Gestern habe ich etwas Schönes über die ersten richtigen Herbsttage gelesen. Dass sie nämlich am allerschönsten sind, weil alles gelb wird – das Licht, die Blätter, das Gras – und weil es beginnt wunderbar feucht zu riechen. Am allerschönsten, bis es noch mehr Herbst wird und noch kühler und neblig bis zum Knie und sich alles allerschönstens braun verfärbt. Bis zum Winter – der dann auch wieder am allerschönsten ist. Beruhigend, oder? Hier ein paar Dinge und Gedanken von unserem Wochenende…

1. Bauen. Meine Kinder kleben Weihnachtswunschzettel, schon jetzt. Es sind mehrere aneinandergeklebte Blätter Papier mit ausgeschnittenen und aufgemalten Dingen, vor allem Legodingen. Ich weiß, dass sie selbst wissen, dass es das nicht alles geben wird. Ich erinnere mich aber auch noch, wie ich mit meiner Freundin Sarah damals meterlange Wunschzettel geklebt habe – und wie viel Freude wir daran hatten.

Nachdem ich mir am sehr frühen Samstag Morgen (müde!) die Liste mit Legoriesen anschauen musste, sie (wach!) traurig bemerkten, was ihnen alles fehle, erinnerte ich sie (wacher!) an den Korb mit den gesammelten Legoteilen von André und mir in der hinterletzen Ecke des Kinderzimmers. „Wieso baut ihr die Dinge die fehlen nicht einfach selbst?“, fragte ich. Kurzes Maulen, dann wurde der Korb geholt, kiloweise Legosteine, -räder, -platten wurden auf drei Tabletts ausgekippt (damit das Einräumen später schneller geht). Dann bauten sie mindestens zwei Stunden lang ihre eigenen Legoriesen, während ich daneben auf dem Sofa Kaffee trank (happy!).


2. Trauen. Eine völlig verrückte Idee, die mich schon eine Weile beschäftigt: Ein eigenes Kochbuch schreiben. Ein sehr persönliches, mit allen unseren Familiengerichten. André und die anderen Jungs sind Feuer- und Flamme. Ja klar, wir haben uns jetzt schon Bilderbücher getraut – aber ein Kochbuch wäre der Wahnsinn. Wahnsinnig toll. Wahnsinnig aufwendig. Wahnsinnig verrückt? Ich weiß nicht, ob ich genug Mut habe. Aber ich kann nicht aufhören, mir für „unser Kochbuch“ Notizen zu machen…

3. Sagen. „Kay?“, fragt er mich, meint „Okay?“ und schaut mich fragend an, mit Knallblaukulleraugen, Stirn in Falten und spitzem Herzmund.  Es ist so zuckersüß wie Dreijährige reden, oder? „Fifferfinge“, gab es heute bei uns zu essen. Und „Luftabons“ lässt er gern steigen. (Ich muss alles unbedingt mal wieder in unser Sprüchebuch schreiben.)


4. Lernen. Eine wunderbare Sache an diesem Blog ist, dass ich wunderbar spannende Menschen kennenlernen darf. Viele haben nicht bloß eine, sondern gleich mehrere Geschichten zu erzählen und die zweite oder dritte ist meist die spannenste. Wie die Pressefrau vor einer Weile, mit der ich eigentlich ein Interview über etwas ganz anderes geführt habe, wir aber  zwischendurch drauf gekommen sind, dass ihr Mann sehr erfolgreich nebenbei hübsche Periodensysteme verkaufe.

„Hübsche was?“, hab ich zuerst gefragt und an meinen Zyklus gedacht, bis sie mir wieder einfgefallen sind, diese kreuzworträtselähnlichen, undurchschaubaren Tafeln mit Elementen aus dem lange abgewählten Fach Chemie. Wir habe eine ganze Weile darüber gesprochen, wie schön es ist, wenn man für etwas brennt und sich was traut und ich dachte, falls ihr gerade Bedarf habt (oder eure studierenden Kinder): Wie wäre es mit einem Periodensystem-Duschvorhang?

5. Feiern. Am Sonntag nach dem Erntedankgottesdienst war Apfelfest bei uns im Kindergarten und wir haben Apfelkuchen gegessen und Apfelpizza, mit Äpfeln gedruckt und Äpfel mit einer kleinen Holzarmbrust vom Zaunpfahl geschossen. Die Jungs haben beim Apfelpressen geholfen und aus mitgebrachten Bechern den dicken, süßen Saft getrunken, der Leierkasten hat gespielt und wir haben der Trachtentanzgruppe zugesehen und hinterher ein kleines bisschen mitgetanzt – in warmen Boots auf den ersten bunten Blättern des Jahres. Wir tun genau das an genau diesem Tag seit sieben Jahren – und es ist wunderbar.

Mehr Wochenende: hier.

Eine schöne Woche,

Claudi