Ich weiß gar nicht mehr genau, wie Abendessen ohne Kinder war. Warm, schätze ich. Heiß. Ne komm, nicht was ihr jetzt denkt. Mal hab ich gekocht. Mal er. Mal der Bringdienst. Oft der Bringdienst. Wir aßen am Tisch. Oder auf dem Sofa. Oft auf dem Sofa. Heute sitzen wir zu fünft am Tisch. Ein paar Gedanken zum Essen als kleine Großfamilie…
Stokke Tripp TRapp, essen. Familienessen, Abendbrot
Wieso hab ich eigentlich schon wieder so Hunger? Ich hatte doch den Rest Risotto zum Mittag… Ach was, im Kühlschrank vergessen. Zwischenmahlzeit dito. Ich hatte seit dem Frühstück. Nichts.

Stehen da jetzt echt drei Strokke Tripp Trapp am Tisch? Neee, mach keinen Scheiß…

Ich wette die Leute beim Fernsehen, die die sich die Namen für die Kochsendungen ausdenken, haben Kinder. Kleinkinder. Mehrere. Ich sag nur: Kochduell. Die Küchenschlacht. Beef Buddies.

Zum Glück haben wir drei Tripp Trapp. Ich dachte zuerst, zwei reichen. Wollte keine Armee von Kinderstühlen. Nach drei Wochen zugucken wie der Große kein Stück auf auf dem viel zu großen Stuhl sitzen kann, hampelt, kleckert, kippelt, hab ich doch noch einen bestellt. Besser Armee als (Wut-)Anfall.

„Nein, zu Hühnerfrikassee gibt es kein Ketchup!“

Ich stehe noch mal auf und hole ein scharfes Messer.

Der Mittlere will auch ein Messer. Braucht er doch nicht? Aber hat doch dieses Süße da, von Patenonkel O. Und er isst doch so niedlich damit. Hast du gesehen, wie er letztens damit eine Erbse nach der anderen auf den Teller geschoben hat. Siehste. Hachz. Ich hol ihm schnell eins.

Wie groß der Große schon wieder geworden ist. Er erzählt von der Aufführung im Kindergarten. Die Vogelhochzeit. Er ist der Storch. Mit einem Schnabel, Mama. Mein Schnabel ist der Längste. Und Mama, was ist eigentlich ein Kerker? Und du, können Frauen eigentlich Frauen heiraten…? Dank des Abendessens hab ich eine leise Ahnung davon, was so alles im Kopf eines Vierjährigen rumsaust.

Verdammt, der Mittlere ist auch schon so groß. „Aua, schreit der Bauer“ brüllt er, immer und immer wieder und hämmert mit seinem Messer auf den Tisch herum.

„Du bist doof“, sagt der Große.

„Elber oof“, sagt der Mittlere.

„Schluss jetzt!“ sage ich.

Ein Glas fällt um.

Verdammtnochmaldasmussdochnichtseinkannstdunichaufpassenhabichdochgleichgewusst.

Wer holt Küchenrolle?

„Ja, ich hör dir zu Schatz.“

Der Mittlere schiebt hochkonzentriert mit Onkel O´s Messer Erbsen über den Tellerrand.

Ich tue so, als sehe ich es nicht.

Wie hübsch sich die Sonne auf dem Haar vom Mittleren spiegelt. Buttergelb. Mir wird ganz warm.

Ich denke, dass das hier wie in diesem Großfamilien-Werbefilm für italienische Pasta ist. Bloß ohne Pasta. Und ohne Italien. Und mit Gebrüll.

Wasser ist alle. Dieses Mal steht der Mann auf.

Ich stille am Tisch. Ich wollte bei diesem dritten Kind eigentlich nicht beim Essen stillen. Einmal für mich. Kurz in Ruhe essen. Muss doch drin sein. Er sitzt ja in seiner Tripp Trapp Schale dabei. Dann muss er eben mal kurz warten. Er brüllt. Er brüllt mehr. Ich stille doch.

Es ist ein paar Sekunden ganz still. Ich atme ein und aus.

Ich gucke meine Männer an, vom ganz kleinen bis zum ganz großen und denke was für ein Riesenglück ich habe.

Wieso ist abends eigentlich immer die rechte Brust dran? Ich kann immer noch nicht mit links essen. Ich schiebe ein halbes Dutzend Erbsen über den Tellerrand.

Der Große brüllt: „Mehr!“
Ich: „Ich möchte bitte noch ein bisschen mehr…“
Er: „Mehr will ich!“
Ich: „Ich möchte bitte…“
Er: „Man Mama, ich will aber“

Ich stehe auf weil der Apfelsaft alle ist. Seit wann trinken die Kinder eigentlich nicht mehr Wasser pur?

Nein, wirklich kein Ketchup.

Wir sind fertig, aber ich bin noch nicht satt. Weil ich noch immer nicht genug für fünf koche.
Außer wenn es Blumenkohlsalat gibt. Dann reichts. (Mir wegen der muffeligen Gesichter.)

Der Boden unter dem Tisch sieht aus wie nach einer Reiskocherexplosion.

Ich hole den Staubsauger.

An der Steckdose klebt Ketchup.

Und Essen bei euch so? Guten Appetit,

Claudi