Fünf essen

Mai
11/15

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie Abendessen ohne Kinder war. Warm, schätze ich. Heiß. Ne komm, nicht was ihr jetzt denkt. Mal hab ich gekocht. Mal er. Mal der Bringdienst. Oft der Bringdienst. Wir aßen am Tisch. Oder auf dem Sofa. Oft auf dem Sofa. Heute sitzen wir zu fünft am Tisch. Ein paar Gedanken zum Essen als kleine Großfamilie…
Stokke Tripp TRapp, essen. Familienessen, Abendbrot
Wieso hab ich eigentlich schon wieder so Hunger? Ich hatte doch den Rest Risotto zum Mittag… Ach was, im Kühlschrank vergessen. Zwischenmahlzeit dito. Ich hatte seit dem Frühstück. Nichts.

Stehen da jetzt echt drei Strokke Tripp Trapp am Tisch? Neee, mach keinen Scheiß…

Ich wette die Leute beim Fernsehen, die die sich die Namen für die Kochsendungen ausdenken, haben Kinder. Kleinkinder. Mehrere. Ich sag nur: Kochduell. Die Küchenschlacht. Beef Buddies.

Zum Glück haben wir drei Tripp Trapp. Ich dachte zuerst, zwei reichen. Wollte keine Armee von Kinderstühlen. Nach drei Wochen zugucken wie der Große kein Stück auf auf dem viel zu großen Stuhl sitzen kann, hampelt, kleckert, kippelt, hab ich doch noch einen bestellt. Besser Armee als (Wut-)Anfall.

„Nein, zu Hühnerfrikassee gibt es kein Ketchup!“

Ich stehe noch mal auf und hole ein scharfes Messer.

Der Mittlere will auch ein Messer. Braucht er doch nicht? Aber hat doch dieses Süße da, von Patenonkel O. Und er isst doch so niedlich damit. Hast du gesehen, wie er letztens damit eine Erbse nach der anderen auf den Teller geschoben hat. Siehste. Hachz. Ich hol ihm schnell eins.

Wie groß der Große schon wieder geworden ist. Er erzählt von der Aufführung im Kindergarten. Die Vogelhochzeit. Er ist der Storch. Mit einem Schnabel, Mama. Mein Schnabel ist der Längste. Und Mama, was ist eigentlich ein Kerker? Und du, können Frauen eigentlich Frauen heiraten…? Dank des Abendessens hab ich eine leise Ahnung davon, was so alles im Kopf eines Vierjährigen rumsaust.

Verdammt, der Mittlere ist auch schon so groß. „Aua, schreit der Bauer“ brüllt er, immer und immer wieder und hämmert mit seinem Messer auf den Tisch herum.

„Du bist doof“, sagt der Große.

„Elber oof“, sagt der Mittlere.

„Schluss jetzt!“ sage ich.

Ein Glas fällt um.

Verdammtnochmaldasmussdochnichtseinkannstdunichaufpassenhabichdochgleichgewusst.

Wer holt Küchenrolle?

„Ja, ich hör dir zu Schatz.“

Der Mittlere schiebt hochkonzentriert mit Onkel O´s Messer Erbsen über den Tellerrand.

Ich tue so, als sehe ich es nicht.

Wie hübsch sich die Sonne auf dem Haar vom Mittleren spiegelt. Buttergelb. Mir wird ganz warm.

Ich denke, dass das hier wie in diesem Großfamilien-Werbefilm für italienische Pasta ist. Bloß ohne Pasta. Und ohne Italien. Und mit Gebrüll.

Wasser ist alle. Dieses Mal steht der Mann auf.

Ich stille am Tisch. Ich wollte bei diesem dritten Kind eigentlich nicht beim Essen stillen. Einmal für mich. Kurz in Ruhe essen. Muss doch drin sein. Er sitzt ja in seiner Tripp Trapp Schale dabei. Dann muss er eben mal kurz warten. Er brüllt. Er brüllt mehr. Ich stille doch.

Es ist ein paar Sekunden ganz still. Ich atme ein und aus.

Ich gucke meine Männer an, vom ganz kleinen bis zum ganz großen und denke was für ein Riesenglück ich habe.

Wieso ist abends eigentlich immer die rechte Brust dran? Ich kann immer noch nicht mit links essen. Ich schiebe ein halbes Dutzend Erbsen über den Tellerrand.

Der Große brüllt: „Mehr!“
Ich: „Ich möchte bitte noch ein bisschen mehr…“
Er: „Mehr will ich!“
Ich: „Ich möchte bitte…“
Er: „Man Mama, ich will aber“

Ich stehe auf weil der Apfelsaft alle ist. Seit wann trinken die Kinder eigentlich nicht mehr Wasser pur?

Nein, wirklich kein Ketchup.

Wir sind fertig, aber ich bin noch nicht satt. Weil ich noch immer nicht genug für fünf koche.
Außer wenn es Blumenkohlsalat gibt. Dann reichts. (Mir wegen der muffeligen Gesichter.)

Der Boden unter dem Tisch sieht aus wie nach einer Reiskocherexplosion.

Ich hole den Staubsauger.

An der Steckdose klebt Ketchup.

Und Essen bei euch so? Guten Appetit,

10 Kommentar zu “Fünf essen

  1. mareike on 11. Mai 2015 at 10:48 geschrieben

    Haha! Hier ziemlich ähnlich. Der Unterschied: ich hab nur einen Jungen am Tisch(und den Mann). Und zwei Mädels dazu! Laut, mindestens ein umgekipptes Glas(oft auch meins…), einer pupst-alle lachen sich kaputt, nein-wir-essen-jetzt-alle-AM-Tisch-nicht-darunter, nicht singen jetzt, nicht so laut, bitte…. Ich weiß danach selten so genau, was und vor allem: wie viel ich gegessen hab!
    Ganz oft Glücksgefühle dabei! So zwischen dem Stress!
    Liebst, Mareike
    Hab eine schöne Woche!

  2. Hallo,
    habe deinen Blog gerade eben entdeckt und gleich laut gelacht. Habe „nur“ zwei Kinder aber ein ähnliches Chaos am Tisch. Nie komme ich zum Essen, oder wenn dann esse ich zu schnell und bemerke nicht, wann ich satt bin. Wie soll man da abnehmen? Erleichternd, dass es anderen auch so geht.

    Liebe Grüße

    • Claudia on 11. Mai 2015 at 11:32 geschrieben

      Oh ja, geteiltes Chaos ist halbes Chaos, oder? Liebste Grüße und schön, dass du vorbei schaust.
      Liebe Grüße!

  3. Liebe Claudi,

    hast du schon mal bei uns am Tisch gesessen, oder woher weißt du…???
    Hier ist der einzige Unterschied: 2 Kinder…
    Aber der Rest: Genau so!
    Besonders die Sache mit der rechten Brust…
    IMMER… 😉

    Liebe Grüße
    Julia

  4. Anja on 11. Mai 2015 at 11:52 geschrieben

    Haha! Same here. Mit dem Unterschied, dass es nach wie vor unter der Woche abends kalt gibt. Zum Entstressen 😉
    Und wir haben inzwischen fünf Tripp-Trapps. Zwei am Basteltisch im Spielzimmer. Ich war das ständige Hin-und-Her-Schieben genau so leid wie das Ge- und Umkippele auf den normalen Stühlen am Basteltisch. Bei ebay-Kleinanzeigen gibts die immer wieder für 50 Euro. Ich glaube, für das kriegt man sie dann fast auch wieder los 😉
    GLG, würd mich freuen, Dich mal wieder zu sehen. Und Deine drei natürlich!!

  5. Anja on 11. Mai 2015 at 19:56 geschrieben

    haha. Wäre lustig, wenn man es nicht jeden Abend selbst GARNICHT lustig finden würde. :-(( ich hasse dieses Chaos, Gebrüll, Gesaue. Egal auf welchem Stuhl sie sitzen oder von welchem sie fallen… Es ist unentspannt und falls es doch anders sein sollte ist es spätestens bei dem kurzen Gedanken daran, wie schön es doch sein kann schon wieder vorbei: der Tisch schwimmt, das Essen wird der Katze hingeworfen, was auch immer!
    Nur manchmal ist es anders: Ich liebe Grillen mit der ganzen Familie und noch mehr Kindern: Kindertisch aus Plastik (Wird hinterher abgespritzt), plastischsten und Becher für alle Zwerge, Kartoffeln mit Quark uns Würstchen mit Ketchup dürfen wie auch immer in den Mund wandern, auf magische Art und Weise ist der Teller aller Kinder nie leer, und das obwohl man nicht selbst die Pelle der Kartoffeln akribisch entfernen musste. Selbst die kleinsten pflegen das Gespräch (völlig unverständlichen Inhaltes). Nach dem erstaunlich langen kinder-Essen und toben alle im Garten und hinterher weiss eh keiner mehr woher der Dreck am Kind nun genau kommt und nach all der Aufregung ist auf magische Art und Weise abends trotzdem alles friedlich. Genial!
    Ich freu mich auf das nächste Grillen und versuche solange Ruhe zu bewahren…vergeblich vermutlich!
    Lieben Gruß,
    Anja

  6. Anja on 12. Mai 2015 at 08:12 geschrieben

    Sehr schön, hier sind fünf Rabauken, plus Hund, der mir allerdings nach dem Essen den Staubsauger erspart ☺

  7. Nicole on 24. März 2017 at 16:20 geschrieben

    Herrlich! 😃
    Hier ganz ähnlich, wenn auch nur mit zweien.

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