Kind zu erziehen. Dann saß ich stillend zuhause – und mir fehlte das Schreiben. Neun Jahre später hat dieses Blogmagazin verrückterweise genauso viele Leser im Monat, wie das Magazin damals…

Heute arbeite ich ganz sicher genauso viel wie früher, wenn nicht mehr. Allerdings völlig selbstbestimmt. Manchmal macht mir das Angst. Es ist einfach so viel Verantwortung. Aber meistens macht es mich unglaublich zufrieden. Ich habe das große Glück, einen Job gefunden zu haben, der sich die meiste Zeit über nicht nach Job anfühlt. Einen Job, in dem ich meine vielen Interessen ausleben kann, der nie langweilig wird (das mag ich nämlich gar nicht). Ein Job, in dem ich Tag für Tag Neues ausprobieren kann. Ein Job, der mir viel mehr Energie gibt, als er mir nimmt.

Was wir hier machen, ist nicht immer perfekt.

Das ist sicher ein Grund, warum ich es seit Jahren schaffe, wie geplant (fast) jeden Werktag zu posten. Ich habe eine Idee, setze sie um, haue sie raus. Für mich, die den redaktionellen Schreibstruggle zwischen Betonwänden aka Textchefin, Chefredakteurin und Schlussgrafik kennt, fühlt sich das jedes Mal frei an, wie Tag eins der Sommerferien. Kein Anzeigenfuzzi kann heute wie damals im letzten Moment mit einem Kundenwunsch in mein Büro schneien und meine großartige Geschichte dafür um hundert Zeilen kürzen. Für die Abbildung eines Abführmittels.

Heute bin ich selbst Anzeigenfuzzi, haha. Ich ecke auch öfter mal an, weil ich aus dem Bauch heraus schreibe und keine Schlussredaktion meine Gedanken prüft. Manchen Artikel von früher würde ich heute anders schreiben. Ich lasse die meisten trotzdem stehen. Weil ich es schön und wertvoll finde, dass man hier sehen kann, wie etwas wächst und sich entwickeln darf. Wie etwas nicht perfekt sein muss, um eine gute Idee zu sein. Wie man Fehler machen darf – und trotzdem nicht die Welt zusammenbricht. Wie man etwas Großartiges schaffen kann, wenn man Mut hat und bereit ist, viele, viele Stunden Arbeit in einen Traum zu stecken. Es tut so gut, etwas zu wagen.

Wenn du auch so einen Traum hast, dann fang an, ihn umzusetzen.

Heute schreibe ich hier nicht mehr allein. Klingt einfach, fiel mir anfangs nicht leicht. Ein Blog ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Ein bisschen wie die eigene Wohnung, in die man Fremde einlädt. In seinen eigenen vier Wänden plötzlich andere Gastgeber sein zu lassen, ist ein wirklich seltsames Gefühl. Noch dazu übe ich mich immer noch darin, Chefin zu sein. Ich hatte auch Angst, durch gemeinsames Arbeiten Freundschaft aufs Spiel zu setzen. Aber ich habe es gewagt – und heute bin ich so happy.

WASFÜRMICH Redakteurin Katia schreibt so tolle Texte, dass ich sie oft nicht mal vorher gegenlese, weil ich absolut sicher bin, dass sie passen. Grafikerin Claudia weiß schon, wie mein Wunschdesign aussieht, bevor ich es weiß. Die Fotografinnen Ilona und Louisa sind echte Zauberinnen und geben mir immer ein gutes Gefühl. Und ich freue mich riesig, wenn eine meiner freien Texterinnen ein tolles, neues Projekt schickt. Seit wir hier ein Team sind, gibt es für euch noch mehr Abwechslung – und für mich bleibt Zeit für andere Projekte.

Ich schreibe hier seit einer gefühlten Ewigkeit. Ein paar Dinge, die ich nie vergessen werde…

Vor neun Jahren buchstabierte ich meinen Freundinnen das Wort B-L-O-G und versuchte zu erklären, warum ich damit meine schlaflosen Nächte noch schlafloser machte. Das Verrückteste: Ich wusste es selbst nicht so genau.

Vor sieben Jahren schrieb ich über die Schwangerschaft und Geburt meines dritten Kindes (wieder ein Junge!) und merkte, nicht nur ich gebe euch ganz viel. Sondern ihr auch mir.

Vor fünf Jahren brachte der Blog zum ersten Mal mehr Geld ein, als er verschlang und ich reduzierte meine Stunden an der Schule. Alle fragten mich, ob ich vollkommen wahnsinnig geworden sei.

Vor drei Jahren schimpfte ich in einem Text schroff über Amazon-Callcenter und unterstellte, dass die gefühlt in Mittelsibirien sitzen würden. Keine Stunde später schrieb mir jemand (zurecht) beleidigt aus Mittelsibirien. Ich habe den blöden Satz gestrichen und mich entschuldigt. Genau wie für den lapidar dahin geschrieben Satz über verschmutze Hamburger S-Bahn-Waggons. Die Hamburger S-Bahn teilte mir mit, dass die doch nun wirklich alle gerade gereinigt worden wären. Ich merkte, dass hier ganz schön viele lesen.

So viele Geschichten zwischen den Geschichten.

Vor zwei Jahren trauten wir uns, mein eigenes Kochbuch herauszubringen. Wir haben den Titel „Barfuß in der Küche“ an dem Morgen gesichert, als mir abends jemand schrieb, dass meine dauernackten Füße in meiner Instagram-Story eklig seien. Ich mag den Titel trotzdem sehr. Übrigens: Die Diele meiner Schwiegereltern ist seither ein Großlager. Groß gefeiert werden kann da nicht mehr.

Vor einem Jahr behauptete ich in einer flapsigen Zeile, dass mein Türkranz genauso schick wäre, wie einer aus dem Blumenladen. Stimmt natürlich nicht. Nochmals Sorry an alle Floristen.

Vor einem halben Jahr ging für mich in Sachen Schreiben ein absoluter Kindheitstraum in Erfüllung, von dem ich euch im nächsten Jahr endlich erzählen darf. Das habe ich vor allem diesem Blog und der täglichen Schreiberei zu verdanken. Und euch natürlich.

Heute feiern wir also wirklich die erste WASFÜRMICH-Weihnachtsfeier. Klingt banal, für mich ist es etwas wirklich Besonderes.

Wenn du magst, kannst du in meiner Instagram-Story heute Abend ein wenig dabei sein. Ich stelle dir auch das Team ein bisschen vor. Wir würden uns freuen, wenn du ein wenig mit uns feierst.

Fotos: Ilona Habben

Claudi