Vieles, was letztes Wochenende fehlte, gab es dieses Mal: Muße, ruhige Momente, Kinder (und Mama) im Spielflow. Klar gab es auch frühes Gewecktwerden, Diskussionen über die Lautstärke von Bibi Blocksberg am sehr frühen Morgen, Maulerei beim Waldspaziergang. Aber es gab viel Zeit. Zeit für bunte Blattschätze, Apfelcrumble mit Sahne, den Tisch voll mit Freunden und Coq au Vin. Fünf Gedanken vom Wochenende…
Herbst mit Kindern

1. Abseits. Wir müssen raus, um beieinander zu sein. Das denke ich derzeit ganz oft. Verrückt, aber wahr. Wenn wir zuhause etwas gemeinsam machen, gibts gern tausend Ablenkungen. Ein Ball, der gekickt werden möchte, ein Hörspiel, das gehört werden mag, ein Bruder, der gezwickt wird. Woanders bleiben wir zusammen, sind ein Team, konzentrieren uns auf die Sache. Ich mache gerade mit den beiden Großen einen Töpferkurs in der Woche und es ist ein Riesenspaß. Zuhause Töpfern wäre nicht dasselbe.

Am Freitag waren wir mit ein paar Freunden in einer Kürbisscheune zum Schnitzen und ich habe wieder einmal gemerkt, wie schön es ist etwas gemeinsam woanders zu machen. Auch toll, dass der ganze Kürbiskernmatsch gleich dort bleiben durfte. Einsicht zwei: Meine Großen können plötzlich mit scharfen Messern ganz allein Gesichter und Fledermäuse in dicke Kürbiswände schneiden. Einsicht drei: Kürbis aushölen geht prima mit dem Eiskugelformer.

Herbst mit Kindern

Herbst mit Kindern

2. Kuhkuscheln. Neben den Kürbissen standen die Kühe, alle Kinder waren hin und weg von den großen Mäulern, kinderarmlangen Zungen und sanften Augen. Sofort fiel uns der riesige Bulle zwischen den zarten Jungkühen auf. Was macht der da?

„Der darf Sex haben mit den jungen Kuhladies“, erklärt uns der Bauer „So oft und so wie alle mögen“. Rein natürliche Familienplanung, wer schwanger wird, wird schwanger – künstliche Besamung wird damit unnötig. Ich habe mich gefreut, dass es sowas noch gibt. Noch mehr gefreut habe ich mich, wie selbstverständlich ich mit meinen Jungs über Penisse, Sex und Kuhliebe sprechen kann. Und mir gewünscht, dass das hoffentlich immer so bleibt.

Kinder und Kühe

3. Offline. Ich bin im Wettstreit mit mir selbst in den letzten Tagen. Ziel: Möglichst wenig Onlinezeit, das bedeutet bei mir vor allem möglichst wenig Zeit auf Instagram. Als ich hier letzte Woche schrieb, dass man bei Instagram neuerdings selbst sehen kann, wie viel Zeit man mit der App verbringt, bekam ich ganz viele Nachrichten, wie genau das ginge. Die gute Nachricht: es geht ganz leicht, oben rechts über die drei Striche, dann über den Punkt „Meine Aktivität“. Zuerst dachte ich, es funktioniert bloß bei Businessprofilen, das stimmt aber nicht, einfach mal ein Update fahren.

Ich habe meine Zeit auf Instagram seit letzter Woche bereits halbiert, habe gefühlt viel mehr Zeit für andere Dinge, schöne wie nützliche, und habe trotzdem auf all meinen Lieblingsaccounts nichts verpasst.

4. Wir waren im Wald. Das war schön. Und das war anstrengend. Ich habe da manchmal noch die Idee, von fröhlich jubelnden Kindern, bei der Aussicht auf einen Herbstspaziergang, von friedlich zusammentragenen Natur-Schätzen, Balancieren auf Baumstämmen und vom Laubbewundern. Gab es alles. Aber es gab auch Gemaule, Diskussionen, Frust.

Merke: Kinder haben ist immer beides, Lust und Frust, da ändert eine bilderbuchbunte Herbstwaldkulisse auch nix dran. Tut gut, sich ab und zu dran zu erinnern. (Demnächst kommt übrigens gleich das nächste Event, bei dem mein Mama-Kino im Kopf vorher meist eine rührselige Schnulze anteasert, dann aber eher ein kühler, skandinavischer Undergroundfilm gezeigt wird: Der Martinslauf.  (Ich freue mich trotzdem drauf. Ganz ehrlich.)


Herbst
5. Hurra, da sind sie wieder: Die langen, dunklen Abende mit Freunden am langen Esstisch, mit Flackerkerzenlicht und rauchduftigem Feuer im Kamin, blubbernde Kürbissuppe und Coq au Vin und Nachtisch, obwohl längst alle satt sind. Ich hatte sie fast vergessen. Fühlte sich aber gleich an, als wären sie nie weggewesen.

PS. Mehr Familienwochenenden: hier.
Eine schöne Woche euch!

Claudi