Fünfeinhalb Dinge vom Wochenende

Jul
02/18

Es war ein prallvolles Wochenende. Schön. Aber anstrengend. Ach komm, vor allem schön. Ne echt, aber auch anstrengend. Der Stau auf der A7 hätte zum Beispiel wirklich nicht sein müssen. Und noch weniger die Vollsperrung auf der Umleitungsstrecke. Hat sich ein wenig nach Safari angefühlt – mitten in der Celleschen Wildnis. Das Gute: Man lernt unglaublich viel über die eigene Familie, wenn man pro Strecke von Hamburg nach Hannover um die dreieinhalb Stunden braucht…
Obsthof Feindt
1. Über den Musikgeschmack seiner Kinder zum Beispiel. Da singt man jahrelang an ihrem Bett. Da lädt man reihenweise gute Musik herunter, erstellt Playlists zu Jahreszeiten, Stimmungen und Feiertagen. Da erzählt man begeistert von kleinen Bands, die man früher bei großartigen Mini-Konzerten im Molotow gehört hat, echte Indiebands, richtige Raritäten. Und die Kinder? Wünschen sich „Atemlos“ von Helene Fischer. Die ganze lange Fahrt über.
Bunte Tüte,Kiosk
2. Nach Hause kommen. Ist es nicht verrückt, dass man schon so lange sein Leben lebt, Kinder hat, die beinahe größer sind als man selbst, längst Faltencreme kauft, Bratschläuche, Frühstücksbeutelclips und andere furchtbar erwachsene Dinge und kaum fährt man auf die Heimatstadt zu, ist man wieder sieben. Oder siebzehn. Und ich sehe mich wieder mit meiner Freundin Klingelstreiche machen (nur ein paar) und älteren Damen nachschleichen, in der riesengroßen Hoffnung, die hätten etwas ausgefressen.

Ich sehe mich wieder, wie ich mich hinter den plüschigen Kulturbeuteln verstecke, weil ich meinen großen Schwarm entdeckt, aber keine Haare gewaschen habe. Und was will der kaufen? Einen plüschigen Kulturbeutel. Und ich sehe meine Freundin und mich zum Kiosk laufen, das handwarme Markstück ganz fest in der Hand, und höre mich der geduldigen Kioskbesitzerin gefühlte zehn Minuten Anweisungen geben: „Eine saure Schlange bitte, einen Frosch, eine Colakugel, noch einen Frosch, einen Schlumpf, ach lieber doch einen sauren Hering…!“

Heute ist ein neuer Verkäufer da. Geduld hat der aber auch. Geduld fünf bunte Tüten lang.

Wickelschale nähen,
3. Ihr und eure liebe Rückmeldung. Ich freue mich so! Mein Schwups hat es gut und reist gerade durch alle möglichen Länder. Der kommt vielleicht rum, sage ich euch. Auf dem Foto oben sonnt er sich gerade in Norwegen. „Hoffentlich fällt er nicht ins Wasser…“, meinte einer meiner Söhne, als ich ihm begeistert das Foto zeigte. „Dann schreibt Mama halt noch ´Schwups lernt schwimmen`, wär doch super“, meinte der andere.

Außerdem war die liebe Hannah (@hannahsfavourites bei Instagram) genauso verrückt wie ich und hat ebenfalls den Babywickelkorb nach meiner Anleitung genäht. Und er sieht so toll aus. Außerdem ist hier ein Päckchen von einer lieben Leserin eingetrudelt, mit einem zauberhaften selbstgenähten Schweine-Kissen für Bo (und für mich, als Trost, weil er doch eins wird.) Und obwohl ich mir fest vorgenommen habe, nicht sentimental zu werden, bin ich es gestern beinahe geworden. Aber vielleicht gehört das auch einfach ein wenig dazu, zu diesem Kinderhabding. Ganz sicher sogar.
altes Land, Ausflüge in Hamburg
4. Eine Entdeckung. Ein kleines Holzboot  ist die Fähre und hat uns hinüber gefahren, nach Lühesand, einer winzig kleinen Insel in der Elbe. Als wir über den schmalen Holzsteg an Land gingen, das viele Grün sahen, die Wildblumen, die kleinen hölzernen Transport-Karren, erinnerte mich das alles sehr an Saltkrokan, beziehungsweise an Norröra, die kleine schwedische Insel, auf der die Saltkrokangeschichten gedreht wurden. Ein sandiger Weg führt über die Insel, lange Gräser von links und rechts, die uns an den Füßen kitzeln. Links eine kleine Bucht mit Strand, geradeaus eine kleine Gaststätte, dazu ein paar Wohnwagen. Mehr gibt es nicht. Wir saßen eine Weile am Strand. Wir aßen ein Eis am Stiel. Wir bauten Boote aus Schilf. Wir wollten das Fährboot um achtzehn Uhr zurück nehmen. Es war gerade sechzehn Uhr.

Die Bedienung in der kleinen Gaststätte, ein Mann Anfang dreißig,  ist jedes Wochenende hier, erzählt er. Und jede Ferien. „Was macht ihr denn hier die ganze Zeit?“, frage ich. Er lächelt. „Nichts!“, sagt er. Und lächelt noch mehr. Ich überlege, ob ich Nichtstun mit großem Strand und einem Spielplatz und ein paar Geschäften nicht besser fände. Ich denke aber auch, dass es dann nicht mehr so richtig Nichtstun ist. Als die Jungs auf Insel-Entdeckungsreise gehen, bleibe ich am Weg im Gras sitzen. Gucke Ameisen zu, die eine Grashalmbrücke über den Sandweg nehmen. Gucke an den Brombeerranken in Richtung Himmel hoch und betrachte meine zappelnden Zehen im Sand. Überlege, wie spät es sein mag. Habe das dringende Bedürfnis auf mein Handy zu schauen. Mache es aber nicht. Und plötzlich weiß ich so richtig, was der Mann meint. Und denke, dass ich das eigentlich ein bisschen üben möchte diesen Sommer, das echte Nichtstun.

Hof Neun Linden an der Bille,
5. Als die Kinder Sonntag Abend endlich im Bett sind, machen Andre und ich uns ein großes Spaghettieis. Früher habe ich das Eis immer durch die Nudelpresse gedrückt, richtig toll sah das aus. Inzwischen nehmen wir meistens Kugeln. Riesengroße Kugeln mit viel Sahne untendrunter und viel Erdbeersoße obendrauf. Wir seufzen, wir lächeln, wir schlagen beide Hände gegen die Stirn, während wir gemeinsam dieses volle, verrückte Wochenende überdenken. Dann essen wir schweigend unser Eis. Weil es doch die ganze Zeit über so schrecklich laut war. Und dann überlegen wir kurz, wie seltsam es eines Tages sein wird, wenn alle ausgezogen sind und es immer leise ist.

Fünfeinhalb. Und weil ich dieses Wochenende wohl eh ein wenig sentimental bin, muss das hier auch noch mit rein. Ist es nicht verrückt, dass Dawanda schließt! ?Ich weiß, ich hab hier gerade erzählt, dass das irgendwie grad nicht mehr so läuft, mit Dawanda und mir. Aber das endgültige Aus fühlt sich jetzt doch seltsam an. Ich sehe mich noch meine ersten Teile bestellen, damals, vor zwölf Jahren als Volontärin in der Maxi-Reaktion. Eine Sonnenbrillenhülle mit Äpfeln war meine erste Order. Und ich weiß noch, wie sehr mich diese Plattform für all die schönen Handmade- und Vintageteile inspiriert hat. Auch mein Shop hat bei Dawanda gestartet. Es hat eben alles seine Zeit…

Eine schöne Woche,

3 Kommentar zu “Fünfeinhalb Dinge vom Wochenende

  1. Tatjana on 2. Juli 2018 at 12:55 geschrieben

    Hach, wie schön. Die kleine Insel in der Elbe wäre auch etwas für mich und meine drei Jungs… *ichwillmalwiederindennorden*. Danke, dass du uns immer so schön an eurem Leben teilhaben lässt, beim Lesen denke ich ganz oft – genau wie bei uns!
    Aber eine Frage habe ich noch: wo hast du immer die superschönen Latzhosen für deine Jungs her?! Verrätst du das?
    Ganz liebe Grüße aus dem wilden Süden, Tatjana

  2. Pilli on 2. Juli 2018 at 14:30 geschrieben

    Oh, auf Lühesand wollten wir auch schon immer mal,
    und jetzt nach deiner Beschreibung noch viel dringender!

    Nichtstun hört sich immer so verführerisch an, aber ist dann doch nicht
    so einfach, glaube ich…

    Bei der Geschichte über den Musikgeschmack musste ich sehr lachen!
    Ist es nicht verrückt? Hier ist es Crazy Frog, aber: das Ramtamtam ist nun 10 J.
    und hört sich durchaus auch wieder nettere Sachen an- ich geb die Hoffnung nicht auf,
    und schleife ihn einfach weiterhin mit auf Konzerte ;).

    Habt einen tollen Sommer!

  3. Sharon on 2. Juli 2018 at 21:39 geschrieben

    Oh keine Angst, das Buch ist nicht ins Wasser gefallen. Das tolle daran, dass wir es mit hatten war übrigens, das wir es garnicht gebraucht haben während der Fahrt und es dann hier im Ferienhaus vorgelesen haben. Eigentlich hätten wie „Schwups will nicht schlafen“ auch gleich mitnehmen sollen, geht hier in Norwegen die Sonne ja scheinbar garnicht unter (ca. 4 Stunden ist es dunkel).
    Liebe Grüße und weiterhin viele schöne Augenblicke, die es wert sind niedergeschrieben zu werden 🙂
    Sharon

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