Lange nicht mehr geschrieben, heute mal wieder Lust drauf gehabt: Meine 5-Dinge. Lauter Sachen, die mich glücklich oder nachdenklich gemacht haben. Heute: Getippt auf einem gurkengrünen Ledersofa in einem kleinen roten Haus in Holmsjö…

1. Einer meiner schönsten Momente gestern und heute: Mit einem Kaffee und einem Magazin auf der Ferienhauscouch, Blick auf den grasgrünen Garten und ein zauberhaftes schwedisches Gutshaus, mit Weiß gezackten Holzverzierungen und kreisrunder Kieseinfahrt, das einen fest daran glauben lässt, dass diese Inga Lindström-Filme im ZDF doch echt sind.

Dann der Gedanke, dass der Blick zuhause beinahe ebenso schön, der Kaffee dagegen viel besser und das Sofa bequemer ist. Und plötzlich die Einsicht, dass neben dem Ausblick vor allem der Kopf das Feriengefühl macht. Das Raussein aus dem täglichen Trott. Das „Einmal im Kreis um sich herum drehen und zu sich selbst gucken.“

Ich hab also den Moment genossen – aber mir gleichzeitig ganz fest vorgenommen, dieses Seufz-Gefühl als Mitbringsel mitzunehmen.

Später habe ich meine Kinder draußen gehört und mich aufgesetzt, um ihnen zuzuschauen. Mich kurz geärgert, dass ich ihnen zuhause so selten bewusst zuschaue. Dann aber weiter Kinder-TV geguckt, plötzlich sogar Fußball gut gefunden, weil sie es von 4 bis 11 Jahren alle gemeinsam machen  und wieder mal zu fühlen, dass mich wenig so glücklich macht, wie zu sehen, dass meine Kinder miteinander eine gute Zeit haben. Noch glücklicher, als wenn ich mit ihnen eine gute habe…

2. Unser hübsches Walmdach-Haus hier kann ich nicht mitnehmen, dafür habe ich mir mein Schweden-Gefühl-to-dress nach Hause bestellt. Ich weiß jetzt schon, dass ich dieses Kleid sehr, sehr viel tragen werde in diesem Sommer. Und mich jedes Mal fühlen werde, wie an Mittsommer auf Saltkrokan. Skal.

3. Annika Büsing, eigentlich Gymnasiallehrerin, hat eine herrlich ungewöhnliche Liebesgeschichte geschrieben. Wer sich da verliebt? Eine 25-jährige Bademeisterin, die aus zerrütteten Familienverhältnissen stammt und eine Vergewaltigung hinter sich hat, und ein früh an Kinderlähmung erkrankter Mann, der als „Krüppel“ verhöhnt zum Außenseiter wurde. Die Sprache ist gleichzeitig zart und komisch, derb und einfühlsam – eine besonderes Buch.


4. Plötzlich so richtig aufregend wird Salat als Wrap mit Hummus und einem lässigen Tahin-Dressing. Ich breite dafür die gewaschenen Salatblätter aus, streiche Hummus drauf und streue Möhren- und Rotkohlstückchen sowie Sprossen drüber. Manchmal auch Avocado.

Einrollen, mit Soße und besprenkeln oder eindippen und aufessen. So lecker! Könnte ich mich reinlegen.


5. Familie ist, wo die skurrilsten Gespräche stattfinden, oder? Bei uns gestern:

Sohn, wütend: „Aber wir gehen doch nicht mit allen angeln, doch nicht mit den Kleinen…?“

– Melodisches Gemaule am Tisch. –

Ich, leicht genervt, aber bemüht  freundlich zischend: „Doch. Heute Morgen gehen wir eben Spaß angeln. Und heute Abend ohne die Kleinen angeln wir ernst…!“

Lautstarker Aufruhr von beiden Seiten, von groß und von klein.

André, ganz ruhig: „Der Ernst, der schwimmt hier nämlich im Wasser.“

Kurze Stille.

Alle prusten los.

Familie ist, wo Unterhaltungen nicht witzig sind, wenn man sie später anderen erzählt oder gar aufschreibt, oder? Man aber Wochen später allein in der Bahn noch schmunzeln muss. Wir haben den ganzen Tag über diesen Ernst gelacht, der im schwedischen See schwimmt und vielleicht anbeißt. Und wenn irgendwas doof war, hat einer Ernst erwähnt. Dann ging’s wieder.

Genau das ist Familie. Und das ist das Magische daran.  Solche Sätze schreiben wir also besser gleich auf, vielleicht in eins unserer Sprüchebücher aus dem WAS FÜR MICH-Shop.

Fotos: PR, Reserved, privat

Alles Liebe und eine schöne Woche,

Claudi