Was für ein Glück, dass mein Passwort voreingestellt war. Ganz ehrlich, nach all der Zeit, wäre es mir vielleicht nicht mehr eingefallen. Es ist grad genauso ruhig bei uns, wie hier lange Zeit auf dem Blog, während ich diese Zeilen schreibe. Was wirklich selten vorkommt, am frühen Sonntag Morgen. Die beiden Kleinen spielen (mit einem Pappkarton), die beiden Großen sind mit André beim Sport. Mein Kopf ist erschreckend leer, ich weiß noch nicht, ob es an dem langen Abend mit Freunden gestern liegt (dem zweiten an diesem Wochenende, yeah!), oder daran, dass ich außer Rezepte so lange nichts geschrieben habe…

Fühlt sich tatsächlich an, als müsste ich die Schreibzutaten erstmal wieder zusammensuchen, wie die Zutaten für ein Rezept. Damit ich hier endlich mal wieder was Ordentliches brutzeln kann. Ich weiß noch nicht, wie ich das finde. Inspirierend? Oder auch ein wenig beängstigend? Ich habe die Schreiberei öfter vermisst. Ich formuliere tatsächlich oft meine Gedanken in Blogposts. Um sie für mich selbst zu ordnen. Manchmal auch um sie abhaken zu können. Mal sehen, wie oft ich hier überhaupt etwas hinkriege, bis das Kochbuch fertig ist. Es ist natürlich mal wieder viel mehr Arbeit, als ich gedacht habe.

Während ich immer noch schreibe und schreibe, haben viele meiner Freunde parallel angefangen, all die Rezepte Probe zu kochen. Und ich merke dabei, dass es gar nicht so einfach ist, einfach mal seine Lieblingsrezepte aufzuschreiben. Denn gerade wenn man sie schon Dutzende Male gekocht hat, vergisst man die Hälfte.

Es fällt mir übrigens überhaupt nicht leicht, nicht auf meine Leser-Zahlen zu schauen oder eben doch mal, und dann zu sehen, wie sie – natürlich – während meiner Blog-Pause im Sturzflug runtersegeln. Oder bei all den anderen Blog-Kollegen zu schauen, die natürlich nicht pausieren und gefühlt tausend tolle Projekte gleichzeitig starten. Schließlich ist dieser Blog nicht mehr nur ein Hobby. Und Geduld ist nicht meine Stärke. Und so ein Kochbuch kostet viel Zeit und noch mehr Geld. Aber ich mag dran glauben. Und ihr schreibt mir so oft, dass Wasfürmich für euch ein Ort der Ruhe ist. Ich gebe mir größte Mühe, dass es das zumindest meistens auch für mich ist. Und wenn ich euch zeigen kann, dass alles auf einmal eben nie geht und dass auch die tollsten Projekte nur Schritt für Schritt funktionieren, und das wir eben alle nur Menschen sind, dann ist es doch auch was Wert. Apropos Wert…

1. Au weia. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie ein Huhn ständig ein Ei herauspressen kann, definitiv eins dieser Wunder. Aber vielleicht gewöhnt man sich an die Presserei, wenn man sie beinahe jeden Tag macht. Eins unser Hühner hat sich auf jeden Fall schon eingelegt (sagt man das so?), die anderen dürften jetzt auch demnächst loseiern (und das?) und wir können es kaum erwarten. Es macht so einen Spaß, die Klappe zu öffnen und nachzuschauen, ob im Nest ein Ei liegt. Und natürlich schmecken die Eier großartig. Noch besser übrigens nach drei Tagen, wenn sie das perfekte Eiaroma entwickelt haben. Und den Kindern und uns wird wieder einmal bewusst, was für ein Wert eigentlich ein Ei ist. Dafür muss ein Huhn lange picken und scharren und pressen und wir Futter heranholen und Wasser austauschen und Ställe putzen.

Am Sonntag Morgen kam dann noch der Schaf-Frisör. Tjelle und ich standen Hand in Hand da und haben beim Scheren zugesehen. Dass aus den erdig öligen Flauschhaufen, die da meterlang wie hoch auf unserer Wiese herumlagen, tatsächlich Pullover werden, war uns beiden ein Rätsel. Nach der Schur wird die Wolle gewaschen (selbst in der Badewanne oder in einer der wenigen Schafwoll-Wäschereien), gekämmt und gesponnen. Auch das macht die Schäferin selbst. 200 Gramm (gut zwei Knäule) schafft sie an einem Abend.

Ich hatte schon lange nicht mehr darüber nachgedacht, ob es ich jetzt mag, dass wir auf dem Land leben, weil wir einfach hier leben. Aber an diesem Wochenende, ist es mir mal wieder bewusst geworden. Ich mag, dass man sieht, wie viel Arbeit all das Schöne macht, das man in der Stadt oft einfach gedankenlos kauft und konsumiert. Es rückt die Gedanken zurecht. Und den Konsumanspruch. Landleben ist wie ein Coach in Sachen Respekt für die Natur. Nicht bloß für meine Kinder. Auch für mich.

2. Partyyyy. Ich schaffe gerade kaum Blogposts, dafür aber andere tolle Sachen. Echtes. Mit Herz: Mein neues Schwups-Bilderbuch. Es heißt „Schwups feiert Geburtstag“ und ist schon jetzt das absolute Lieblings-Schwupsbuch meiner Kinder. Weil Geburtstag haben einfach eins unserer Lieblingsthemen ist. Und weil die Geschichte – und die herrlichen Bilder von Greta Brumme – einfach wirklich wunderbar sind. Einen Karton voll Vordrucke haben wir schon, ich hoffe morgen kommen die restlichen Paletten, dann zeige ich euch mehr. Und dann bin ich so gespannt, wie euch und euren Kindern der neue Schwups gefällt…

2. Nachtisch. Es ist verrückt, wie ich jeden Tag in meinem Garten herumlaufe und mich darüber freuen kann, was da so wächst. Unter anderem mein Rhabarber! Gerade als ich ihm mit einem Küchenmesser an den zugegebener Maßen noch ziemlich dünnen Kragen wollte, kam eine Nachbarin vorbei und hat mir erzählt, dass man Rhabarber im ersten Jahr noch nicht ernten dürfe. Und dass man ihn überhaupt mit einem Ruck herausreiße und niemals mit einem Messer schneide. Er darf also weiter einfach hübsch aussehen und ich kaufe Rhabarber, so rosa wie möglich, auf dem Markt, um dieses leckere Rhabarber Tiramisu auszuprobieren. Eigentlich sind wir hier alle dauerverliebt in mein Erdbeer-Tiramisu – ich bin gespannt, wie die süßsaure Rhabarber-Version ankommt.

3. Rot sehen. Meine Kinder haben erfreulicherweise ihren Musikgeschmack noch einmal überdacht. Statt Helene Fischer rocken sie jetzt immer öfter zu Wise Guys auf dem Sofa. Wenn sie „Jetzt ist Sommer“ mitsingen, denke ich jedes Mal an meine Lieblingszeile: „Sommer ist, was in deinem Kopf passiert.“ Und ich versuche, nicht auf all die Verrücktmacher zu hören, die um mich herum längst mit dem Verrücktmachen angefangen haben: „Das wird ein Mistsommer!“, sagen die einen, weil das im Schäferkalender der Nachbarin vom Nachbarn links um die Ecke steht. Oder aber: „Das wird eine neue Trockenkatastrophe und das Wasser wird knapp werden und die Schwimmbäder trocken und das Mineralwasser teuer“.

Ich weiß nicht, wie der weitere Frühling wird. Und wie der Sommer wird schon gar nicht. Ich weiß bloß, dass ich das Beste draus machen möchte. Meine Erinnerung für meinen Sommer im Kopf hängt im Ankleidezimmer, auf einem Bügel außen am Schrank, weil drinnen einfach Verschwendung wäre: dieses traumhaft schöne Kleid von einem meiner Lieblingslabels Mara Mea. Hinter dem Label Mara Mea stecken die beiden Freundinnen Donna und Maren, die vor ein paar Jahren ein Herz mit allen Schwangeren und Stillenden hatten und freundlicherweise Alternativen zu Igluzelt-Kleidern und Einheits-Streifen nähten. Das Gute: Die Kleidern sehen auch bei allen anderen super aus (sogar mit zu vielen Gummibären im Bauch) und sind super bequem. Ich habe auch noch dieses Kleid – und mag es zur Not auch mit enger Jeans drunter.

5. Still Lust. Ja, mein Kleinster ist beinahe zwei – und ja, ich stille immer noch. Ich habe inzwischen aufgehört, es tagsüber zuzulassen, weil ich es das nicht mehr mochte. Gab bloß ein bisschen Gequengel, ich kann ihn gut ablenken. Nachts mögen wir es dagegen beide noch und es ist so einfach, gerade jetzt, im Kochbuchendspurt. Ich merke, wie manche Freunde und Bekannte langsam irritiert gucken. Ich bin mir sicher, André hat auch langsam genug. Aber da muss ich jetzt durch. Und er auch. Meine Brust, mein Ding. Zum Glück hab ich die Wahl. Gemeinsam mit meinem Kind.

PS. Wie schön ist bitte der Trailer für den Downton Abbey Film, den es leider erst im Herbst 2019 im Kino geben wird? Mein Mann meinte neben mir: „Da passiert ja schön mal wieder gar nichts.“ Ich denke: „Es ist doch schön, wenn so schön mal nichts passiert.“

Eine schöne Woche für euch!

Claudi