Puh, war das ein Wochenende. Ich habe viel gearbeitet. In der Küche, im Garten, an mir. Wir haben alle zusammen zwei ganze Tage zuhause verbracht, ohne Entertainment, was ich liebe, was ich so wichtig finde – was aber zwischendurch wirklich anstrengend ist. Außerdem war allerschönstes, goldenes Herbstwetter. Hier ein bisschen dies und das von den vergangenen drei Tagen…

1. Angespannt entspannen. Gleich Freitag Nachmittag tappte ich in die „Schön-mach-Falle“. Die Kinder waren beschäftigt, die Sonne schien, das Wochenende stand mit ausgebreiteten Armen vor mir – ich hatte Dinge auf der To-do-Liste, aber fast alle freiwillig und – ich kam nicht runter. Das ist oft so bei mir:  wenn ich es mir besonders schön machen will ist es nicht schön. Anders gesagt: Ich kann oft nicht abschalten wenn ich abschalten kann.

Ich setzte mich mit einem Kaffee in die Sonne – und hatte gleichzeitig tausend Dinge im Kopf, die ich machen wollte oder sollte. Ich fing etwas an (war es Wäsche, war es ein neues DIY?) – da brüllte ein Kind. Ich machte weiter, irgendetwas fehlte. Ich erinnerte mich ans Abschalten – da war die Sonne weg und der Kaffee kalt. Ich habe oft das Gefühl, je bewusster ich mir vornehme Dinge zu tun, desto mehr rattern andere Dinge in meinem Kopf. Es macht mich wahnsinnig. Vor allem, weil ich danach furchtbar unzufrieden bin, nichts richtig gemacht zu haben (weder Wäsche, noch DIY, noch Entspannen).

Plan für nächsten Freitag: Zwei Dinge auswählen, vielleicht eine doofe von der To-Do-Liste und eine nicht so doofe und die erledigen. In Ruhe. Außerdem bloß keine rosaroten Abschaltpläne machen. Vielleicht schalte ich dann ab….?

2. Apropos Pläne: Ich habe die Latten für unseren Zaun gestrichen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal über einen Zaun freuen würde, dachte immer, ein Zaun sei Spießigkeit zum Festschrauben (ist sie ja vielleicht auch). Aber ich freue mich drauf. Es soll gar kein Abgrenzzaun werden, sondern einer, der das Haus noch hübscher aussehen lässt. Einer zum drauf balancieren und vollranken. Geborgenheit zum Drüberklettern. Auf jeden Fall habe ich versucht, die Latten zu streichen – und ich weiß nicht, wer am Ende mehr Farbe trug, das Holz, der Dreijährige oder mein Baby. Auf jeden Fall freue ich mich tatsächlich ein klitzekleines bisschen darauf, in ein paar Jahren mal wieder Dinge einfach zu Ende machen zu können.
Herbst, Fuchssocken,
Porridge
3. Die fünfte Jahreszeit. Ich bin ganz früh wach gewesen am Samstag, habe eher zufällig aus dem Fenster geguckt und da war es, dieses  goldene Licht. Ich spürte durch die Scheibe, dass es kühl war, wie es auch abends schon zeitig eisig wird und dass Wind wehte, kräftig und ziemlich launisch schon, ein Vorgeschmack auf den richtigen Herbst, der bald kommen wird.

Doch da draußen war ein Glanz, wie es ihn bloß zu dieser Zeit im Jahr gibt. Ich erinnerte mich, dass die Chinesischen Medizin fünf Jahreszeiten zählt, statt bloß vier. Die fünfte meint genau diese Goldtage, von Mitte/Ende August bis zum ersten heftigen Herbststurm, der die Bäume blätterfrei pustet. Diese Jahreszeit trägt das Symbol Erde und tatsächlich ist sie perfekt, noch einmal viel Zeit draußen zu verbringen, bewusst den Geruch von warmer Erde und frischem Grün einzusaugen und ganz langsam die Sommerenergie in Richtung Winterruhe runterzufahren. Ich legte mich nochmal hin, Bauch an Bauch an mein Beinahe-Baby, freute mich, dass ich keine Kinder aus den Betten jagen musste und aufs Draußensein später.
Kastanien
4. Alle Emotionen. Wir haben ganz bewusst ein Wochenende ohne Entertainment gemacht. Quasi ein Vintage-Wochenende, so wie früher, als meine Mutter und mein Vater im Garten gearbeitet haben und ich um sie herumgehopst bin. Oder auch eben nicht, weil ich eine Höhle im Baum gebaut oder die roten Blüten des Essigbaumes als Würstchen gegrillt habe. Meinem Teddy mit Sandsenf serviert.

Bis Kinder ins Spiel finden, dauert es. Und das ist anstrengend (vor allem bei größeren Kindern). Manche können es besser, manche weniger gut. Da werden Sätze gesagt, untereinander und zu mir, die mich gleichermaßen wütend und traurig machen und ich war froh, gerade am Freitag diesen Artikel gelesen zu haben: „Deine Kinder probieren alle Emotionen, die sie jemals gegenüber jemanden fühlen werden an dir aus, wahrscheinlich sagen sie alle Schimpfwörter, die sie jemals benutzen werden, zuerst einmal zu dir.“ Sie lieben uns in der einen Minute und hassen uns in der nächsten. Großes Theaterdrama – im eigenen Zuhause.

Immer dran denken: Das muss so sein. Das gehört zum Großwerden dazu. Was für ein Glück, dass sie alle Gefühlsregungen in einem sicheren Rahmen austesten können, mit einem Gegenüber, dass nicht den Kopf verliert, dem vor allem nicht die Hand ausrutscht. Ich finde es wichtig zu sagen, was geht und was nicht. Ein Gedanke aus dem Text, den ich aber auch beruhigend finde: „Wenn wir auf alles eingehen, uns alles zu Herzen nehmen, was sie uns an den Kopf werden, zermahlen sie uns.“ Ich darf also manche Sachen einfach mal ignorieren. Ein Zitat von Bill Murry: “I have to love you and I have the right to ignore you.”
Kastaniendrache
5. Herbst. Und dann waren da ein paar Momente pures Herbstglück: Das erste mal Porridge zum Frühstück. Die Druckfahne für mein neues (so, so schönes) Buch! Einmal Apfel-Karamell-Tarte zum Kaffee und einmal Apple-Crumble. Ein Spaziergang zu den Kastanienbäumen am Ende der Straße. Ein selbstgebastelter Kastaniendrache, den sie ganz allein und friedlich miteinander bauen, während ich Crumbleteig krümele. Hagebuttenzweige auf der Fensterbank. Ein fast fertig gestrichener Dachüberstand. Freunde zum Abendbrot und das erste Mal Kürbisrisotto.

Außerdem ein schönes DIY meiner Leserin Anni: Für die kleinen Tisch-Tipis drei gleich große Dreiecke aus Backpapier ausschneiden, nach Wunsch bemalen. Jeweils eine Seite eine paar Zentimeter einknicken, Kleber auftragen und die drei Dreiecke als Zelt zusammenfügen. Zum Schluss drei Stöckchen hineinkleben (Schaschlikspieße oder Stöcke aus dem Wald). Hinein kommt ein batteriebetriebenes Teelicht…
Herbst, Basteln zum Herbst
Mehr Wochenenden hier.

Eine schöne Woche,

Claudi