Sobald es wieder geht, möchte ich verreisen. Das muss nicht weit weg sein. Am liebsten dorthin, wo die Liebe wohnt. Sprich, an einen Ort, den jemand mit Leidenschaft und Herzblut gebaut oder umgebaut hat. Wo man wie auf einem Wimmelbild immer noch etwas Neues entdeckt und ständig grinsen muss, weil das, was man entdeckt hat, entweder so liebevoll, so hübsch oder vielleicht sogar lustig ist. So ein Ort wie das Alte Backhaus in Haselberg

Wir waren im Januar vor einem Jahr dort. Ich kann mich noch genau an das Gefühl erinnern, das dieser Ort in mir ausgelöst hat. Weihnachten war anstrengend gewesen. Ich hatte mir vor allem Ruhe gewünscht und sie nicht bekommen. Mag dich nicht überraschen, als Mama in einer Großfamilie. Aber ich hatte doch irgendwie drauf spekuliert. Und am allermeisten hat mich wohl gestört, dass ich diese Ruhe nicht in mir finden konnte, zwischen Geschenkpapierbergen und Spielzeugchaos. Am meisten habe ich mich selbst gestresst – und damit all meine Männer.





Dann fuhren wir direkt nach Silvester los, brausten an eisigen Feldern vorbei über die Autobahn nach Brandenburg. Das liegt in Wriezen und das in Haselberg. Noch nie gehört? Ich auch nicht.

Wie herrlich entspannt ist bitte ein kleiner Familienurlaub in Brandenburg?

Als ich die kleine Pforte zum Garten aufschob, hatte ich schon so ein Gefühl. Als wir in unsere Ferienwohnung Lotta traten und ich die kleine Pinnwand entdeckte, mit einer Sternenhimmelkarte und einem Backrezept, wurde mir ganz warm. Und als ich die steile Treppe zum Schlafzimmer hoch oben in der Galerie hochkletterte, oben das Dachfenster aufschob und über den eisglitzernden Garten blickte, da atmete ich tief ein. Und wieder aus. Hier würde ich zu Ruhe kommen. Ich wusste es. Ich konnte es riechen.





Vielleicht macht eine Umgebung, die jemand anders für einen mit Liebe gestaltet hat, dass man lieber zu sich selbst ist. Ich verzieh mir auf jeden Fall meine Zickigkeit – meine Männer hatten das längst getan. Sie sind zum Glück kein bisschen nachtragend. Wir muckelten uns ein, schliefen aus, spielten Spiele, kochten, lasen, plünderten den Spielzeugschrank im Kinderschlafzimmer und gingen ab und zu mal ein bisschen raus. Aber nicht zu viel.

Ich ließ mich von diesem liebevoll renovierten Ort anstecken und sanierte meine Gedanken.

Ließ endlich mal zu, dass ich erstmal keinen Plan hatte. War nicht so streng mit mir. Machte erstmal nichts – und dann ganz langsam Pläne fürs neue Jahr. Es fühlte sich gut an. Wir waren nur ein paar Tage in Haselberg, aber es reichte, um einmal alles runterzufahren. Und um dann langsam anzufangen frisch gestrichene Pläne im Kopf zu machen.


Wir pressten morgens frischen Orangensaft mit der altmodischen Saftpresse. Wir spielten im Bad Tic Tac Toe mit den Klopapierrollen im Klopapierregal mit den neun kleinen Fächern. Wir reservierten unten im Gewölbekeller die Sauna, schwitzen alles raus und kuschelten uns hinterher mit einer Zeitschrift auf die Liegen. Die Kinder spielten in einer Gewölbenische Dinofamilie – wir hatten ja dank Reservierung alles für uns. Hinterher spielten wir Fußball im Garten mit den beiden Inhabern vom Alten Backhaus, Julia und Stefan, ließen uns einmal das ganze Haus und alle fünf Ferienwohnungen zeigen und verabredeten uns für abends auf ein Glas Wein. Es wurden mehrere – ich glaube, Julia und Stefan blieben bis vier. Sie sind wirklich wahnsinnig nett und haben furchtbar viele spannende Dinge über die Renovierung ihres Ferienhofes zu erzählen. Und noch viel mehr.

Anfang Januar, direkt nach Silvester, konnte man hier zum Glück fast nichts unternehmen. Was ich herrlich fand.

Für ihre Ferienwohnungen haben Julia und Stefan übrigens die allerbeste Infomappe angelegt, die ich je in so einem Haus gesehen habe. Es stehen sehr persönliche und herrlich ehrliche Tipps für Restaurants und Ausflüge darin. Man kann in der Umgebung von Haselberg nämlich überraschenderweise jede Menge unternehmen – außer Anfang Januar, direkt nach Silvester. Da gab es zum Glück fast nichts. Was ich herrlich fand. Und die Jungs erst.



Einmal sind wir nach Buckow gefahren, ein kleiner Ort in der Nähe mit Kopfsteinpflasterstraßen und sandfarbenen Häusern. Man fühlt sich, als spaziere man durch einen alten Film. Es gibt mit „Buckower Köstlichkeiten“ einen Delikatessenladen dort, wo man sich mit ein paar leckeren Snacks für den Spieleabend eindecken kann. Und mit dem Antiquariat Bibliothek Buckow einen der urigsten Bücherläden überhaupt. Die nette Besitzerin organisiert manchmal Lesungen für Kinder und hat immer Wunschsand da, in dem man sich etwas wünschen kann. (Und schaut mal auf der Webseite nach den Öffnungszeiten für Sonntags. Hach.)


In der Nähe gibt es mir dem Schwapp in Fürstenwalde noch ein Spaßbad mit Riesenrutsche, für alle, die sich mal austoben wollen. Dann waren wir noch beim Schiffshebewerk Niederfinow, was wirklich beeindruckend hoch ist und André und ich haben noch einen Bick auf das Kloster Chorin, geworfen, während die Jungs im Auto ein Date mit Bibi und Tina hatten.

Fast am schönsten war die Rückweg durch das beigefarbene Brandenburg mit Eisstaub. Alte Häuser, manchmal noch im Dornröschenschlaf, mal sonnenfunkelnd, mal matt. Und dazu die Aussicht auf das Moor durchs Straßengestrüpp: Unendlich viele, türkisgrüne Pfützen mit haarig braunen Schilfinseln. Irre schön – und ein bisschen unheimlich.


Julia und Stefan haben übrigens vor einer Weile ein Naturgrundstück gekauft und bauen darauf zunächst einen Bauwagen aus und bald dann zwei Tiny-Houses zum Mieten auf. Ich finde solche Zukunftspläne ja gerade wunderbar beruhigend. Und was ich mur noch von den beiden abgucke? Ein kleines Themenbrett im Flur. Derzeit hängt da ein Weihnachtsgedicht, eine Sternenkarte vom Dezember und ein Rezept für dänische Weihnachtsplätze, die wir noch backen könnten, wenn wie mögen.

Vielleicht renoviert ihr auch mal eure Gedanken im Alten Backhaus, sobald das wieder geht. Grüßt Julia und Stefan ganz lieb von mir!

Alles Liebe,

Claudi