Mit meinem Garten war es wie mit meinem ersten Kind: Ich bin da total naiv rangegangen. Es gab viele Sachen, die ich auf keinen Fall wollte: Lebensbaum, Unkraut, Jägerzaun. Und Sachen, die ich unbedingt wollte: Beete wie aus dem Gartenmagazin. Und ich wollte ständig unter dem Sonnenschirm Kirschkuchen essen, um mich herum Bienengebrumm – natürlich nur in den Blumen. WATSCH. Dann erwischte mich die Realität, wie mein Sohn mit dem eiskalten Strahl unseres Gartenschlauchs…

Wir wohnen seit etwa sechs Jahren in unserem Haus. Es ist ein Neubau, auch wenn es nicht so aussieht. Der Platz drumherum ist riesig, es ist der alte Garten meiner Schwiegereltern. Wir haben beinahe zwei Jahre an unserem Haus gebaut, weil André so viel selbst gemacht hat. Während ich mich in der Zeit um ein Kleinkind kümmerte und ein zweites bekam, versuchte ich gleichzeitig einen Garten herauszupressen.

Im Kopfkino stillte ich zwischen stattlichen Stauden

Wie immer konnte ich es einfach nicht erwarten: In meinem Kopfkino sah ich mich stillend auf Loungemöbeln über hübsche Beete blicken, in Wirklichkeit stakste ich mit zwei Kindern auf dem Arm durch kniehohen Schlamm. Ab und zu konnte ich nicht mehr warten und kaufte im Gartenmarkt ein paar Pflanzen, so wie man in der Schwangerschaft grinsend Bodys und kleine Rasseln kauft und damit die Bilder im Kopfkino schärfer stellt. Immer wenn ich schon mal einen Streifen bepflanzt hatte, kam André  und erklärte mir, dass der Bereich nochmal aufgebuddelt werden müsse. Seine Begriffe wie Regenabwasserleitungen und Wlannetzkabeltunnel passten so gar nicht zu meinen Vergissmeinnicht-Vorstellungen.

Ich hatte ja keine Ahnung, dass beim Hausbau alles noch mal viel schlimmer wird, wenn es eigentlich fast fertig erscheint. Dann kommt nämlich der Bagger und buddelt alles wieder auf. Für irgendwelche Anschlüsse. So war es auf jeden Fall bei uns. Statt auf Büsche und Blumen schaute ich auf Matsch. Wochen-, monate, jahrelang. Jetzt im Nachhinein würde ich mir wünschen, ich hätte es lockerer genommen. Die Zeit der Matsch-Magie als ganz eigene Magie akzeptiert.

Auch als es in Sachen Garten-Glück endlich losging, holte mich die Wirklichkeit schnell ein. Mit einem kleinen Spaten vor einer krautigen Wiese in Fußballplatzgröße zu stehen, fühlt sich noch aussichtsloser an, als abends im Kinderzimmer über das Legosteindurcheinander zu blicken. Als es ernst wurde, hatte ich plötzlich überhaupt keine Idee mehr, was ich wohin haben wollte und vor allem, wie ich aus der großen Weide einen Garten machen sollte, in dem ich mir nicht verloren vorkam. Es war wenig Kirschkuchen und Sonnenschirm, dafür jede Menge Buddeln und Rupfen. Immer brüllte ein Kind und wollte lieber Marienkäfer mit mir bestaunen. Und wenn ich mit einem Beet fertig war und mich umdrehte, zeigten mir die Brombeeren den Stinkestachelfinger.

Unser grünes Glück sieht nicht aus wie aus dem Garten-Magazin. Muss es auch nicht.

Unser Garten ist auch heute weit ab von perfekt. Trotzdem haben wir es geschafft, mit einfachen Mitteln ein wenig Struktur hineinzubringen. Bereiche für alle zu erschaffen und Räume zum Wohlfühlen zu gestalten. Was ich gelernt habe: wer kein Geld oder keinen Lust hat, sich den Garten von Profis perfekt anlegen zu lassen, braucht nicht unbedingt einen grünen Daumen. Aber zehn Finger Geduld.

Es geht nicht alles auf einmal und überhaupt geht nicht alles. Es darf und muss wachsen und sich entwickeln, und wenn man sich mit dem Gedanken erstmal angefreundet hat, dann macht gerade das Spaß. Ich mag dieses Sprichwort sehr: „To plant a garden is to believe in tomorrow.“ Wir haben gerade zwei Bäume auf unseren Rasen gepflanzt, als Halter für eine Hängematte in fünf bis zehn Jahren. Ich freue mich drauf – und bis dahin freue ich mich drauf, ihnen beim Wachsen zuzusehen. Wir mögen unseren Garten – und das ist doch das Wichtigste. (Die Bienen übrigens auch!)

Habt ihr Lust auf ein paar persönliche Tipps? Ich bin natürlich bei weitem kein Gärtner. Aber ein paar Dinge habe ich in Sachen Garten in den letzten Jahren herausgefunden und gelernt, die ich gern vorher gewusst hätte. Vielleicht ist ja auch was für euch dabei.

Fünf Tipps für einen lässig schönen Garten

1. Erstmal eine Struktur reinbringen: Mit Beeten, mit Ebenen, mit Wegen. Mir hilft es dafür Gärten in ähnlicher Größe auf Blogs oder bei Pinterest anzusehen und Ideen zu sammeln. Wir haben dabei weniger darauf geachtet „was man so macht“, sondern haben überlegt, wie wir es gern hätten. Und was zu unserer Familie passt. Wenn man einen Plan hat, würde ich nicht zum Spaten greifen, sondern einmal total tabula rasa machen und einen Bagger leihen und eine Menge Mutterboden bestellen. (Gibts teilweise super günstig bei Ebay Kleinanzeigen, wenn Leute Erde vom Hausbau loswerden wollen.)

2. Ich würde immer wieder versuchen, große Gärten in einzelne Räume einzuteilen. Durch Wege und Beete, Staketenzäune, Schuppen oder Büsche. Wir haben sogar eine zweite Ebene eingebaut, die durch eine Mauer gestützt wird. Dadurch wird die große Gartenwiese in zwei Teile unterteilt: Den Blumengarten oben, der in den nächsten Jahren gern dicht wachsen darf. Und die freie Wiese unten zum Toben und Ball spielen. Die zweite Wiese wird hinten vom Spielhaus und dem Hühnergarten begrenzt. Danach schließt sich die Obstwiese an, die wir gerade teilweise neu bepflanzen, weil viele der uralten Bäume tot sind. (Ein toter darf stehen bleiben, den umarmt hoffentlich bald eine Ramblerrose.

3. Chaos und unperfekte Ecken (die es bei uns reichlich gibt) stören mich weniger, wenn da ein paar besonders schöne Stellen fürs Auge sind. Hübsche Emailleschüsseln mit Blumen drin (ich bepflanze die einfach so, ohne Löcher zu bohren. Funktioniert super). Ein paar besonders gepflegte Beete. Und ich mag Überraschungen im Garten: Ein Boot als Sandkiste, eine kleine Elfe aus Metall im Beet, Deko von Reisen am Schuppen (bei uns zum Beispiel eine bunte Bojen-Sammlung). All das macht aus einem Garten einen guten Freund.

Super praktisch finde ich einen langen Gartenschlauch, weil wir im Sommer jeden Abend reichlich gießen müssen. Damit der nicht immer wie eine giftige Schlange quer über dem Rasen liegt, haben wir inzwischen einen hübschen Schlauchaufroller. (Der Schlauch liegt allerdings trotzdem noch viel zu oft herum….)

4. Mit den Pflanzen ist das so ein Ding. Ich habe einfach angefangen und gepflanzt, worauf ich Lust hatte. Ich glaube, ich würde das wieder so machen, weil man dadurch so viel übers Gärtnern lernt. Aber ich habe so auch jede Pflanze mindestens einmal umgepflanzt. Vielleicht würde ich beim nächsten Mal darauf achten, die Pflanzen, die größer werden nach hinten und die, die kleiner bleiben, nach vorn zu pflanzen. Auch ein Blick aufs Etikett nach dem besten Standort, also Sonne, Halbschatten oder Schatten macht Sinn.

Manches wächst dennoch nicht. Keine Ahnung warum. Seit etwa zwei Jahren bin ich radikaler mit trotzigen Pflanzen: Wer nicht will, was ich will, muss gehen. (Klarer Vorteil zu den Kids!) Ich schaue also, was bei uns gut wächst und was bloß herumkrepelt kommt weg. So macht mir Gärtnern viel mehr Spaß. Ich pflanze eigentlich bloß Stauden, die immer wieder kommen. Einfach, weil das viel weniger Arbeit macht. (Dahlien gucke ich mir dann bei meinen Schwiegervater an). Ein paar Ausnahmen mache ich: Ich drücke zum Beispiel  jedes Jahr neue Sonnenblumenkerne ins Beet (vor allem vor der Hauswand) und pflanze in die Lücken in den Staudenbeeten reichlich Verbena bonariensis. Die kriecht dann mit lila Blüten auf dünnen Stielen in allen Lücken hoch und blüht bis Oktober. Ich liebe es.

Jede Pflanze braucht ihren Tanzbereich.

Noch ein Tipp: Nicht zu dicht pflanzen. Ich mache das gern, weil ich keine Erde sehen und es gern üppig grün mag. Pflanzen brauchen aber Platz (und ich Geduld), sonst wächst alles wild ineinander und vieles geht sogar ein. Wer ein bisschen Abstand lässt und ein paar Jahre wartet, erhält dagegen hübsche Staudenkissen ohne Lücken.

Die besten Erfahrungen habe ich übrigens mit Ablegern von Freunden und Pflanzen von Pflanzenbörsen oder aus Gartenmärkten gemacht. Ich bestelle auch gern mal hier (Stauden) und hier (Büsche und Bäume). Pflanzen aus dem Baumarkt wachsen bei mir meistens nicht (was daran liegen soll, dass sie mit viel Dünger schnell hochgezüchtet werden.)

5. Akzeptieren, dass nicht alles geht. Nein, mein Kirschkuchen-Kopf-Kino ist nicht immer geschlossen. Ich hätte es bei uns im Grünen öfter mal perfekter. Aber ich habe akzeptiert, dass nicht alles geht. Ich hätte zum Beispiel super gern einen Staketenzaun rund um unseren Hühnergarten. Aber bei der Größe sprengt das einfach das Budget! Hortensien kann ich leider nicht, also dürfen sie woanders wachsen. Und in meinem Gemüsegarten hat mich das Unkraut überwältigt. Ich habe es gewinnen lassen – und starte in ein paar Jahren vielleicht nochmal von vorn und dann richtig. Vielleicht.

Vielleicht reicht mir derzeit auch mein Mini-Beet im Terrassenhochbeet. Das Unkraut gewinnt auch im Beet direkt an der Holzveranda spätestens ab unserer Sommerreise… Inzwischen kann ich mich dennoch öfter mit einem Buch dazu setzen und meinen unperfekten Garten genießen. Und manchmal gibt´s sogar Kirschkuchen.

PS. Wir machen hier bei WASFÜRMICH eine kleine Pfingstpause und melden uns ab Mittwoch wieder mit neuen Geschichten! Macht es euch schön.

Claudi