Mein Mann ist vermutlich jeden Tag dankbar, dass meine Emaille-Phase vorbei ist. In der habe ich von jedem Trödelbesuch mindestens einen ramponierten Milchtopf angeschleppt – und damit unsere Wohnung dekoriert. Das war der Zenit meiner Shabby-Chic-Zeit, eine besonders schrabbelige Ausprägung des Landhausstils, dem ich lange anhing. Davor hatte ich eine orangebraune 70er-Phase mit Lavalampe und sehr psychedelischem Geschirr. Gerade liebäugel ich zunehmend mit dänischem Design-Chic. Und zwischendurch frage ich mich immer wieder: Hat das eigentlich Stil, wie ich unser Interior zusammenmixe…?

Es war mir nie egal, wie mein Zuhause aussah. Alles war liebevoll kuratiert, immer zuerst nach ästhetischen statt nach praktischen Prinzipien ausgewählt – auch wenn es nur alte Teekisten als Kleiderschrank waren. Überhaupt: Das verbindende Element all meiner Stil-Ausprägungen war wohl „alt“. Vielleicht, weil mein Elternhaus ein wunderbar einladender Mix aus antiken Sperrmüll-Mobiliär und geliebten Erbstücken war. (Wahnsinn, was die Leute in den 70ern so alles weggeschmissen haben!) Und bis heute ziehen Lieblingsstücke wie der ehemalige Küchentisch meiner Uroma in jede Wohnung mit um.

Trotzdem ärgere ich mich manchmal, dass ich nicht früher in Designklassiker investiert habe.

Sondern jahrelang mein Wohn-Budget für verbeultes Blech und wurmstichige Weichholzmöbel ausgegeben habe. Denn irgendwann fand ich ausschließlich „antik“ und „alt“ einfach nur noch oll. Ähnlich überstrapaziert wie den Landhausstil, an dem ich mich mehr als satt gesehen hatte.

Wie das meiste im Leben ist auch der Wohnstil eine Phase. Als Studi wohnt man anders als früher als Teen (Hach, Joy-Gläser!). Als Großfamilie richtet man sich anders ein als in der Schwestern-WG. Man passt seine Einrichtung seinen Bedürfnissen und dem Budget an, lässt sich von Moden mitreißen und entrümpelt mit dem Sperrmüll nicht nur Fehlkäufe, sondern einen Lebensabschnitt gleich mit.

Und vor einem Umzug ins eigene Heim schaut man besonders prüfend auf das, was ein Zuhause auf Dauer werden soll. Was ist unnützer Ballast? Was gehört untrennbar zu uns, wie wollen wir uns einrichten, um uns möglichst lange damit wohlzufühlen? Als die Zimmerleute unser Holzhaus hochzogen, bastelte ich das erste Mal in meinem Leben Moodboards. Als der Estrich gegossen war, erstellte ich lauter Lieblings-Listen mit zeitlosen (und unerschwinglichen) Skandi-Klassikern. Als der Maler kam, war ich unermüdlich auf Kleinanzeigen-Shopping Tour. Und selbst jetzt – eineinhalb Jahre später – bin ich weit entfernt von fertig eingerichtet. Aber immer noch mit viel Herzblut dabei.

Bei mir sieht’s trotzdem nie nach Insta-Interior-Profil aus.

Selbst, wenn ich wollte – irgendein Möbel, irgendein Wohnaccessoire bürstet ein harmonisches Gesamtbild verlässlich gegen den Strich. Da steht der Industrial-Barhocker vor dem antiken französischen Küchenbüffet, hängt das gerahmte Kinderbild neben der Leuchte eines niederländischen Design-Labels und einem quietschgrünen Nilpferd als Dekoobjekt. Und überall dazwischen lagert Kinderspielzeug in alten Apfel-Kisten.

Nichts passt wirklich zusammen – aber genau das mag ich: Kräftige Wandfarben gepaart mit ein bisschen Modern Skandi, einem Touch Boho, jeder Menge Nostalgie, vielen Flohmarkt-Funden – und in all dem ganz viel Wir. Ganz viel Geschichten: Wie wir unser schönes Klavier bekommen haben, an dem die Kinder schon morgens ab sechs klimpern. Dass Mama schon als Kind auf dem Flechtstuhl gesessen hat, an dem sich die Katzen immer ihre Krallen wetzen.

Ich kann keinen Clean Chic. Unser Familienleben ist bunt, nicht beige – und so ist mein Stil.

Ein eklektischer Mix aus Epochen und Lebensphasen, aus Erinnerungsstücken, Fundsachen und das-gönn-ich-mir-jetzt-endlich-Teilen. Dieser Stil wächst mit mir und unserem Leben immer weiter, er verändert sich im Einklang mit Vorlieben und Wünschen, mit neuen Ideen und Inspirationen.

Ich wollte nie ein Hochglanz-Heim. Sondern ein individuelles Zuhause, in dem wir leben, lieben und uns wohlfühlen. In dem wir ein Auge für all das Schöne um uns herum haben – und trotzdem keine Angst, dass ein schräges Teil irgendein Arrangement sprengt. Einen Ort, an dem ich damit rechnen muss, dass geliebte Dinge beim Toben auch mal kaputt gehen können. Insofern warte ich mit der Thonet-Sitzgruppe vielleicht doch noch, bis der Dreijährige keine Möbel mehr mit Filzstiften verziert…

Unikate und Schnäppchen finde ich verlässlich hier:

Allen voran tatsächlich bei Ebay Kleinanzeigen. Ganz gleich, ob unser Bolia-Sofa, das String-Regal oder unser wunderschönes Klavier – all das habe ich über die Zeit dort gefunden. Ich suche mittlerweile oft ganz gezielt nach einzelnen Marken, die ich mag – und schaue, was ich so finde. Da komme ich dann statt zu einem Schreibtischstuhl vielleicht plötzlich zu einer Lampe. Aber wenn ich eines über die Jahre gelernt habe: Einrichtung braucht Zeit. Da muss man eben auch Umwege in Kauf nehmen – und sich an Überraschungsfunden freuen.

Das ist ja auch das Flohmarkt-Prinzip: Losstöbern und Schätze, die man gar nicht finden wollte, mit nach Hause nehmen. Lohnt sich gerade in Sachen Keramik oder anderer Deko-Teile immer! Ist auch mein liebster Urlaubs-Hack: In fremden Städten trödeln gehen. Hier gibt es eine deutschlandweite Übersicht von Flohmärkten.

Wenn ich doch mal Lust auf etwas Neues habe, ist dies der Design-Dealer meines Vertrauens. Ich habe dort nicht nur unseren tollen Esstisch her, sondern auch diverse Lampen. Lohnt! Und was immer noch auf meiner persönlichen Wishlist steht: Diese Knaller-Fronten passen auf Küchen- oder Badfronten von IKEA – und sind einfach nur wow!

Meine Emaille-Pötte sind übrigens mittlerweile auf die Terrasse umgezogen – als Blumenübertöpfe in allen Farben und Mustern macht sich die Sammlung super. So kann mein Mann mittlerweile auch damit leben…

Und welchen Stil liebt ihr so?

PS: Wegen der Verlinkungen muss ich den Post als Werbung kennzeichnen. Es handelt sich aber um einen rein redaktionellen Beitrag, alle Empfehlungen sind meine persönlichen und nicht Teil einer Kooperation.

Alles Liebe,

Katia