Die allererste Frage (nach den überraschten und manchmal entsetzten Blicken), die ich zur Zeit immer und überall gestellt bekomme, von Freunden und von völlig Fremden, ist: „Und, wisst ihr schon was es wird?“
Schwangerschaft, Babybauch, Geschlecht wissen,
Klar, ich stelle die Frage selbst oft anderen Schwangeren. Sie ist einfach ein prima Gesprächsbeginn in die ganze Babybauch-Schwangerschafts-Familiennummer. Und quasi eine exklusive Eintrittskarte ins Kopfkino. Bei meinen vergangenen drei Schwangerschaften wollte ich immer so früh wie möglich wissen, was wir haben würden. Es war ganz normal, jeder sprach darüber und jeder um mich herum fragte ständig danach.

Ich dachte, wenn ich es wüsste, könnte ich besser für das Baby einkaufen, die Babyecke einrichten, über den Namen nachdenken und mir unser Familienleben zu dritt, zu viert und schließlich zu fünft vorstellen. Und: Ich glaubte, ich würde mich dem Kind in meinem Bauch näher fühlen. War vielleicht auch so. Ich weiß nicht, wie oft ich stolz „Mein Sohn!“ gedacht habe. Sehr, sehr oft. Außerdem: Ich war einfach neugierig.

Ehrlich gesagt, habe ich mir in meiner dritten Schwangerschaft wirklich sehr ein Mädchen gewünscht. Ich hatte immer gedacht, ich würde mal eine Tochter haben, schon als kleines Mädchen, es war irgendwie klar, vielleicht weil ich selbst noch immer ein Mädchen bin und irgendwie dachte ich eine ganze Weile, ohne Tochter könnte ich nicht leben. Ich wusste damals durch einen Bluttest sehr früh, dass auch mein drittes Kind wieder ein Junge werden würde und so sehr ich mich auf ihn gefreut habe, so sehr war ich manchmal leise enttäuscht, immer grübelnd, ob ich nicht eine Tochter bräuchte, zum wirklich glücklich zu sein. Dazu kamen die Kommentare der anderen, wenn ich erzählte, was wir haben würden. Von Freunden, von Bekannten, von völlig Fremden an der Supermarktkasse: „Drei Jungs – wow, wie mutig.“ Oder: „Vielleicht wird einer schwul.“ Oder: So eine Prinzessin ist schon etwas Besonderes.“ Oder tatsächlich: „Drei Jungs – du Arme!“

Selber grübelnd und glücklich und zweifelnd und hormondurchgeschleudert, alles auf einmal, bekam ich manchmal feuchte Augen. Wusste nicht so richtig, was ich sagen wollte. Grübelte noch mehr. Wenn ich zurückdenke, bin ich manchmal ein wenig traurig über diese Gedanken. Sie nahmen dem Babybekommen ein wenig von seinem Zauber.

Dann war mein dritter Sohn da, er war und ist wunderbar, er wuchs, die anderen auch, wir wurden eine Bande und je länger wir eine Bande waren, desto unwichtiger wurde und ist es, wer Junge oder Mädchen ist. Ich denke im Alltag tatsächlich nicht mehr darüber nach. Es ist völlig nebensächlich. Es fällt mir bloß dann wieder ein, wenn fremde Leute beim Anblick der Jungs einen Spruch machen.

Irgendwann war klar: Sollten wir noch einmal ein Kind bekommen, würden wir uns überraschen lassen. Und so ist es. Dieses Kind macht, wenn Gott will, unsere Familie komplett und es ist herzlich eingeladen, das zu werden, was es möchte. Es darf sehr, sehr gern noch ein Junge sein. (Ehrlich gesagt würde sich ein Mädchen sehr seltsam anfühlen. Aber wir werden sehen.) Und ja: ich weiß jetzt, ich kann sehr glücklich sein, auch ohne Tochter.

Ich streichle jeden Abend in aller Ruhe mein Baby unter der Bauchdecke und ich fühle mich ihm sehr nah. Ich bin gespannt, was es wird, ich freue mich auf die Überraschung bei der Geburt, aber ehrlich gesagt, so neugierig bin ich gar nicht. Es ist einfach nicht wichtig. Ich freue mich einfach darauf, diesen kleinen Menschen kennenlernen zu dürfen.

Nur eins fällt mir auf, nämlich dass es heute gar nicht so leicht ist, sich überraschen zu lassen. Es scheint tatsächlich nur sehr wenig Frauen zu geben, die es nicht wissen wollen. Wohl aus diesem Grund plaudern  Ärzte munter drauflos. Die Geräte sind irre scharf und sogar in den Unterlagen steht das ungeborene Geschlecht. Beim großen Ultraschall lag ich mit zusammengekniffenen Augen und Zeigefingern in beiden Ohren da, weil der Arzt sofort angefangen hatte, aufgeregt zu berichten, wo überall er mit dem Ultraschallsensor entlang fuhr: „Hier ist also das kleine Knie, wie niedlich und hier gehts jetzt den Oberschenkelknochen hoch, oh ja, und was haben wir da…“

Nur einmal hatte ich ihn vorher gebeten, mich nur anzuticken, bei einer 3D-Einstellung auf das kleine, zuckersüße Gesicht dieses kleinen Wesens tief in mir drin. Nach der Liebe auf den ersten Tritt, war sie sofort da, die Liebe auf den ersten Blick.

Und ihr? Lasst ihr euch überraschen oder habt ihr schon? Oder wollt oder wolltet ihr es wissen? Ich bin so gespannt auf eure Kommentare…

Foto: Leni Moretti

Claudi